331. Tag, Rest: 35 Tage 

oxfordAuf der britischen Insel werden viele Dialekte gesprochen. Der Norden spricht ganz anders als der Süden oder Osten und in London sollte man Queen’s English sprechen, wenn man eine Karriere machen will. Jedenfalls wurde das George vor einigen Jahrzehnten noch nahegelegt. Als er aus Birmingham hier ankam, lernte er erst noch einmal Englisch und besuchte anschließend die Uni. Inzwischen ist London der sprachliche melting pot, denn dort sind die Einflüsse aus Asien, der Karibik und Afrika längst in die Alltagssprache eingeflossen. Es wurde jetzt ein Studie der Universität von Oxford veröffentlicht, die sich mit der Weiterentwicklung der englischen Sprache bzw. Mundarten beschäftigte und die zu einem überraschenden Ergebnis kam. In ein/zwei Jahrzehnten werden die Engländer eine stark vereinfachte Aussprache nutzen, eine Art Einheitsenglisch. Der Grund: die Computertastatur ist so gut wie tot! In naher Zukunft werden alle Alltagsgeräte nur noch auf Sprachbefehle reagieren. Egal ob Fernseher, Auto, Waschmaschine, Toaster, alle werden sich mit uns unterhalten. Und das wird zu Lasten der verbalen Vielfalt gehen. Schon jetzt merkt der Engländer, das sprachgesteuerte Computer meistens in Californien programmiert wurden. Sie reagieren eher auf amerkanische Wortwahl (nicht Aussprache), als auf die englische Vielfalt.

Es wäre schade wenn es so eintrifft, denn der Engländer liebt den Wortwitz und ist ein wahrer Sprachakrobat. Er nutzt unfassbar viele Variationen, erfindet auch welche im Augenblick, je nach Gefühlslage und Umstand. Zum Beispiel wenn man sich den Finger an einem Splitter verletzt hat. Dann muß der ‘splinter’ entfernt werden. Aber tröstend wird man vielleicht lieber sagen: spool, spile, speel, spell, spelk, shiver, spill, sliver or splint

 

brexit
Brexit Demo in London. Wie aus dem Nichts werden da Worte gemixt, hier ist es wohl Brexit und regret. Sprachlich ist der Engländer erfindungsreich.

 

In London fallen mir drei sprachliche Eigenarten auf, wenn ich dem gebildeten Großstädter zuhöre. Der Londoner unterdrückt das ‘H’ am Anfang von Worten. Statt ‘hat’ sagt er ‘at’. Genauso macht er es mit dem Buchstaben ‘T’, wenn der am Ende eines Wortes steht. Da wird dann aus: “get out of my pub” ein “ge’ ou’ o’my pub!”. Und schließlich mag der Londoner das ‘TH’ nicht aussprechen und nutze stattdessen ein ‘F’. So wird aus dem Wort “think” ein “fink”.

Diese drei Vereinfachungen höre ich täglich von George. Da er aber aus Birmingham stammt (bei ihm klingt das wie ‘Birming’am’), kann er auch noch ganz anderes Englisch anbieten, das ich dann kaum noch verstehe, aber trotzdem oft komisch finde. Statt ‘crying’ sagt er ‘blart’ und ahmt damit den Ruf des Schafes nach. Sehr tröstend zu hören: “Stop blaaaaaarting!” Ist mir aber etwas gut gelungen, also ‘brilliant’, dann klingt das bei ihm wie ‘bostin’. Und ein strahlendes “bostin’ fittle!” ist sein Dank für ein “great food!”

 

study
The proof of the pudding is in the eating. Statt studieren, lieber sprechen.

 

Noch ein Beispiel? Gut, die ‘hand’ ist in Birmingham eine ‘donny’. Deshalb ermahne ich ihn, wenn er direkt von der Arbeit nach Hause kommt: “Wash your donnies before tea, darlen”. Das versteht der Brummie dann auf Anhieb. Es gibt viele nette Worte, die nur im Norden Englands benutzt werden: bishy barnebee = ladybird (Marienkäfer) oder ‘backend’ für ‘autumn’. It’s the back end of the year. Also sagt man dort: “We’re waiting until backend to go away this year.” Es macht schon Sinn sich mit den größten Abweichungen vertraut zu machen. Fahren Sie nach Newcastle dann sollten Sie das Wort ‘netty’ kennen, es bedeutet ‘toilet’. Und vielleicht aus der Jugendsprache (?) stammt das Wort ‘yampy’, das für ‘verrückt’ oder ‘bescheuert’ steht. George hat es längst in seinen Sprachschatz eingebaut und jammert des öfteren: “My iPhone’s gone totally yampy”

 

doolittle
Das cockney flower girl  Eliza Doolittle müsste heute keinen Sprachunterricht bei Professor Higgins nehmen. (Audrey Hepburn in ‘My Fair Lady’)

 

Selbst die Politiker in Westminster weichen oft vom Queen’s English ab. Tony Blair war bekannt für seine Abneigung des Konsonaten ‘T’. Er sprach von ‘vo’ers’ statt ‘voters’. Ein Satz wie dieser: “Hey bruv, I fink that car is a booty”, lässt längst nicht mehr auf schlechte Schulbildung schließen. Hier gratuliert einfach jemand zum neuen Auto und nur ich, die Deutsche, würde es etwas anders aussprechen: “Hey brother, I think that car is a beauty”. Machen Sie sich also nicht allzu viele Gedanken über die Aussprache. Wichtig ist alleine, dass die Botschaft ankommt. Und einen freundlichen Gruß kann man auch mit einem Lächeln transportieren. Der Engländer wird es sofort richtig verstehen. Trotzdem sollte man sich Mühe geben interessant zu sprechen und das macht man auch indem man die Stimme hebt und senkt, beschleunigt oder verlangsamt und nicht versucht den höchst eigenen, deutschen Akzent zu unterdrücken. George würde etwas fehlen, wenn ich diesen, für ihn einmaligen Klang, nicht in meine Worte legen würde. Und ich mag es ganz gerne, wenn er abends, schon etwas müde anfragt: “Fancy ‘eading with me a walk on ‘ampstead ‘eath?” Und ob, los geht’s.

 

verstehen
Hauptsache wir verstehen uns. – That’s right.

 

 

The boss himself says:

 

George says: “I think age is more important than class in driving the change of pronunciation. The Queen’s English spoken by Prince George as he grows up is not going to be the same as the Queen’s English spoken by the Queen.

Ich sage: “Schulenglisch wie ich es gelernt habe, ist nicht einfach auszusprechen. Das haben die Einheimischen in London auch gemerkt und nutzen längst eine viel smartere Variante: Statt ‘mother’ sagen sie ‘muvver’, aus ‘beauty” wird ‘booty’ and ‘red’ mutiert zu ‘wed’. So geht es viel geschmeidiger über die Lippen, selbst nach dem zweiten Cocktail und die Zunge kann sich ausruhen.”

 

 

 

Was passierte noch am 26. November?

 

de 1915

Albert Einstein stellt seine Allgemeine Relativitätstheorie bei der Preußischen

Akademie der Wissenschaften vor. – Und wann fiel der Groschen bei der Jury?

Doch bestimmt nicht bei Einstein’s Vortrag, oder?

uk

1983

Bei einem Raubüberfall auf ein Lagerhaus beim Flughafen London-Heathrow erbeuten

mehrere Täter 6.800 Goldbarren im Gesamtgewicht von drei Tonnen sowie Diamanten.

Es ist mit einem geschätzten Beutewert von 25 Millionen Pfund Sterling der gegenwärtig

größte Raub in der britischen Kriminalgeschichte. – Wetten, Sie haben doch bestimmt

auf den Postraub getippt. Nein, die Zeit ist vorangeschritten und die Inflationsrate macht

sich auch bei Räubern bemerkbar.