143. Tag, Rest: 223 Tage

Mein gestriger Blogbeitrag war eher ernster Natur. Es ließ sich kein einziger Witz in dem brisanten Thema verstecken. Mir macht das auch keinen Spaß. Trotzdem habe ich die ganze Nacht überlegt, wie man sich (nein, wie ich mich) für die Engländer ins Zeug legen kann. Und eigentlich hatte ich die Antwort ja schon gestern gefunden. Man müßte ihnen einmal ganz laut zurufen: Wir mögen euch! Genau das versuche ich heute mal mit ihrer Hilfe. Stimmen wir ab, entscheiden wir uns für oder wider den Verbleib der Engländer in der EU. Sie können jetzt gleich ans Ende scrollen und Ihre Stimme abgeben oder erst noch mal ein bißchen mehr über die Gemütslage der Engländer erfahren. 

Hier sind die wichtigsten Gründe der EU-Gegner. Ihre Argumente für einen Ausstieg lauten:

Immigration:

Die Gegner fürchten die EU-Reisefreiheit. Sie wollen die Kontrolle darüber behalten, wer in ihr Land einreisen darf. Sie fürchten billige Arbeitskräfte und sogenannte “Gesundheitstouristen”, die sich kostenlos in England behandeln lassen, inkl. Operationen. (Anmerkung: Die Einreise tausender Commonwealth Bürger toleriert man großzügig, diese Menschen werden nicht (!) als Immigranten wahrgenommen.)

Kriminalität:

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Ohne englischen Humor, der in jedem Londoner Corner Shop zu finden ist, würde mir etwas ganz Wesentliches im Leben fehlen.

Briten können und werden auch bei kleineren Vergehen im Europäischen Ausland von den dortigen Gerichten verurteilt. Man fürchtet die fremden Rechtssysteme. (Es wird zwar nicht aussdrücklich Deutschland genannt, aber die Schrecken, die der ehemalige Reichsgerichtshof verursachte, wirken auch heute noch nach.) 

Handel:

England hat wegen seiner Geschichte traditionell andere Handelspartner als beispielsweise Deuschland. Man setzt auf Wachstumsmärkte wie sie in China und Indien zu finden sind. Mit denen würde man gerne schnell und direkt ins Gespräch kommen. Da ist die EU eher störend als hilfreich. (Man vergisst die klassischen Handelspartner, nämlich die Länder der EU. Ohne sie würde der Alltag nicht funktonieren. Ich sage nur: Lidl, Aldi, DHL, Allianz … Mit einem Schlag wären alle Verträge innerhalb der EU nichtig und müssten neu verhandelt werden.)

Recht und Gesetz:

Dem Engländer ist es nicht vermittelbar, dass Brüssel Gesetze entscheidet, die für ihn gelten. Der Brite will seine Gesetze selbst machen, von eigenen Leuten, und über beides will er die Kontrolle haben. (Das auch englische Abgeordnete im Europäischen Parlament sitzen, übersieht der Engländer total. Aber es ist auch nicht wichtig, denn er ist es gewohnt von Politikern regiert zu werden, die mindestens eine einfache Mehrheit bei Wahlen erzielten. Alles andere ist dem Engländer suspekt.)

Arbeitsmarkt:

Dem Argument, das England (Britain) drei Millionen Arbeitsplätze verliert, sobald man aus der EU austritt, hat man nichts entgegenzusetzen. Man argumentiert also etwas kindisch und sagt das könne man alles wett machen, wenn man selbst die Abgaben etc. bestimmen kann, die Unternehmen zu zahlen haben. Dann würden die ausländischen Investoren bestimmt bleiben. (Das Argument wackelt gewaltig; gerade hat sich der indische Stahlriese aus dem britischen Geschäft zurückgezogen und hinterlässt dem Staat mal eben die gesamte, nicht wettbewerbsfähige englische Stahlwirtschaft. Ob das gut geht?)

Durchsetzungskraft:

Die Engländer können sich auch ohne EU international durchsetzen. Wenn man die Beziehungen zu den Ländern des Commonwealth verstärkt, wird man außenpolitisch als Schwergewicht wahrgenommen werden (Ein verräterisches Argument, denn ob EU oder Commonwealth, beides sind Vereinigungen. Warum macht die EU den Engländern Angst aber nicht der Commonwealth? Weil sie beim letzteren (noch) im Chefsessel sitzen.)

Finanzen:

Ähnliche Argumentation wie beim Arbeitsmarkt: Alles Quatsch, die Banken werden London nicht verlassen, wenn wir aus der EU ausscheiden. Man muß ihnen steuerlich entgegenkommen, dann werden sie gerne bleiben. (Welche Konsequenzen das hätte, nämlich eine Einladung für alle bösen Buben dieser Welt, scheint dem Engländer nicht klar zu sein. Es erstaunt mich manchmal wie naiv gedacht wird.)

Souveränität:

Wenn England in der EU bleibt, ist die eigene Regierung nicht länger souverän. (Das ist die Kernaussage gegen die EU, dieser Satz überzeugt jeden Engländer, hier geht es nicht mehr um Politik sondern um Patriotismus. Niemals wird der Engländer aufhören “God save the Queen” zu singen. Sein Souverän ist das Königshaus. Das teilt er nicht und dem kann nichts an die Seite oder gar über das Haupt gestellt werden. Das ist nicht verhandelbar.)

Verteidigung:

England will nicht Teil einer EU Armee werden. Auslandseinsätze werden toleriert, aber niemals unter Kommando der Deutschen. (Auch hier spielen alte Feindbilder und Ängste eine entscheidende Rolle. Da wir sie in die Köpfe der Menschen gebracht haben, sollten wir über deren Langzeitwirkung kein Wort verlieren. Für mich ist es eher ein Grund beschämt zu sein.)

 

Gut, das war vielleicht etwas lang, etwas trocken, etwas zu ernsthaft. Ich verspreche kein Wort mehr über das Thema zu verlieren, jedenfalls nicht mehr vor der Abstimmung, die am 23. Juni stattfinden wird. Weil ich mich ganz entschieden für einen Verbleib der Engländer in der Europäischen Union einsetze, würde ich ihnen gerne ein Zeichen der Sympathie zeigen. Um der Absicht Kraft zu geben, bitte ich um ihre Abstimmung. 

 

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The boss himself says:

George says: “I’ll make an exception for you and can reveal already my vote: Yes, I will stay with you.

Ich sage: “Du weißt schon, dass es hier um die politische Entscheidung geht und nicht um deine persönlichen Neigungen?

 

 

Was passierte noch am 22. Mai?

de 1990

Der Softwarehersteller Microsoft veröffentlicht das Betriebssystem Windows 3.0. –

Das ist man gerade 26 Jahre her!!! Vorher gab es nur die DOS Oberfläche. Ich habe

es noch gelernt, das Programmieren mit Basic und Co. [,select_expr [AS alias_name]…]

uk 1897

Der Blackwall-Tunnel unter der Themse wird durch den Prince of Wales, den späteren

König Edward VII., eröffnet. Mit 1344 Metern ist er zu diesem Zeitpunkt der längste

Unterwassertunnel der Welt. – Den Straßentunnel gibt es noch heute. Die südliche

Einfahrt ist in Greenwich, gleich bei O2 Rundzelt.