54. Tag, Rest: 312 Tage

Finanziell reiche Leute haben bei uns Geld wie Heu und in England money to burn. Hi, hi, gut möglich das sie damit auf dem Land auch mal den Kamin fütterten, damit die Eiseskälte aus dem Herrenhaus weicht. Wie auch immer, wer mag der Reichste in England sein. Die Queen? Möglich, obwohl so mancher Oligarch vielleicht in derselben Liga spielt. Allerdings sind die unfassbar wohlhabenden Russen und Saudis, die in direkter Nachbarschaft des Palastes leben, allesamt Zugezogene. Sie leisten sich eine Zweitwohnung in London. Manchmal belegt die einen kompletten viktorianischen Wohnblock, hundert Meter lang und vier Stockwerke hoch. Aber auf dem größten Geldberg sitzt ein anderer und das ist der Crown Estate. Der Name begegnet mir immer wieder, irgendwo steht er diskret zu lesen, und da stellte sich die Frage: Wer ist das eigentlich?

Jeder Tourist besucht den Tower um dort einen Blick auf die Kronjuwelen zu werfen. Krone, Zepter, Diamanten und Juwelen werden hier gezeigt. Übrigens nur ein kleiner Teil des Schatzes, das meiste liegt in Tresoren, tief im Keller, verborgen. Alles zusammen, Reichsinsignien und der Tower selbst, gehören dem Crown Estate und nicht etwa der königlichen Familie, den Windsors.  

 

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Die Regent Street. Die Einkaufsmeile im Herzen Londons. Wer hier ein Geschäft hat, ist vermutlich Mieter des Crown Estate. Er ist der Eigentümer ganzer Straßenzüge.

 

Der Crown Estate ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und verwaltet den Besitz der britischen Krone. Mit ca. 500 Mitarbeitern wacht er über das sogenannte Krongut. Es gehört der Monarchin, aber nicht als Privatbesitz, sondern nur in ihrer Eigenschaft als Staatsoberhaupt. Sie darf es weder verkaufen noch die Gewinne einheimsen. Früher war das anders, aber im 18. Jahrhundert trat der damalige König Georg seinen gesamten Besitz an das Königliche Schatzamt (HM Treasury) ab. Deren Chief ist der Schatzkanzler (Finanz- u. Wirtschaftsminister), zur Zeit George Osborne, und er hat sein Büro gleich neben dem Prime Minister in der Downing Street No 11. Falls man dort mal eingeladen ist, muß man aufpassen das man die Haustüren nicht verwechselt, denn sie sehen absolut gleich aus. Wußten Sie übrigens, das die weltbekannte, tiefschwarze Eingangstür gar nicht aus Holz ist? Sie ist aus Stahlblech, Zentimeter dick. Klopfen Sie also nie an, das hält kein Finger aus.

Zurück zum Crown Estate. Natürlich sollen sich die dort verwalteten Werte vermehren und da sind Fachleute am Werk. Was mag neben Häuser, Grundstücke und Juwelen dazugehören? Von alleine komme ich darauf, dass auch Schloß Windsor, inklusive Park, Staatseigentum ist. Mehr überrascht mich eine Whisky Distillerie in den Schottischen Highlands (Glenlivet). Viele der riesigen Naturparks sind Eigentum der Krone, und manchmal auch gleich ein ganzes Dorf! Das erinnert an Besitzverhältnisse, die wir bereits vor gut 200 Jahren überwunden hatten. Allerdings tritt die Krone hier ja “nur” als Vermieter und nicht als Landlord auf, glaube ich jedenfalls, und so gesehen ist das nicht rückständig.

 

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Das Dorf Dunster am Rande von Exmoor gehört vollständig der Krone. Das Schloß, die Pubs und die tradtionellen Tea Rooms sind allesamt Eigentum des Crown Estate.

 

Richtig viel Geld verdient man offshore. Das Meer und dessen Nutzung gehört natürlich auch der Krone. Und so hat man vor der Themsemündung einen der weltweit größten Windparks gebaut und verdient prächtig an der Stromerzeugung mit. Ich habe den gigantischen Windpark einmal aus dem Flugzeug gesehen und staunte sehr. Die Anlage reicht bis zum Horizont. Wenn da nachts oder bei Nebel mal ein Schiff versehentlich reindampft, dann wird es sportlich. Dann sollte der Rudermann den Slalom beherrschen.

Der Crown Estate ist also vielseitig beschäftigt; oftmals in der Funktion einer Immobilienfirma, aber nicht ausschließlich. Symbolisch am wertvollsten dürfte die Crown of Queen Elizabeth sein, die im Tower bestaunt werden kann. Sagen Sie übrigens möglichst nicht crown jewels, das wäre zwar richtig, der Engländer versteht aber gerne darunter etwas ganz anderes, auf das man auch gut aufpassen sollte. Also diese funkelnde Krone, die im Tower sicher verwahrt wird, ist mit Juwelen und Diamanten nur so gespickt. Einer davon, der größte, wird inzwischen vom früheren Besitzer zurückgefordert. Der ‘Berg des Lichts’ (Koh-i-Noor) gehörte früher einem inidschen Maharadscha und der hat nicht gerade schriftlich seine Zustimmung gegeben, als britische Soldaten das Juwel kurzerhand mitnahmen. Jetzt will man den Kluncker zurück; die Sache ist bereits vor Gericht. 

 

diamant
Die Krone der Königin. Vorne, im Kreuz des Bügels, sitzt der wertvolle Diamant.

 

Vielleicht sollte Her Majesty Treasury doch noch einmal kritisch die Liste der Besitztümer durchgehen, sonst könnte es passieren, das eines Tages ein Pottwal vor dem Parlament aus der Themse auftaucht und sein Spielbassin vor der Mündung zurückfordert. That would be completely beautifully embarrassing. 

 

thanet
Die wind farm Thanet vor der Themsemündung ist riesig. Jeder Pfeiler ist fast doppelt so hoch wie Big Ben und würde sogar The Gherkin überragen.

 

 

The boss himself says:

George says: „The crown jewels are strictly private and only my business.

Und ich: “Na, Gott sei Dank. Ich würde sie nur ungern mit dem Schatzmeister teilen.” 

 

 

Was passierte noch am 23. Februar?

de 1932

In einer Rede vor dem Deutschen Reichstag sagt der SPD-Politiker Kurt Schumacher: 

„Die ganze nationalsozialistische Agitation ist ein dauernder Appell an den inneren

Schweinehund im Menschen“.

uk 1893

Rudolf Diesel erhält ein Patent auf seinen “Dieselmotor”. Als er mit der Fähre 1913 

nach England fährt, verschwindet unter ungeklärten Umständen. Später wurde seine

Leiche im Wasser treibend entdeckt. Er war auf dem Weg nach London.