147. Tag, Rest: 219 Tage

Der Mai hatte in London mit so schönen Wetter gestartet aber dann kam eine Kaltfront über den Atlantik gebraust. Die ganze Nacht hatte es wie aus Eimern geschüttet und der Sturm zerrte an den Türen. Wer im warmen Bett lag zog sich die Decke über die Ohren und versuchte noch einmal einzuschlafen. Und so kam es, dass niemand merkte, als sich plötzlich der Boden mit einem dumpfen Donnergrollen auftat. Das muß so gegen halb vier Uhr morgens gewesen sein. Erst zwei Stunden später ging der erste Notruf bei der Polizei in Greenwich ein. Ein Anwohner in den Woodlance Terrace wollte zur Arbeit gehen, als er Unglaubliches entdeckte. Gleich vor seinem Haus steckte ein Auto  kopfüber in der Erde. What the hell had happend last night?

sinkhole

Der Boden unter dem Auto hatte sich tatsächlich aufgetan. Ein Loch, mehrere Meter breit und tief, hatte sich über Nacht geöffnet. Schon rückte die Polizei an und kurz später kamen die Leute von Thames Water und von den Gaswerken. Was war geschehen? Trat Wasser aus? Oder gar Gas? Zum Glück waren keine Leitungen betroffen, nur die Straße war erst einmal unpassierbar. Der Bus, der hier normalerweise fährt, wurde umgeleitet. Inzwischen waren viele Anwohner vor die Türen getreten. Einer murmelte: “I have never seen anything like this before. You don’t expect dirty great holes opening up in the ground.” Ein anderer ergänzte: “The weather over night was abysmal (katastrophal). We had this massive storm overhead that sounded like the heavens were opening.” Und schließlich brachte ein Dritter es auf den Punkt: “I do hope it insn’t a portal to hell and the apocalypse is coming.” Die anderen nickten zögernd, denn man muß wissen, dass sich das Loch gleich neben dem angrenzenden Friedhof aufgetan hatte. Da braucht man nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen was da unten sein könnte.

st-albans
Londons Untergrund scheint voller Höhlen zu sein. Dieses Loch entstand im März. Mitten zwischen den Häusern verschwand ein ganzer Garten. Zum Glück war niemand auf dem Rasen. Trotzdem möchte ich da nicht wohnen. – Übrigens sieht der Rasen perfekt aus. Grün, dicht, kerngesund. Echte englische Qualität. Nun ja, die Wurzeln waren gut belüftet.

Ich war auch ziemlich verblüfft, als ich das Bild vom ‘Greenwich sinkhole’ in den Nachrichten sah. Übrigens in der deutschen Tagesschau. Nicht weil man hier darüber berichtete, sondern weil mir das Foto merkwürdig bekannt vorkam. Hatte ich das Bild nicht vor ein paar Tagen in einem ganz anderen Zusammenhang gesehen? Doch, ich war mir ganz sicher. Sogar die Autofarbe war mir gut in Erinnerung. Eine dunkelblaue Limousine. Aber das war ganz gewiß nicht in Greenwich, ja noch nicht einmal in London gewesen. Dann fiel der Groschen. Und tatsächlich die Ähnlichkeit ist nicht zu leugnen. Hat Mutter Natur etwa kopiert?

kunsthalle-rostock
In der Kunsthalle Rostock wurde Anfang Mai dieses Objekt gezeigt. Ein Auto, das halb im Boden steckt. Der Künstler hat es ziemlich echt nachgestellt. Der Junge, ein Besucher, schaute sich die Sache ganz genau an. – Wer es kostenfrei sehen wollte, hatte jetzt in Greenwich eine gute Gelegenheit.

The boss himself says:

George says: “How blessed are the English to live in this great country.

Ich sage: “Das ist schon merkwürdig. Alle paar Wochen explodieren in London Siele, versinken Bürgersteige oder es tut sich die Erde auf. Gibt es hier etwa eine verborgene Schattenwelt?” “Don’t worry I’ll keep an eye on you.”

Was passierte noch am 26. Mai?

de 1828 Der 16-jährige Kaspar Hauser taucht in Nürnberg auf und spricht den Schuhmacher

Weickmann an. Sein Fall erregt bald internationales Aufsehen.

uk 1906 In London wird die Vauxhall Bridge über die Themse für den Verkehr freigegeben. Das

neue Bauwerk ersetzt die zuvor abgerissene erste Brücke aus dem Jahr 1816. (Am

Südufer ist das Hauptquartier des MI6. Arbeitsplatz von Mrs Moneypenny.)