237. Tag, Rest: 129 Tage 

Mayfair ist einer der teuersten Stadtteile Londons und Teil der City of Westminster. Botschaften aus aller Welt sind hier zu finden. Luxushotels wie das Dorchester stehen am Hyde Park. Und in der Savile Row lässt sich der Mann von Welt seinen Maßanzug schneidern. Der Tourist, also auch ich, kommt häufiger mal durch Mayfair, weil rundherum interessante Sachen zu finden sind und auf jedermanns must-have-seen-list stehen.

mayfair-map
Mayfair liegt zwischen Hyde Park und Soho. Im Süden ist St. James’s und nördlich bildet die Shopping Meile Oxford Street die Grenze zu Marylebone.

Wäre ich hier alleine unterwegs, würde ich wohl die New Bond Street entlang schlendern und mir den Piccadilly Circus ansehen, aber ich habe zum Glück George an meiner Seite. Dem macht es inzwischen richtig Spaß, mir die ‘secrets of London’ zu zeigen, wobei ich mir nicht immer sicher bin, ob er mir die Wahrheit erzählt. Wir steuern die Audley Street an, wovon der Audley Square abgeht. Vor der Hausnummer 2 bleiben wir stehen. 

audley-square-2

In diesem roten Backsteingebäude ist ein ganz besonderer Club zu finden. Seit 1921 ist der University Women’s Club hier beheimatet. Ein sehr exklusiver Zirkel, der ausschließlich Frauen aufnimmt und der den vielen Herrenclubs in nichts nachsteht. Gegründet wurde die Society schon 1883 von Gertrude Jackson. Zu ihren Zeiten noch in der Maddox Street, wo schon damals Herren der Zutritt verboten war. In der Clubgeschichte kann man lesen: “Gentlemen guests were rigourisly excluded – not through any hatred of the sex but simply through want of space.” Daran hat sich bis heute nichts geändert. Neugierig werfe ich einen Blick auf die Jahresbeiträge und bin angenehm überrascht. Der Preis für die Mitgliedschaft ist nach Wohnort gestaffelt. Je näher man am Club wohnt, desto höher die Kosten. Ich müsste “nur” £389 pro Jahr zahlen. Da verlangt mein Hamburger Tennisclub mehr. Ach, wie gerne wäre ich Teil einer solchen Gesellschaft, aber alleine die Grundvorraussetzung fehlt mir, ich habe keinen akademischen Abschluß. Ich glaube George fällt gerade ein Stein vom Herzen, denn das hätte ihm gerade noch gefehlt. Eine Freundin, gut vernetzt in der Londoner Frauenwelt. 

womens-club
So sieht die Library im Women’s Club aus. Ich mag diese gediegene Eleganz und würde mich sofort neu einkleiden, um angemessen auszusehen. – In diesem Haus haben sich schon Gertrude Bell, Vera Brittain und Virginia Woolf zum Tee und Gedankenaustausch getroffen.

Als ich mich sattgesehen habe und an Informationen gesammelt hatte, was möglich war, da will mir George noch etwas anderes zeigen. Vor dem Haus mit der Nummer 2 steht eine alte Strassenlaterne. Sie hat sicherlich einige Jahrzehnte erlebt. Aber George weiß noch viel spannendere Dinge über den lamppost zu berichten. Während des Kalten Krieges, also in den Fünfzigern und Sechzigern wurde diese Laterne als stiller Briefkasten von den Russen genutzt. Spione deponierten hier ihre Fotos und Dokumente, die sie dem Russischen Geheimdienst zukommen lassen wollten. “Wirklich? Das hört sich ja wie im Film an.” George nickt und zeigt auf den Laternenpfahl. Da ist tatsächlich eine kleine Klappe eingearbeitet! Ich glaube es nicht.

lamppost
Audley Square, vor der Hausnummer 2, steht ein Laternenpfahl mit einem geheimen Briefkasten. Achtung, top secret.

Ich bin schwer beeindruckt, aber George ist noch gar nicht am Ende. Eine Überraschung hat er noch anzubieten. Wir können gleich am Laternenpfahl stehenbleiben, denn dann sieht man genau auf das Haus Nr. 3. Es liegt ein Stück von der Straße zurück. “Over there Harry Saltzman had his office when he produced the James Bond film Dr No.” Die Nähe zum realen Agentenschauplatz war sicherlich Zufall und es ist auch unwahrscheinlich, dass die Filmproduzenten von dem Spionageversteck wußten. Ich bin jetzt schlauer, dank meines genialen Guides.

audley-square-3
Im Audley Square 3 hatten Cubby Broccoli und Harry Saltzman ihr Büro als sie den Bond Film ‘Dr No’ produzierten.

The boss himself says:

George says: “‘In earlier centuries, when the Women’s Club was at George Street, the Ladies spent their time with the selection of food and drinks. The whisky went down particularly well. It was sold for threepence an inch.

Ich sage: “Sie verkauften den Whisky nach Zentimetern? Etwa mit Strichen an der Flasche??” “Yes, one of the Secretary’s duty was to mark out the bottles carefully.” “Das gefällt mir. Ich will auch in einen solchen Club.”

 

Was passierte noch am 24. August?

de 1866 In Wien verbreitet sich eine Cholera-Epidemie. Die Seuche war zuvor im 

preußischen Heer ausgebrochen, das während des Deutschen Kriegs nach

Österreich vorgerückt war. – Anfänge der biologischen Kriegsführung?

uk 1875 Der Brite Matthew Webb durchschwimmt als erster Mensch den Ärmelkanal. –

Er schwamm von Dover nach Calais in 22 Stunden. Das Wasser hatte es ihm

angetan. Als er die Niagara Fälle durchschwimmen wollte war Feierabend.