86. Tag, Rest: 280 Tage

“When will this infernal darkness end?”, fragte mich George mit großen Augen. Ich ahne, wovon er spricht. Er will von mir wissen, wann denn endlich die Uhren vorgestellt werden. Nun, es ist soweit, nur noch eine Nacht, dann wachen wir in der frühen Morgensonne auf.

The Great Clock of Westminster. Wir kennen sie als Big Ben.

Summer time or daylight saving time (DST) beginnt zeitgleich in England und ganz Europa. Ich bin darüber nicht ganz so froh wie er, denn irgendwie kann ich mich überhaupt nicht an den frühen Start am Morgen gewöhnen. Ein Glück, dass ich längst nicht mehr irgendwo erscheinen muß. Und wie wohl jeder weiß, fällt das Aufstehen nur halb so schwer, wenn man nicht muß. Der Engländer aber verbindet mit dem Beginn der Sommerzeit viel mehr. Für ihn endet der gefühlte kalte Winter, der in den manchmal noch schlecht geheizten Häusern tatsächlich selten mehr als 16° Raumtemperatur bietet. Aber George dürfte diese Verhältnisse bestenfalls aus der Kindheit erinnern. Da liess man im Winterhalbjahr die Fenster lieber zu und zog sich dicke Socken an. Er meint es ironisch, wenn er kommentiert: “At the end of October the clocks went back an hour and the nights drew in. And then the cold started nipping at our noses.” Inzwischen hat er längst ein warmes Haus mit gut funktionierender Heizung. Wir sind stets mollig durch den eher milden Winter gekommen und ein gutes Kaminfeuer wärmte abends nicht nur den Raum sondern auch die Seele. Trotzdem spiele ich gerne mit und antworte: “There’s light at the end of this chilly tunnel.”

Wissen Sie wer die Zeitumstellung erfunden hat? Mich hat es überrascht, denn die Idee ist viel älter als ich vermutete. Erstmals wurde davon Ende des 18. Jahrhunderts in einem Essay berichtet. Schon damals ging es um die Ersparnis von teuren Kerzen, indem man das Tageslicht besser nutzen sollte. Der Autor war Benjamin Franklin, der spätere US Präsident. Im Jahr 1784 war er Botschafter in Paris und dort veröffentlichte er erstmals diese Idee. Gut zwanzig Jahre später nahm der Engländer William Willett den Gedanken wieder auf und publizierte eine Schrift mit dem Titel The waste of daylight. Ab sofort galt in seinem Haushalt eine Sommerzeit; die Regierung aber konnte er nie von der Idee überzeugen. Typisch englisch war seine Vorgehensweise. Statt 60 Minuten wählte Willett 80 Minuten Differenz. An allen vier Sonntagen im April wurde die Uhr jeweils um 20 Minuten bei ihm vorgestellt. Ob er im Herbst auch so vorging oder radikal eine Stunde und zwanzig Minuten zurückdrehte, weiß ich nicht. Trotzdem frage ich mich, wie er die Umrechnung mit der offiziellen Zeit bewältigte. Der Mann muß doch ständig zur falschen Uhrzeit unterwegs gewesen sein. 

daylight
Interessant wieviele sich inzwischen von der Zeitumstellung verabschiedet haben. Diese Grafik wurde vom Daily Telegraph in diesen Tagen veröffentlicht.

Willett fand die Unterstützung von Sir Winston Churchill, aber die offizielle Einführung der Sommerzeit sollte er nicht mehr erleben. Etwa ein Jahr nach seinem Tod wurden in Deutschland erstmals die Uhren vorgestellt. Weltpremiere. Das war im Frühjahr 1916 und hatte natürlich mit dem Ersten Weltkrieg zu tun. Ein Jahr später zog dann auch Großbritannien nach.

Ich bleibe dabei, ich mag das ständige Vor- und Rückstellen der Uhrzeit ganz und gar nicht. Im Sommer ist es mir sogar zu lange hell. Ich finde es viel schöner, wenn man bei Sonnenuntergang abends im Garten sitzt, ein Glas Wein trinkt und nach und nach die Kerzen anzündet. Das ist doch sehr romantisch. 

glasses-pixabay 

 

The boss himself says:

George says: „Hurry up, jump into bed, this night is a short one. Tomorrow morning we can look forward to the warmth of summer. Sleep tight.”

Und ich: “Night, night.” – Mitten in der Nacht wache ich auf und muß mich zwischen drei verschiedenen Uhrzeiten entscheiden: Wecker, Smartphone und Bauchgefühl. Draußen ist es stockdunkel und kein Vogel zwitschert. Gut, dachte ich mir, denn dann ist es noch vor vier Uhr. Kurz danach klappert es an der Haustür. Mist, es also doch schon später. Und zwar genau 05:12 Uhr. Woher ich das weiß? Auf den Zeitungsjungen ist Verlass.

Did you enjoy your extra hour in bed?

 

Was passierte noch am 26. März?

de 1827 Ludwig van Beethoven stirbt im Alter von 56 Jahren in Wien.
uk 1902 Death of Cecil Rhodes, English-South African businessman and politician.

Currently his work is politically very controversial discussed in England (Oxford).