84. Tag, Rest: 282 Tage

Ich stelle jetzt mal eine Behauptung auf, von der ich annehme, das sie falsch sein muß. Aber so wie es eine richtige und eine gefühlte Temperatur gibt, so könnte es sich auch hier verhalten. Es gibt Dinge, die können nur in England passieren. In der Regel sind das absurde, wahnwitzige und völlig schräge Ereignisse. Und um die These zu untermauern, biete ich heute mal wieder so eine Story. Ein tube worker, seine genaue Aufgabe konnte ich nicht erfahren, ist aber auch ganz egal, hatte letzte Woche einen über den Durst getrunken. Nun, das passiert in London und ganz sicher auch in Hamburg oder wo auch immer. Also der Mann, er heißt Steve, war mit seinen Kumpels in Soho unterwegs und strandete mitten in der Nacht, ziemlich angetrunken, in einem Bus-Stop-Wartehäuschen. Klar, da fuhr um diese Zeit nix mehr, aber Steve war schnell eingenickt und dämmerte dem Morgen entgegen. Irgendwann wachte der 35-jährige auf, weil irgendjemand an ihm herummachte. Da zog jemand mit aller Gewalt an seiner Hose. Unfassbar, aber offensichtlich wollte man Steve die Hose klauen. Das ist nun wirklich dreist, denn da wird eine ‘Notlage’ ausgenutzt. Aber auch solch Verhalten kann in jeder deutschen Großstadt passieren. Englisch wurde die Story, als Steve erzählte wer ihm an die Wäsche wollte. Es war ein streunender Fuchs!

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Steve go home. But leave me your trousers!

 

Lassen wir Steve erzählen: “I must’ve passed out and woke up at half past three, looked down and saw the fox nibbling on my trainers. It must’ve woken me. When I came to, I just thought, ‘what the hell are you doing?’ It was just curious – I wasn’t scared at all because it seemed to be saying either, ‘come with me and have an adventure’ or ‘get your kit off’. I immediately reached for phone in my pocket and managed to get a few shots. It didn’t flinch or move or anything – he was absolutely fearless.” Soweit Steve’s Schilderung, die man kaum glauben mag, aber er konnte seine Fotos als Beweis vorlegen. Und mal ehrlich, der Fuchs guckt irgendwie ganz schön schlau. Der Kerl hat sich was in den Kopf gesetzt und kennt ansonsten gar nix. Keine Angst und kein Pardon.

 

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Super Ausrede wenn der Gatte mal wieder ohne Hosen aus dem Pub heimkehrt. Auch das passiert in England regelmäßig.

Steve hat trotz oder vielleicht gerade wegen seiner Promillewerte den Fuchs sofort verstanden: “He seemed to say come on, have a laugh.” Klar, was soll ein englischer Fuchs auch sonst beabsichtigen? Und dann ist noch ein zweiter Fuchs auf der Bildfläche erschienen und beteiligte sich sofort an dem nächtlichen small-talk. Aber da bin ich mir nicht ganz sicher, ob Steve nicht einfach alles doppelt gesehen hat? Egal, er kommentiert wieder typisch englisch: “I love animals and think they’re adorable. He was so playful but not biting at all.” Erstaunliche Aussage, den eine spätere Inspektion seiner Schuhe und Hose, zeigte unübersehbare Bisspuren. Foxy hat wohl nicht locker gelassen.

Steve hatte noch einen weiten Weg vor sich, denn er wohnt in Essex. Als er gegen Morgengrauen endlich wieder zu Hause war, meinte er nur: “I don’t think I will visit that part of London again.” Gemeint ist das Vergnügungsviertel Soho und George, der fast Londoner, stöhnt jedes Mal ähnliches, wenn er irgendwie dort hängen geblieben ist. Die Gründe sind immer unerforschlich, aber eines ist stets gewiß, es war nie seine Idee gewesen.

Tierexperten erklären das Verhalten des Fuchses damit, dass die Wildtiere inzwischen längst die Großstadt erobert haben. Sie haben ihre Angst verloren und besonders im Süd-Westen Londons gibt es eine richtige Fuchsplage in den Wohngebieten. Bei uns im Garten, immerhin mitten in Hampstead, hat sich auch längst ein Fuchs eingenistet. Wir akzeptieren ihn und er nimmt uns kaum zur Kenntnis. Nur manchmal am späten Abend, dann lugt er neugierig durch die Terrassentür. Foxy ist ein echter Spanner.

 

 

 

The boss himself:

George says: „Urban foxes in London have increased massively. You hear stories about them climbing in bedroom windows and attacking women.” 

Und ich: “Das hast du dir ausgedacht. Das glaube ich nicht. Du willst heute Nacht den Helden mimen, wenn ich panisch die Decke über die Ohren ziehe. – Nein, das macht mir keine Angst aber -by the way- it’s cold. Please close the window!” 

 

Was passierte noch am 24. März?

de 1756 Preußens König Friedrich II. erlässt an eine Ordre, mit dem Auftrag „denen

Herrschaften und Unterthanen den Nutzen von Anpflantzung dieses Erd Gewächses 

begreiflich zu machen, und denselben anzurathen, dass sie noch dieses Früjahr die

Pflantzung der Kartoffeln als einer sehr nahrhaften Speise unternehmen.“

uk 1603 Mit dem Tod der kinderlosen englischen Königin Elisabeth I. wird der schottische König 

Jakob VI. in Personalunion als Jakob I. auch König von England und Irland. Damit

beginnt die Herrschaft der Stuarts auf den britischen Inseln.