208. Tag, Rest: 158 Tage 

lady
Mein Favourite zum Baden ist der Kenwood Lady Pond in der Hampstead Heath. Schöner kann man nicht eintauchen. In diesem Jahr sind aber auch die grass snakes dahinter gekommen und prompt bekomme ich Panik. Ich verrate es weiter unten …

Das war eine heiße Woche. Die Hamburger stöhnten über die Affenhitze und die Londoner litten unter heatwave. Die Tube blieb stehen, weil die Schienen weich wurden. Chaotische Tage und doch hätte man es wissen können. Denn am 22. August wechselte die Sonne in den Löwen (Element: Feuer) und am Nachthimmel strahlte der Sirius, auch Hundsstern genannt. Dann beginnen die Hundstage. Das passiert fast jedes Jahr und doch ist es dann überraschend. Ähnlich wie der erste Schnee im Dezember. Aber soweit sind wir noch nicht, jetzt müssen erst einmal die dog days überstanden werden. Am besten durch eine Abkühlung im Wasser

Bei der Hitze braucht man Abkühlung. Wer Zeit hat besucht das Schwimmbad, das in England lido heißt.

(Bitte nicht mit ‘limbo’ verwechseln, das ist nämlich die Vorhölle auf Erden. Mir passiert das manchmal und dann bekomme ich statt einer Antwort, höchstens eine high eyebrow gezeigt. Vorsicht auch bei ‘drunk’ (betrunken) und ‘drowned’ (ertrunken). Ist mir gerade passiert. Ich schilderte in fröhlicher Runde mein traumatisches Erlebnis und alle schüttelten den Kopf. Sie dachten sich, wie peinlich, warum erzählt sie uns das so offen? Den Fehler merkte ich Stunden später, als es längst zu spät war. Der Ruf ist runiert.)

Als wir dort ankommen, also am Freibad, traue ich meinen Augen nicht. Das ist wohl die längste queue meines Lebens! Wir fragen mal vorne nach, wie lange man hier schon steht und bekommen als Antwort: “We’ve been waiting for hours.” Waaaaas? Vier Stunden? No, but nearly two.” Du meine Güte, nix wie weg. Das fehlt mir gerade noch. Also zurück ins Auto und ab in die City. Vielleicht findet sich dort ein schattiges Plätzchen. Es scheint, als hätten sich alle Londoner heute frei genommen.

 

badehaus
Das Badehäuschen mit den bunten Türen gehört für den Engländer zwingend dazu. Also findet man es auch im Londoner Freibad. An der See sowieso, da wohnt man am liebsten gleich in solchen Hütten.

Dann die große Überraschung für mich, denn mitten im Hyde Park kann man natürlich auch baden gehen! Mitten drin ist ein ziemlich großer Teich. Er heißt ‘The long water’ und wird am südlichen Ende ‘Serpentine’ genannt. Und dort befindet sich eine lido. Perfekt zum Baden. Ein kleiner Teil des Sees ist mit Leinen abgesperrt und kann von den Schwimmer benutzt werden. Von Zeit zu Zeit paddelt ein Schwan vorbei. Aber keine Angst, das Wasser macht einen recht sauberen Eindruck. Ein Café und ein Restaurant versorgen uns mit einem ‘glass of rosé’. In solchen Sachen ist der Londoner stets stilsicher. Dort erfahre ich auch, dass es einen Serpentine Swimming Club gibt. Ich glaube es sind Triathleten. Jedenfalls treffen sie sich hier jeden Samstag um 8 Uhr früh und tragen kleine Rennen aus. Da wird bestimmt auch gewettet, sonst würde es niemanden Freude machen. Sogar im Winter sind die Club Schwimmer hier aktiv. Die Lido im Hyde Park ist für die Öffentlichkeit nur von Juni bis August geöffnet, täglich von 10-6 Uhr.

Eigentlich wäre ich ja lieber in der Hampstead Heath schwimmen gegangen. Dort gibt es neben den Teichen auch  ein richtiges Freibad. Es ist am Parliament Hill zu finden. Aber auch das war total überlaufen. Und der eigentliche Grund, warum ich zur Zeit einen Bogen um die Heath mache, ist ein anderer. George muß es gar nicht erfahren, dann kommt er nur auf blöde Ideen. Ich habe gelesen, dass sich die Schlangenpopulation dort erfreulich entwickelt hat. Überall (?) liegen die grass snakes (Ringelnatter) herum und genießen die Sonne. Die Naturschützer sind ganz aus dem Häuschen, denn es wäre ein gutes Zeichen für ein gesundes Biotop. Das ist wohl wahr, aber trotzdem … Hoffentlich kommen die Nattern nicht auf die Idee die Nachbarschaft zu erkunden. Sobald eine über unseren Rasen kriecht, packe ich meine Koffer.

Die Badeanstalt am Parliament Hill hat statt Fliesen einen Edelstahlboden. Der schimmert strahlend in der Sonne und irgendwie macht es besonders viel Spaß dort hineinzutauchen. Man kann vom Gelände weit über die Stadt blicken. Ganz im Süden der Hampstead Heath ist das Bad zu finden, gleich bei der Overground Station Gospel Oak. oder Highgate Underground. Das Wasser wird übrigens nicht beheizt! Aber wenn man friert springt man schnell in die Sauna. Das Bad ist ganztägig geöffnet, aber oft sind tagsüber Vereine am trainieren. Am besten man erkundigt sich vorher. Der Eintritt lag bei £6.60. Alternativ geht man zu den Badeteichen in der Heath. Dort gibt es Erfrischung zum Nulltarif.

 

serpentine
Baden im Hyde Park. Die Serpentine Lido ist ein Naturbad mit 100 Meter Bahnen. Zentraler kann man in London nicht schwimmen gehen.

 

 

 

The boss himself says:

George says: “Together or seperated?”

Ich sage: Ja, wenn wir in den Teichen der Hampstead Heath schwimmen gehen, trennen sich unsere Weg. George zieht seine Kreise im Highgate Men’s Bathing Pond und ich gehe zum Ladies Pond. Inzwischen habe ich die diskrete Welt der Geschlechtertrennung schätzen gelernt. Eine gute Bekannte, die dort regelmäßig schwimmt, hat es mir einmal in ihren Worten erklärt: “I also know there are women who’ve gone through really difficult periods in their lives and feel like swimming here is a life saver. You feel incredibly secure, there’s no feeling of intrusion, and if you go at the same time there’s repartee and storytelling. It’s just really, really exhilarating.” Dem schließe ich mich an. – Heute aber kann ich ein bißchen anzüglichen Spaß vertragen, also together.

 

  

thames-bath
Engländer sind Wasserratten. Sie schwimmen zwar wie asthmakranke Schildkröten, aber nichts kann sie vom Baden abhalten. Längst träumen die Londoner von einem Freibad in der Themse. So wie hier entworfen, könnte es ausssehen. Das größte Problem, neben der Wasserqualität, dürfte der Tidenhub sein. Bis zu sechs Meter Differenz sind normal.

  

 

Was passierte noch am 24. Juli?

de

 

1978: Das Landgericht Hamburg weist die Sexismus-Klage von Alice Schwarzer gegen den Chefredakteur des Stern Henri Nannen ab. – Gut so. Die Frau zahlte keine Steuern, pochte aber auf Gerechtigkeit. Was ist da der gemeinsame Nenner?

uk

 

1951: Walt Disney’s 13th animated film, Alice in Wonderland, premieres in London. So kommt mir das da manchmal auch vor. Somewhere over the rainbow.