238. Tag, Rest: 128 Tage 

Wenn man in London am Themseufer spazieren geht, sollte man ruhig mal einen Blick über die Kaimauer werfen. Da gibt es sowohl Schönes als auch Interessantes zu entdecken, egal ob man am Nord- oder Südufer flaniert. Überall an den Embankments sind Löwenköpfe in der Kaimauer eingelassen. Alle tragen einen großen, eisernen Ring im Maul, der vielleicht dazu dienen soll, hier ein Boot zu vertäuen. Aber Vorsicht, denken Sie an den Tidehub. Der beträgt an der London Bridge zwischen 4,0 – 7,0 Meter. Mit anderen Worten, der Wasserspiegel steigt in 12 Stunden um die Höhe eines zweigeschossigen Hauses! Das ist enorm viel, denn die Elbe in Hamburg (St. Pauli Pegel), bewegt sich zwischen 3,40 – 3,90 Meter. Da ist in London deutlich mehr Bewegung im Themsefluß und weil die Flut so stark hineindrückt, ist das Wasser in der City leicht Meersalz haltig. Sicher eines der Gründe, warum sich auch mal ein kleiner Wal bis zur Tower Bridge verirrt.

 

themse-strand
Bei Ebbe sieht man den breiten Sandstrand am südlichen Themseufer. Hinten die Kuppel von St Paul’s und die Hochhäuser im Bankenviertel.

 

Klar, wenn ein Sturmflut droht, dann wird London schnell überflutet. Und richtig schlimm kam es im Winter 1953, als dreihundert Menschen ertranken. Auch hier drängt sich die Parallele zu Hamburg auf, dort starben ähnlich viele Bewohner in der Februarflut 1962. Nach diesen schrecklichen Ereignissen, reagierten beide Städte mit massiven Massnahmen. Hamburg deichte weite Gebiete im Hafen hoch ein, London baute ein riesiges Sperrwerk, gleich vor Greenwich. Seitdem kann der Fluß durch zehn tonnenschwere Tore, komplett gegen die See abgesperrt werden. 

 

barrier-protect
Vorne das Themsesperrwerk, dahinter die Landzunge mit dem O2-Zelt und dann die Isle of Dogs mit den Hochhäusern.

 

Die Sperre im Fluß bildet einen guten, wenn auch nicht immer hunderprozentigen Schutz gegen das Wasser, aber sie verhindert auch die Weiterfahrt großer Schiffe in das Herz von London. Der Hafen und die Containerterminals mußten weit vor die Stadt, nahe der Mündung neu gebaut werden. 

 

westminster palace

 

Über die Westminster Bridge gehen wir zum nördlichen Victoria Embankment zurück. Selten hat man einen so freien Blick auf den Palast. Für einen Augenblick scheinen alle Ampeln auf rot zu stehen und die Touristen machen wohl auch gerade Pause. Einen Augenblick später weiß ich, wo die Reisebusse geblieben sind. Sie parken Stoßstange an Stoßstange am Nordufer der Themse. Eine Bus-Blechwand so weit man gucken kann. Aber ich bin ja auf der Suche nach den Themse Löwen und die sind nicht an der Straße, sondern nur vom Wasser aus zu sehen. Da habe ich einen freien Blick.

 

lions

 

 

Was hat es denn nun mit diesen Köpfen auf sich? Ich lasse es mir von George erklären: Als London noch nicht von der Thames Barrier gegen Hochwasser geschützt wurde, blieb den Menschen nur die Flucht vor den Fluten. Dabei war es wichtig, so früh wie möglich gewarnt zu werden, denn dann konnte man Hab und Gut vielleicht noch retten. Diese Löwen sind das uralte Warnsystem der Londoner bei Hochwasser. “It’s  a rather lovely, not particularly scientific way of alerting.” Charmant wie immer, weiß George gewisse technische Schwächen des Systems zu umschreiben. Um 1870 wurden die Embankments (Victoria and Albert) gebaut. Gleichzeitig brachte man die Löwenköpfe an die Kaimauern an. Alle paar Meter einen. Alle Polizisten waren damals angehalten, auf den Wasserstand zu achten. Sobald die Löwenköpfe vollständig im Wasser untertauchten, mußte Flutalarm gegeben werden. Jeder Bewohner kannte diese Regel und schnell hatte man einen Merkspruch geprägt, den die meisten Londoner auch heute noch aufsagen können: “When the lions drink, London will sink.” Allerdings ist die Bedeutung verloren gegangen. Man wird stauen, wenn Sie es dann erklären können. Und hinterher heißt es dann wieder: “Oh those Germans. They know everything.”

 

 

The boss himself says:

George says: “‘If you believe or not, there is still a Metropolitan Police Standing Order if this occurs all London Underground stations are to be closed immediately.

Ich sage: “Gut zu wissen. Dann muß man nicht immer gleich vom Terroranschlag ausgehen, vielleicht ist es einfach nur eine Sturmflut. Und sowas kann mich als echte Hamburgerin natürlich nicht schrecken.”

 

 

waterworld-2016
Der letzte Wintersturm im März Februar 2016. Waterworld an der Themse. Trotz geschlossener Barriere reichte das Wasser bis an die Brücken hoch. – Die Löwen konnten wohl gerade noch über die Themse blicken, denn die Underground fuhr unverdrossen.

 

 

 

Was passierte noch am 25. August?

de 1967

Die Geschichte des Fernsehens in Deutschland verzeichnet anlässlich der 

Internationalen Funkausstellung den Start des Farbfernsehens. – Ich dachte,

es wäre erst in den Achtzigern passiert. Man kriegt halt alles durcheinander.

uk 1939

The United Kingdom and Poland form a military alliance in which the UK promises

to defend Poland in case of invasion by a foreign power. – Na das nenne ich eine

Punktlandung. Sechs Tage später erfolgt der Überfall der Deutschen.