270. Tag, Rest: 96 Tage 

Einmal jährlich, Ende September, werden viele Londoner Häuser für Besucher geöffnet, die normalerweise nicht zugänglich sind. Am open house weekend beteiliegen sich Privatleute, Firmen und Regierungsstellen. Ganz besonders begehrt ist jedesmal Downing Street 10, wenn die Regierungschefin dann überhaupt mitmacht. In diesem Jahr war es mal wieder so weit, Theresa May will bei den Wählern punkten. Die wenigen, begehrten Plätze werden schon vorher unter den vielen Anfragern verlost. Als man dann am letzten Samstag die berühmte schwarze Tür öffnete, die übrigens aus massiven Stahl gefertigt ist, stand dahinter nicht etwa Theresa May, nein die Gastgeber und Stars waren Larry and Palmerston. Die beiden Regierungskater interessieren mal wieder viel mehr, als die langweiligen Politiker.

 

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Palmerston hat schon seit Wochen bunte Mäuse gesammelt. Am Samstag Morgen twitterte er dann in die Welt: Come to @openhouselondon today @foreignoffice & help me #findthemice.

Jeder Besucher durfte eine Wollmaus mitnehmen, wenn er sie dann gefunden hat. Denn Palmerston hat sie natürlich überall im Foreign Office versteckt. Und das ist nicht so ein kleines Häuschen wie Downing Street (obwohl das auch von außen täuscht), nein das Aussenministerium ist ein richtig großer Palast. 

Ich füge mal ein Foto unten ein, dann kann man es erahnen.

 

 

 

Im Sommer war es zu einem ernsten Streit zwischen den Chief-Mousern gekommen und dabei wurde Larry verletzt. Immerhin so schlimm das ein Tierarzt ihn behandeln mußte. Danach war für Palmerston, der wohl den Streit immer wieder sucht, Kofferpacken angesagt. Er zog ein paar Häuser weiter, bei Boris Johnson ein. Der ist bekanntlich der britische Außenminister und residiert im prachtvollen Foreign Office. Das hatte übrigens auch am Wochenende seine Tore geöffnet.

 

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Das Foreign Office ist ein prachtvolles Gebäude. Immerhin ist man für den gesamten Commonwealth zuständig, also weltweit. Dagegen ist Europa nur ein Kontinent.

 

Larry mußte einige Behandlungen über sich ergehen lassen, aber jetzt scheint die Bisswunde verheilt und er kann auch wieder ganz normal laufen. Und damit wurde die Tierarztrechnung fällig, die diskret von den Angestellten in Downing Street beglichen wurde. Weder Larry noch Palmerston verfügen über ein Arztbudget, lediglich ihr Futter wird aus der Staatskasse bezahlt. Also legten die Mitarbeiter zusammen und halfen dem Kater damit aus der finanzielle Patsche.

 

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Die beiden Kampfhähne, äh Wutkater, kriegen sich immer wieder in die Haare. Jetzt mußte Palmerston in eine Nebenstraße weichen.

 

Als das bekannt wurde, war nicht nur dicke Luft im Internet. (Beide Mouser haben einen Twitter Account: Palmerstone is @DiploMog and Larry @Number10cat. Nein, die Sache wurde offizielle Vorlage im britischen Oberhaus. Titel: Larry’s front-right paw. Dort beraten nun die weltlichen und geistlichen Lords über den bekanntesten Londoner Kater seit Bob the street cat. Inzwischen gibt es eine offizielle Anfrage an die Premierministerin May, ob sie sich nicht für die Kosten verantwortlich fühlen sollte. Schließlich hält Larry ihr Büro in Downing Street 10 mäusefrei.

 

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Weil auch Larry es nicht lassen kann und sich gerne rückseitig an Palmerston heranschleicht, muß er jetzt ein Glocke tragen. Bimmel-bimmel-bumm.

 

Während also die europäische Welt auf die offizielle Brexit Erklärung wartet, beschäftigt sich das englische Parlament mit den persönlichen Rechten von Larry and Palmerston. Ich finde das überraschend aber auch sehr erfrischend. Mal seh’n wie es ausgeht. Es wird mir nicht entgehen, denn sobald Neues über die Kater berichtet werden kann, steht es so gut wie immer auf der ersten Seite unter News / Politics! Da kann ansonsten passieren was will, der Engländer bewertet die wichtigen Fragen nach seinem etwas anderen Ermessen. Und zu dieser mutigen Entscheidung kann ich nur gratulieren. Danke England – ihr seid bodenständig, wisst was die Leute im Innersten beschäftigt und traut euch (scheinbar) banal zu sein. Obwohl es mich gar nicht betrifft, fühle ich mich euren Politikern oft viel näher als den meinen, die seit Jahren über Gott und die Welt streiten aber irgendwie meine Sorgen und Ängste elegant übersehen.

 

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Larry ist ein richtig hübscher Kater. Jetzt wird sein “Fall” im House of Lords verhandelt. Ich bin mir sicher, dass sich jemand finden wird, der die Arztkosten im Fall des Falles zahlen wird. Und wenn es die Queen persönlich macht.

 

 

Was andere sagen:

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Baroness Chisholm of Owlpen

Statt George zu Worte kommen zu lassen, will ich mal lieber die Sprecherin des Houses of Lords, Caroline Chisholm, zitieren. Denn sie hat im Namen der Lords offiziell Stellung genommen:  

“The costs [for Larry] were met by staff through voluntary staff donations due to their affection for Larry. There was no compulsion to donate and no refunds have been requested. The remaining funds will contribute towards the future upkeep of the chief mouser.” Und fügte dann hinzu: “Staff were so in love with Larry they would never ask for a refund.”

Das sind doch mal nette Abendnachrichten, oder? – George hält das alles für ein ‘crazy business’ und formuliert es wie immer griffig mit: What a monkey see, monkey do! Gleichzeitig aber fragt er mich nach der Spendenkontonummer für Larry. Da hat er sich wohl gerade selbst gemeint.