56. Tag, Rest: 310 Tage

monument
Die Säule von der Monument Street aus fotografiert. Hier ungefähr muß 1666 das große Feuer ausgebrochen sein.

Wir fahren in die City und machen gleichzeitig eine Zeitreise. Zurück in das Jahr 1666. Damals lebten dort schon rund 350.000 Menschen. Seit gut einem Jahr wütete die Pest und tötete jeden fünften Londoner. Im Sommer 1666 nehmen die Ansteckungen rapide ab und stoppen dann gänzlich. Es ist überstanden, die Menschen atmen auf, es gibt wieder eine Zukunft. Und dann, am ersten Sonntagmorgen im September, bricht ein Feuer aus. Es wird vier Tage lang lodern, immer wieder von heftigen Winden entfacht, und die ganze Innenstadt in Schutt und Asche legen. Das wirtschaftliche Zentrum Londons ist verbrannt. Ich lese darüber mit großen Augen, denn jeder Satz über ‘The Big Fire of London’ kommt mir merkwürdig vertraut vor. Alles erinnert mich, bis ins Detail, an den großen Brand von Hamburg. In beiden Fällen ist ein vergessenes Herdfeuer die Ursache, man unterschätzte völlig die Geschwindigkeit mit der sich die Flammen von Haus zu Haus durch die Gassen fressen und als man endlich mit der Sprengung ganzer Strassenzeilen beginnen wollte, war es schon viel zu spät. Die Londoner haben der Katastrophe ein Mahnmal gesetzt, das schlicht ‘The Monument’ heißt. Vielleicht haben sie den Namen schon gelesen, denn die Underground Station, die am nächsten liegt, heißt genauso. The Monument ist eine Säule mit einer Aussichtsplattform. Man muß die Wendeltreppe hochgehen, um schließlich in rund 60 Meter Höhe den Ausblick auf London genießen zu können. Ich winke sofort ab, das ist mir ehrlich gesagt zu ambitioniert und ausserdem fürchte ich einen Drehwurm zu bekommen. Vielleicht sogar Platzangst, es ist eng und fensterlos. George wäre gerne losgestürmt, das sind genau die Sachen die ihm Spaß machen. Er ist im Zeichen des Widders geboren und verausgabt sich gerne. Oben hätte er dann allerdings genauso gepustet wie ich.

walkie-talkie
Das Walkie-Talki. Ganz oben der Sky Garden mit Bar und Restaurant. Manche erinnert die Form an ein Pint (Bierglas) und das ist deshalb der zweite Name des Hochhauses. Prämiert 2015 mit dem Preis f.d. häßlichsten Neubau. Glückwunsch!

Ein Detail des Monuments ist bei mir hängengeblieben, nämlich die Höhe des Turmes. Sie beträgt 61 Meter und markiert damit exakt die Distanz zwischen ihrem Standort (Fish Street) und dem Haus, wo damals das Feuer ausgebrochen ist (Pudding Lane). Und da liegt nun der Hase im Pfeffer, denn man mußte die Adresse kürzlich korrigieren. Thomas Farriner’s bakery, -er vergaß eines seiner Herdfeuer zu löschen-, lag gar nicht in der Fish Street, sondern in der heutigen Monument Street. Das ist alles sehr nahe beieinander und ich weiß nicht ob man nun auch den Abstand zur Säule neu berechnen muß, aber ich glaube man wird an ihrer Höhe nichts ändern wollen.

Weil George um meine Faulheit weiß, hat er sich einen Plan B überlegt. Wäre doch schade, wenn man keinen Blick auf London werfen würde. Und zwar von oben. Wir gehen nur ein paar Straßenzüge weiter und in der eher schmalen Fenchchurch Street türmt sich auf einmal eine Hochhausklotz vor uns auf. Der Skyscraper, ein Bürogebäude, trifft architektonisch nicht gerade mein Geschmack. Ein klobiger Kasten, der oben breiter ist als an der Basis. Irgendwie alles krumm, man weiß einfach nicht, wo die Linien enden sollen. Im Volksmund heißt er ‘Walkie-Talkie’ und das trifft es ganz gut. Wir fahren mit einem Express Aufzug in die obere Etage. Die Kabine rauscht so schnell in die Höhe, dass ich gar keine Zeit habe, meinem eher empfindlichen Magen nachzugeben. Die Aussicht von da oben ist sensationell. Man kann rund um die ganze Etage laufen, in der Mitte sind Palmen gepflanzt und breite Treppen führen noch ein Stockwerk höher. Natürlich kann man hier ein Bier trinken oder ins Restaurant gehen. Wir besuchen die Bar, -man sollte vorbestellen-, denn so häßlich der Bau von aussen auch aussieht, der Besuch ist sehr begehrt. 

Wer es genau wissen möchte:

Hier können Sie sich den Standpunkt vom Monument (rote Nadel) und dem Skyscraper ‘Walkie-Talkie’ (pink) mit den Sky Gardens in der Fenchurch Street 20 ansehen. Bei der Brücke über die Themse handelt es sich um die London Bridge=> Bild öffnen

 

The boss himself says:

George told me: „The Walkie-Tallkie skyscaper has caused a lot of grief. The glass facade with its ‘death ray’ reflections has been accused of scorching pavements and melting cars. And the express lift shaft is emitting loud whistling sounds. But the worst was its responsibility for creating a wind tunnel which is knocking down shop signs, blowing over trolleys and toppling pedestrians.

Und ich: “Das Hochhaus hat wenig Freunde unter den Londoner und auch Besucher wundern sich über den häßlichen Kasten am Themseufer. Immerhin der Sky Garden kann einiges wettmachen. Schön, dass man die ganze Etage für Schau- und Fotolustige zur Verfügung gestellt hat.”

sky-garden2
Vom Sky Garden hat man einen sensationellen Blick auf London. Und man muß nicht zu Fuß hochlaufen.

Was passierte noch am 16. Februar?

de 1947 Der Alliierte Kontrollrat der Siegermächte des Zweiten Weltkriegs löst endgültig

den Staat Preußen auf. Die Hohenzollern werden eine Träne verdrückt haben.

uk 1943 Birth of George Harrison (Beatles) in Liverpool. He died 2001 in Los Angeles.  

Fare well guitar George! – He was my favourite of the Fabulous Four.