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Die Londoner Taxis sind wahre Ikonen der Stadt. Man MUSS sie benutzen, denn eine Fahrt mit einer black cab ist ein wirklicher Reisegenuß. Wie aber macht man das? Wie hält man ein Taxi an und wie bezahlt man? Darf jeder eine Taxe fahren oder gibt es eine Ausbildung? Alle Details habe ich sicher noch nicht erfahren, denn das professionelle Taxifahren in London ist eine ziemlich komplizierte Angelegenheit. Ich bin aber nur als Fahrgast unterwegs und muß mich zum Glück um den Verkehr nicht kümmern. Also schildere ich es mal aus meiner Sicht, bequem auf der Rückbank sitzend. 

 

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Hier sind gleich drei London Klassiker auf einem Bild zu sehen: Der Doppeldecker Bus, die rote Telefonzelle und das schwarze Taxi.

 

Der Londoner Taxifahrer braucht eine Zulassung. Dafür muß er eine Prüfung ablegen. Ich glaube das macht er bei ‘Transport for London’, die auch für den Nahverkehr zuständig sind. Aber beschwören will ich das nicht. Der Taxifahrer, in London ‘cabby’ genannt, hat eine Prüfung mit dem schönen Namen ‘The Knowledge’ zu absolvieren. Ein großes Wort, das in Übersetzung ‘das Wissen’ oder ‘die Kenntnis’ heißt. Es wurde durchaus passend gewählt, denn dem künftigen Taxifahrer wird einiges abverlangt. Er hat im Umkreis von knapp 10 km rund um Charing Cross jede Strasse namentlich zu kennen! Das sind sage und schreibe 25.000 Straßennamen. Dazu muß er alle Hauptstrassen Londons kennen, alle Theater in der Stadt und das sind hunderte, alle Museen, Sehenswürdigkeiten, Hotels usw. Für mich ist es unvorstellbar, wie man das lernen soll. Und er darf damit nie aufhören, denn neben der Adresse eines Theaters im West End, muß er auch den aktuellen Spielplan, die Hauptdarsteller und die Eintrittspreise kennen. Eine Kurzfassung des Inhalts plus aktueller Kritik wird meistens ebenfalls von ihm geliefert. Wohlgemerkt alles korrekt und zuverlässig.

Es gibt mehrere Schulen in London, die dem angehenden Taxifahrer das ‘Knowledge’ vermitteln. Man braucht mindestens vier Jahre, oft sind es mehr. Die Männer (Frauen sind selten im Taxi) fahren täglich stundenlang die Gegend um Charing Cross mit dem Motorroller ab. Dabei prägen sie sich die Straßennamen präzise ein. Wer jemals dort war, kennt die tausend kleinen Neben- und Hintergassen, die natürlich auch dazugehören. In der Schule zeichnen die Fahrer dann täglich hunderte von Fahrtrouten auf laminierte Strassenkarten und lernen bis in den späten Abend alles über London, was den Besucher interessieren könnte.

 

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Büffeln in der Knowledge School. George sagt, in der Zeit kann man auch Medizin studieren. Da hat man es mit weniger Namen zu tun, denn Knochen und Organe sind letztlich überschaubar.

 

Wer fleißig ist bekommt dann nach Jahren seine Lizenz für das ersehnte Taxi. Davon gibt es drei Modelle, einen älteren TX1 und seinen Nachfolger TX2. Beide können fünf Personen plus Gepäck mitnehmen. Man sitzt hinten, zwei Klappsitze sind der Rückbank gegenüber an der Fahrerrückseite montiert. Dann gibt es neuerdings auch noch die Metrocabs, das sind umweltfreundliche Taxis, die sogar sechs Leute befördern können. Man nennt sie auch oft green cab weil sie mit Batterieantrieb fahren. Die klassischen black cabs sind meistens schwarz, aber es gibt auch weiße und bunte.

 

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Das neue Metro Cab ist ein ‘green cab’, oft weiß lackiert, und wird elektrisch angetrieben. – Übrigens für den Taxifahrer ist Trafalgar Square der topographische Mittelpunkt der Stadt.

 

Daneben gibt es mini cabs, die für private Firmen fahren. Man muß sie vorbuchen, was allerdings inzwischen auch bei den black cabs möglich ist. Es ist den mini cabs verboten, jemanden unterwegs mitzunehmen und Sie sollten niemals der Versuchung folgen und in ein solches Auto einsteigen. George hat es mir strikt verboten. “Call me or go on foot!” Die Fahrer der mini cabs haben oft keine Ausbildung, manche wohl auch keinen Führerschein, sie sind ohne Ortskenntnisse und vor allem fehlt häufig die Versicherung! Also Finger weg. Leisten Sie sich ein klassisches black cab, dann werden Sie auf kürzesten Weg durch London kutschiert. Übrigens unterhalten sich die Fahrer oft sehr gerne während der Fahrt und das sollte man nutzen. Niemand kann einem mehr über die Metropole erzählen, als diese wahren Insider

Eigentlich ist die Benutzung eines Londoner Taxis wie in Deutschland und doch will ich einen kurzen Leitfaden geben: Black cabs werden per Handzeichen herangewunken (to hail a cab). Bitte rufen Sie nicht laut “Taxi!”, das ist unüblich und wird nicht gerne gehört. Die Stadt ist voll mit Taxis, wenn der Wagen frei ist, leuchtet sein gelbes Schild ‘taxi’ or ‘for hire’ auf dem Dach. Der Fahrer wird sofort halten und Sie gehen dann erst einmal zu seiner Tür, wo er die Scheibe runtergedreht hat, und nennen ihm von außen ihr Fahrtziel. Sie müssen weder Straße noch Stadtteil angeben, denn er kennt 20.000 Adressen in London! Nennen Sie den Namen des Hotels, des Theaters, des Restaurants usw. und er wird sie auf kürzesten Weg dorthinfahren. Nun können Sie also auf der Rückbank Platz nehmen. Am Ziel nennt der Fahrer den Preis, den er von der Uhr abliest, und sie sollten ihm zusätzlich ein Trinkgeld geben. Zehn Prozent sind angemessen, aber viele erhöhen den Betrag einfach bis zum nächsten vollen Pfund. Übrigens wundern Sie sich nicht, wenn der Taxifahrer plötzlich wendet und auf schmalsten Straßen sicher die Kurve kriegt. Die Wagen sind auf einen minimalen Wendekreis ausgelegt. Sie kommen mit acht Metern aus oder wie der Fahrer sagen wird: “I can turn on a sixpence.”

 

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Platz für fünf Leute. Auf die Rückbank passen drei (schlanke) Gäste und zwei können ihnen gegenüber sitzen. Dort sind klappbare Sitze, dadurch hat man hinten extrem viel Beinfreiheit. Die reicht übrigens auch um während der Fahrt die Hose zu wechseln; George hat es ausprobiert.

 

Inzwischen kann man wohl auch in allen black cabs mit Kreditkarte zahlen. Die Fahrer mögen es nicht so gerne, denn es kostet sie eine Gebühr. Also wählen Sie vielleicht lieber die Barzahlung oder das kontaklose Bezahlen. Alle drei Möglichkeiten stehen im Taxi zur Verfügung. Wann immer ich eine black cab benutze, unterhalte ich mich gerne mit dem Fahrer. Nirgends kann man besser Englisch lernen. In den Gesprächen erfuhr ich, dass die meisten cabbies selbstständige Unternehmer sind. Die Taxe gehört ihnen. Immerhin fahren aktuell ungefähr 21.000 black cab driver in London. Wenn die Wagen auch nicht mehr zwingend schwarz lackiert sein müssen, so gilt doch noch immer eine Vorschrift für den Innenraum. Er muß hoch genug sein, dass der Gast seinen bowler hat aufbehalten kann! In der City werden sie nur ‘all London drivers’ antreffen. Sie befahren den Großraum Greater London. In den Vororten gibt es auch ‘suburban drivers’, die nur den jeweiligen Distrikt befahren. So, und nun rein in die nächste Taxe und viel Spaß bei der London Tour.

 

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Wenn das gelbe Schild leuchtet, ist der Wagen frei. Strecken Sie den Arm aus und schon hält der Fahrer. Es gibt tausende Taxis in London, nur bei Regen kommt kein einziges vorbei.

 

 

The boss himself says:

 

George says: “It was a bad idea to prescribe card readers for all drivers. I mean the customers jump out when it suits them, and they pay with cash. If they jump out with a credit card, you’re going to stop the whole traffic of London. And if you go to a place like Hampstead, you can’t get a signal anyway. 

Ich sage: “Nun ja, ganz so schlimm ist es auch nicht. Aber stimmt schon, das Smartphone funktioniert nicht immer, wenn ich hier bei dir zuhause bin. Es ist schon komisch, denn die Engländer sind immer die Ersten mit super tollen Equipment, aber an der Grundausstattung, wie Breitbandkabel, fehlt es hinten und vorne.

 

 

 

Was passierte noch am 25. November?

 

de 1915

Albert Einstein stellt seine Allgemeine Relativitätstheorie bei der Preußischen

Akademie der Wissenschaften vor. – Und wann fiel der Groschen bei der Jury?

Doch bestimmt nicht bei Einstein’s Vortrag, oder?

uk

1703

Über die Britischen Inseln fegte der schwerste Windsturm, über den dort je berichtet

worden ist. Der Orkan mit Geschwindigkeiten bis zu 200 km/h dauert bis zum

2. Dezember an. Insgesamt etwa 8.000 Menschen kommen ums Leben, zahlreiche

Schiffe gehen unter und tausende Eichen stürzen um. – Kein Wunder, dass sie auf

jedes ungewöhnliche Wetter mit ängstlicher Erwartung reagieren. Egal ob Regen,

Wind oder Sonne.