83. Tag, Rest: 283 Tage

Gott sei Dank, der Frühling ist da! Egal ob es jetzt regnet oder sonnig bleibt, es ist geschafft. Die Sonne ist über LOS gegangen. Feinfühlige Seelen spüren es: Good vibrations liegen in der Luft! Die Natur erwacht, der Widder regiert, alles reckt und streckt sich dem Licht entgegen. Ich bin da keine Ausnahme. Weil Ostern so früh ist, muß es jetzt fix gehen. Zum Beispiel bei den Schafen, denn Ostern ohne Lämmer geht gar nicht. Schon bald laufen sie wieder bunt angemalt um die Wette, als Vorprogramm für edle Rennpferde. Das ist in England nationale Tradition, genau wie die Morris Dancers und über beides hatte ich schon letztes Jahr geschrieben: Wooly jumpers.

Überhaupt passieren auf der britischen Insel in diesen Tagen merkwürdige Dinge. In Suffolk wird ein two-stone Lamm geboren. Ein Riese, gut 13 kg schwer und groß wie ein Toddler! Wenn der wollige Tollpatsch neben seinen gleichaltrigen Brüdern steht, kann man es kaum glauben. Der Farmer, Neil Fell, sagte: “He’s the biggest lamb I’ve ever seen and I’ve been farming all my life.” 

 

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Nicht Mutter und Kind sondern gleichaltrige Geschwister. Lambo ist nur zwei Tage älter als der normal große Bruder.

 

Zur selben Zeit herrschte auch im Londoner Zoo eine ziemliche Aufregung. Der Tierpark liegt im Regent’s Park, also ziemlich zentral. Nach langer Bauzeit wurde jetzt das Land of the Lions fertiggestellt. Das weitläufige Areal ist nicht alleine für die Löwen gebaut worden. Dort können auch Touristen in Lodges übernachten. Eine ziemlich originelle Idee, wie ich finde. Auch darüber habe ich schon berichtet: Tierisch gut oder Schnapsidee? Immerhin ist die neue Attraktion für London so wichtig, dass die Queen gemeinsam mit ihrem Mann an der Eröffnungsfeier teilnahm. Als sie den Rednern aufmerksam zuhörte, nutze Löwin Rubi die Gelegenheit zum Anschleichen.

 

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“You’ve still got your hands, arms and legs?” Philip asked a group of keepers to laughter. Ja, alles noch dran.

 

Ziemlich witzig wurde das Bild kommentiert: Lion licks its lips at thought of royal meal. Da hat wohl der Frühlingshafer gestochen, selten werden so gewagte Witze über die Königin gerissen. Aber sie wird es mit einem Lächeln quittiert haben und überhaupt scheint mir der Kommentar falsch zu sein. Ich glaube die Löwin hat die aufreizende Feder im Blick und fragt sich eher: What kind of bird is it?

Gut 2.500 Quadratmeter Auslauf bietet das neue Freigehege den Großkatzen. Das finde ich prima und werde bestimmt bald einen Besuch machen, denn wir wohnen ganz in der Nähe. Nur einen Spaziergang entfernt. Angeblich wurden die Löwen auf den königlichen Besuch vorbereitet! Die Zwillinge Heidi und Indi und ihre ältere Schwester Rubi wurden fünf Wochen lang trainiert, damit sie sich angemessen verhalten. Fast hätte es geklappt. Als aber der Direktor eine etwas langatmige Rede hielt, und Prinz Philip schon ganz nervös von einem Bein auf’s andere wippte, war die Geduld zu Ende. Die Zwilling begannen eine kurze Rauferei. Aber alles ganz harmlos. Und Philip war wohl heilfroh über die Ablenkung.

Und dann rauschte auch noch ein Komet über London hinweg. Alles passierte binnen zweier Tage und einer Nacht. Der himmlische Überflieger schien ziemlich niedrig zu fliegen. Von einer Landung weiß man nix. Aber Dank der flächendeckenden rund-um-die-Uhr Video Überwachung (CCTV) sind solche Ereignisse immer auf einem Foto festgehalten. 

 

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Ganz schön spooky. Und dann passierte es ausgerechnet am St. Patrick’s Day. Haben himmlische Mächte mitgefeiert?

 

 

The boss himself says:

Georgs says: „I would prefer to bed down in one of ZSL’s overnight lodges overlooking the lion enclosure, rather than stay at the Ritz.”

Und ich sage: “Wenn wir nett fragen, leihen Sie uns vielleicht Rubi für eine Nacht aus. Die kann dann im Garten schlafen. So herum wäre es mir lieber.

 

Was passierte noch am 23. März?

de

 

1966: Der Bundesparteitag der CDU wählt zwei Tage nach dem Rücktritt Konrad Adenauers Ludwig Erhard zum neuen Parteivorsitzenden. – Der Dicke soll es jetzt machen.

uk

 

1839: Erstmals wird der Gebrauch von O.K. als Abkürzung für oll korrect in der Zeitung Boston Morning Post dokumentiert. – Das ist doch auch mal interessant. Der Engländer benutzt die amerikanische Abkürzung selten. Er sagt lieber: all right. Lustig finde ich die Formulierung: That’s all right with me = Hiermit bin ich einverstanden.