236. Tag, Rest: 130 Tage 

Thematisch setzte ich gleich mal da an, wo ich gestern aufhörte. Seit letzten Freitag kann man ohne Zeitdruck auch noch ein zweites oder drittes Glas am Abend bestellen, wenn man im London West End unterwegs ist. Oder East End, dafür sind wir aber zu alt. Nach Hause kommt man auf jeden Fall, denn das Projekt Night Tube wurde endlich für weitere Linie übernommen. Auf der Northern, Central, Jubilee, Victoria and Piccadilly Line fahren die U-Bahnen am Wochenende (Freitag u. Samstag) die ganze Nacht durch. Zwischen sechs bis acht Züge pro Stunde sind versprochen. Prima Service.

 

commuters
Das können nur die Londoner. Man schiebt sich eng an eng in die Bahn ohne jemanden zu berührt. Hohe Kunst der Konzentration.

 

Und noch ein tolles Angebot kündigt der Londoner Verkehrsverbund (TfL) in diesen Tagen an. Weil inzwischen immer mehr Leute mit dem Schiff zur Arbeit fahren, werden gleich ein Dutzend neue Anlegestellen gebaut. Das kann natürlich auch der Tourist nutzen. Bestimmt haben Sie die blau-weissen Fähren schon auf der Themse gesehen. Meistens fahren sie im halben Stundentakt. 

 

thames-clipper

 

Anfangs verstand ich die Namen falsch, es gibt nämlich den River Bus und den Thames Clipper. Ich dachte es wären zwei verschiedene Reedereien. Aber das stimmt nicht; es sind einfach zwei verschiedenen Namen für dieselbe Fähre. Oder genauer gesagt, ist ein Thames Clipper ein River Bus sobald er im Auftrag des TfL fährt. Machen Sie sich darüber keine Gedanken, für Sie ist wichtig, dass sie die Schiffe mit der Oyster Card benutzen dürfen. Wer keine hat, sollte eine contactless payment card in der Tasche haben. Denn mit Bargeld können Sie nur an den Piers bezahlen, die einen Ticketschalter haben. Und das sind nicht mehr sehr viele. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass in Woolwich, Blackfriars und Millbank kein cash möglich ist. Da stand ich dann blöd da und überlegte, ob ich hinterher schwimmen soll.

Die Schiffe befördern sowohl Pendler als auch Touristen. Das sind dann die “Sight Seeing Tours”. Wer ein Konzert in der O2 Halle besuchen will, wird wahrscheinlich mit dem River Bus hinüberfahren. Nach Schluß, auch bei mehreren Zugaben, kann man sich darauf verlassen, auch wieder ans Nordufer zurückgebracht zu werden. 

 

by-night
Abends ist es besonders romantisch. Da lohnt es sich auch einfach mal von A nach B zu fahren und gleich wieder retour.

 

An Bord können Sie Essen und Trinken, aber bitte nicht die mitgebrachten Sachen. Der Bordkiosk möchte Geld verdienen und bietet Snacks und Getränke an. Zeitungen gibt es kostenlos, wie überall im Nahverkehr. An manchen Piers ist free WLAN Empfang möglich. Hunde dürfen natürlich auch an Bord. 

Die Zahlen sprechen für sich. Fast eine Million Londoner Arbeitnehmer benutzen täglich die River Busses um zur Arbeit und zurück zu kommen. Tendenz stark steigend. Kein Wunder, denn mit dem Auto kommt man nicht in die City und die Undergrounds sind nur allzu oft technisch gestört, bestreikt, schweißtreibend warm und rappelvoll. Der Londoner Bürgermeister hat gleich elf neue Anlegestellen für die Thames Clipper versprochen. Viele werden schon in Kürze in Betrieb genommen werden. Zum Beispiel Westminster. Ausserdem werden die Strecken deutlich weiter ausgeweitet werden. Auch Barking im Osten Londons soll in das Netz eingebunden werden. Ein Pier entsteht gerade an Canary Wharf und ein zweites an Providence Wharf. Beide liegen auf der Isle of Dogs. Weitere Ziele sind Wapping, Rotherhithe, Greenwich and Beckton. Und falls Sie im Savoy Hotel absteigen sollten, dann freuen Sie sich, denn das bekommt auch einen eigenen Anleger. Aber wer da wohnt, wird wohl seinen Chauffeur dabei haben und sich nicht wirklich mit dem Londoner Personentransport beschäftigen.

 

map
Die Karte zeigt die neuen Anlegestellen. Mit Mausklick kann das Bild vergrößert werden. Die Karte wurde von TfL herausgegeben.

 

 

 

The boss himself says:

George says: “‘I hate the Tube. They pack you in like a sardine.

Ich sage: “Ja, ich weiß. Wenn der Engländer nicht rundherum einen Meter Abstand hat, fühlt er sich in seinem Persönlichkeitsrecht verletzt. In London habe ich das Händeschütteln mit ganz langen Armen gelernt. Soll ich lieber rüberrutschen?” “No, come closer.”

 

 

 

Was passierte noch am 23. August?

de 1617

Heute darf England mal wider doppelt punkten: In London wird die erste 

Einbahnstraße eingerichtet. – Kein Wunder, denn die Straßen sind noch heute

so schmal, dass keine zwei Pferde aneinander vorbei kommen.

uk 1887

Großbritannien verlangt im parlamentarisch verabschiedeten Merchandising Marks Act 

auf allen importierten Industrieprodukten künftig die Angabe des Ursprungslandes.

“Made in Germany” entsteht. – Damit haben Sie den deutschen Hersteller wohl eher

unbeabsichtigt unter die Arme gegriffen.