299. Tag, Rest: 67 Tage 

Hilft alles nix. Wenn man eine Behauptung aufstellt, die sich als falsch erweist, muß man das richtigstellen. Und deshalb ist heute eine ‘rectificaton’ fällig. Ich habe Kumbuka unrecht getan, als ich behauptete, er wäre mit roher Affengewalt aus seinem Gehege ausgebrochen. Stimmt nicht. Die große Glasscheibe, die den Besucher von monkey’s kingdom trennt, ist noch immer heil. Wir haben uns gerade selbst davon überzeugt, als wir unseren Spaziergang durch den Regent’s Park machten und dabei auch den London Zoo besuchten.

gorilla
Kumbuka ist wieder ganz zufrieden. Er spielt in seinem ‘Wohnzimmer’.

Das der 18-jährige Gorilla vor wenigen Tagen aus dem sicheren Gehege ausbüxte, ist richtig. Allerdings waren die Umstände anders als zunächst vermutet. Kumbuka, so heißt der Silbernacken, hat einen separaten Ruheplatz. Ein richtiges eigenes Schlafzimmer. Dorthin wird er täglich mehrmals gebracht, wenn er beispielsweise ungestört essen soll. Ein Pfleger öffnet ihm von aussen die Türen, redet beruhigend auf ihn ein und dann watschelt der meistens ganz vergnügte Gorilla Boss ganz von alleine in sein ‘Zimmer’. So passierte es auch letzte Woche. Aber irgendwie hatte die Gittertür hinter ihm nicht fest geschlossen und so war es für Kumbuka möglich wieder zurück, in den noch immer streng abgesicherten Durchgangsbereich, zu gelangen. 

scheibe
Großer Andrang vor der Scheibe. Die ist sicher. Weder Affen noch Telezooms können das Glas beschädigen.

Und weil ein Fehler gerne einen zweiten nach sich zieht, war ausgerechnet zu dem Zeitpunkt ein weiteres Tor offen, nämlich eine Tür zum internen Pflegerbereich. Dort sind keine Besucher, aber der zuständige Gorilla Wärter war dort ganz alleine beschäftigt. Auf einmal steht der fast doppelt so große Gorilla vor ihm. Neugierig guckt er seinem menschlichen Freund bei der Arbeit zu. Der behält zum Glück die Nerven und redet ganz ruhig auf Kumbuka ein. Und tatsächlich gelingt es ihm alle Türen zuzusperren und sich selbst in Sicherheit zu bringen. Der Affe ist zwar noch immer ausserhalb seines Geheges, aber sicher getrennt vom Besucherbereich. Was dann geschah wissen wir. Die Polizei rückte an, der Zoodirektor ließ sein Mittagessen stehen und der Tierarzt lud das Betäubungsgewehr. Eine gute Stunde später wachte der Gorilla in seiner vertrauten Umgebung auf. Für ihn war erst einmal Feierabend. Wer einen so aufregenden Tag hinter sich hat ist müde und will früh zu Bett.

zoo-keeper
Die zoo-keeper gönnen sich eine Pause und verdrücken mitgebrachte mince pies. Nicht nur Kumbuka, sondern auch George läuft das Wasser im Mund zusammen. Er guckt so bettelnd, bis man auch ihn füttert.

Eine Sache allerdings ist dann doch noch passiert. Kumbuka ist das peinlich, er lässt es gerne aus, wenn er von seinem Abenteuer berichtet. Man muß wissen, dass der Gorilla seit einigen Tagen auf Diät gesetzt worden war. Er naschte gerne, mal einen Keks, mal einen süßen Tee oder leckere Weintrauben. Verständlich, das er entzückt war, als er auf seinem Ausflug einen großen Kanister, bis zum Rand gefüllt mit klebrig süßen Johannisbeersaft, fand. Bingo, das Ding war offen und weil Kumbuka ziemlich schlau ist, stemmte er den 5-Liter Krug mal eben hoch und trank ihn in einem Zug leer! Ich denke mit soviel zuckersüßen, unverdünnten Beerenextrakt im Bauch, stellt sich erstmal wohlige Wonne ein. Aber die Nacht war wohl weniger süß. Heftiges Sodbrennen und einen tierischen Durst dürften den Ausreisser um den Schlaf gebracht haben. Jetzt ist aber wieder alles gut. Kumbuka grunzte uns wohlig an und schaute sehr zufrieden aus den unglaublich ‘menschlichen’ Augen. Wer glaubt, dass Tiere keine Seele haben, sollte einmal in so ein schwarz-braunes Gorillaauge tief hineinsehen.

route
Die perfekte afternoon-walking-route. George behauptet es wären exakt 10.000 Schritte. Ich zähle ja eher Bäume oder Wolken, aber nun gut.

The boss himself says:

 

George says: “Who sang it? Alalalalalong alalalalalonglongleelonglonglong … Bob Marley?

Ich sage: “Ja genau, der Ohrwurm war von ihm. Und da gab es dann die Zeile: I’m looking in your big brown eyes.” “Yeah and don’t forget the refrain: Girl I want to make you sweat, sweat till you can’t sweat no more. Alalalalong …” – Oh ha, wir sollten öfter die Affen besuchen gehen.

matt-gorilla
Matt Pritchett hat sich auch mal bei den Affen umgesehen und ihnen zugehört, als sie gerade die EU-Politik diskutierten.

Was passierte noch am 25. Oktober?

 

de 1956 Adolf Hitler wird vom Amtsgericht Berchtesgaden amtlich für tot erklärt. (!) –

Und was war in den elf Jahren zwischen dem Selbstmord und dieser Erklärung?

Hatte man Zweifel?

uk  

1828

St Katharine Docks open in London. – Heute die Docklands, eine sehr begehrte

Wohnlage am nördlichen Themseufer. Im Hafenbecken liegen im Sommer viele

Yachten und rundherum stehen mehrgeschossige Eigentumswohnhäuser. Früher

waren hier Speicher und Frachtschiffe. Im zweiten Weltkrieg wurden die Docks

von der deutschen Luftwaffe schwer zerbombt.