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Hamburg hat Glück mit seinem Bürgermeister Olaf Scholz. Der körperlich eher kleine Mann, scheint mir ein ganz Großer zu sein. Er pflegt den leisen aber effektiven Auftritt. Sehr angenehm. Ich glaube er bringt Hamburg voran und ist nach den trüben Tassen, die das Amt vorher mehr oder weniger lange inne hatten, ein Glücksgriff für die Hansestadt. Über den Londoner Major, Boris Johnson, denken viele ähnlich. Der strohblonde Mann, der wie ein erwachsener Michel aus Lönneberga aussieht, wurde eigentlich in New York geboren, aber mit britischer Staatsangehörigkeit. Seine Familiengeschichte ist abenteuerlich, die Biografie zu lesen, dürfte sich lohnen. Seine Ur-Ur-Großmutter war eine uneheliche Tochter des Prinzen von Württemberg und über diese Linie ist er auch weitläufig mit der Queen verwandt. Boris besuchte das Eton College als Internatsschüler und studierte in Oxford klassische Altertumswissenschaften. Er ist Publizist und startete früh eine politische Karriere in der Konservativen Partei. Als Bürgermeister von London zeigt er sich oft exentrisch in seinen Ansichten und Entscheidungen, aber er hat eindeutig etwas für die Stadt bewirkt. Seit Mai 2008 bekleidet er das Amt und kann nicht wiedergewählt werden. Jetzt hat er größeres im Sinn, vielleicht sogar die Nachfolge von David Cameron im Amt des Premier Ministers. Wenn alles nach Plan läuft, würden die Wähler im Mai 2020 darüber entscheiden.

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Die City Hall ist das runde Gebäude am südlichen Themseufer. Hier von der Tower Bridge aus fotografiert.

Als wir letztens im Apollo in Hammersmith waren, und uns dort die legendäre Saturday Night Comedy Show ansahen, machte man Witze über Boris’ Aussehen. Sein Markenzeichen sind die wirren Haare. “What’s wrong with this guy? Everytime I look at his picture I think there is something wrong with him. Now I know, he doesn’t wear his pyjama.”

Einen besonderen Schwerpunkt legte Boris immer auf den Londoner Verkehr. Der sollte reibungslos in der Millionen Stadt fließen. Boris hatte viele Ideen, die dazu beitrugen: Die Oyster Card, das Mietfahrrad (Boris Bike), der Routemaster Bus, und aktuell der Nachtverkehr der Underground. Natürlich gibt es auch ein Rathaus, genannt City Hall, und das findet man in Southwark, am Südufer der Themse. Das Gebäude ist eher klein und doch nicht zu übersehen, denn es ist architektonisch auffallend gebaut. Es steht gleich neben der Tower Bridge, dahinter dümpelt die HMS Belfast im Strom. Der Architekt war Norman Foster, der auch das Berliner Regierungsviertel baute. Die ungewöhnliche Form der City Hall wird vom Londoner mit vielem in Verbindung gebracht: vom Motorradhelm bis zum linken Hoden ist alles dabei. Ganz oben, unter dem Glasdach, ist der London’s Living Room zu finden. Eine elendig lange Wendeltreppe, ähnlich wie im Berliner Reichstag, führt dorthin. An manchen Tagen darf die Öffentlichkeit in ihr “Wohnzimmer” marschieren und den Ausblick genießen.

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Das ist das private Londoner Wohnhaus der Bürgermeisters. Kein Pomp, die wartenden Reporter kommen problemlos bis an die Haustür heran.

Auf mich wirkt Boris Johnson sehr sympathisch. Er ist stets präsent, identifiziert sich mit London, ist locker und unkompliziert und hat originelle Ideen. Unangepasst aber zielstrebig setzt es sich für die Belange seiner Stadt ein. Wenn man sich London anssieht, kann man ihm nur gratulieren. Irgendwie erinnert er mich auch immer ein bißchen an Hamburg und seinen Bürgermeister. – Die Londoner werden wohl im Mai 2016 den Nachfolger wählen müssen. Wünschen wir ihnen viel Glück.

The boss himself says:

George told me: „Some years ago, perhaps in 2011, the HMS Belfast gangway collapsed into the Thames. More than 70 people have been evacuated from the landmark.

Und ich: “Das Kriegsschiff ist heute ein Museum. Ich finde aber die Bauten rundherum viel spannender. Also die Waffenlady links liegen lassen und lieber in die City Hall oder gleich ins Shard gehen.”

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Das Kriegsschiff MHS Belfast ist heute ein Museumsschiff. Im Sommer 2011 gab es einen Unfall als mitten in der Führung die Gangway abbrach.

Was passierte noch am 26. Februar?

de 1870 Hanseatische Kaufleute gründen in Hamburg die Commerz- und Disconto-Bank,

die heutige Commerzbank.

uk 1797 Die Bank von England wird von ihrer Verpflichtung befreit, ihre Banknoten gegen Gold

einzutauschen; die bank-restriction beginnt und wird bis 1821 anhalten.