118. Tag, Rest: 248 Tage

Heute verrate ich Ihnen einmal meinen Lieblingsplatz in London: The Inns of Court. Wann immer ich in der City bin und ein bißchen Zeit habe, besuche ich diese Ecke, gelegen zwischen den Bahnhöfen Temple (District or Circle Line) und Holborn (Central or Piccadilly Line).

 

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Karte kann per Mausklick vergrößert werden. Der Fußweg zwischen den beiden Bahnhöfen dauert ca. 30 Minuten. Aber nur wenn man nicht alle paar Meter stehenbleibt und staunt. Und genau das werden Sie machen.

 

Kommen Sie mit, dann zeige ich Ihnen meine Lieblingsstrecke in London. Wir starten am Bahnhof Temple. Der Name ist Programm, denn hier steht eines der ältesten Gebäude Londons: Das ehemalige englische Hauptquartier der Tempelritter! Seit 1162 waren die Ritter hier präsent bis sie 1308 auch in London verboten wurden. Wer nicht freiwillig ging, z.B. nach Schottland, wurde inhaftiert. Getötet wurden in England allerdings nur wenige Templer. Ihr Gebäude und das weitläufige Gelände rundherum ging dann an den konkurrierenden Orden Knights Hospitalers. Die waren aber eigentlich in Clerkenwell ansässig (etwas weiter nördlich beim Bahnhof King’s Cross) und hatten keine rechte Verwendung für das geschenkte Areal. Also verkauften sie es weiter und zwar an die Lawyers, das sind die Rechtsanwälte. Und die griffen sofort zu und haben es bis heute nicht bereut. Hier schlägt das Herz des englischen Rechtssystems, hier ist der Royal Courts of Justice zu finden und hier haben die besten und teuersten Anwälte Londons ihre Kanzleien. Und oft auch ihre Wohnungen. Wer hier ein Haus oder eine Kanzlei besitzt gibt sie nicht wieder her. 

 

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Der königliche Gerichtshof, genannt Law Courts, beherbergt das Zivil- und das Berufungsgericht von England und Wales. High Court and Court of Appeal.

 

The Royal Courts of Justice sind in einem beeindruckend schönen Gebäude untergebracht. Es ist an der Ecke Strand / Bell Yard zu finden (Pkt. 2 auf der Karte). Ich habe nachgelesen, das Haus wurde 1870 im neugotischen Stil erbaut. Ich dachte es wäre noch älter. Die Verhandlungen sind grundsätzlich öffentlich. Man hat also Gelegenheit das Haus zu betreten. Wahrscheinlich begegnen Sie einem “Barrister”. Sie erkennen ihn leicht an seiner Perrücke. Die barrister sind Rechtsanwälte, die vor Gericht plädieren dürfen. Daneben kennt das englische Rechtssystem auch noch die solicitors. Auch sie haben Jura studiert, sind aber vor Gericht nicht zugelassen. Sie beraten Klienten und bereiten Prozesse vor. Ein barrister gehört einem Inn of Court an, das sind die Anwaltsschulen, die rund um den Gerichtshof ihre Niederlassungen haben.

 

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Mittendrin in der Chancery Lane (Karte Pkt. 2), bei Ede & Ravenscroft, kleidet sich der Barrister ein. Ich vermute den Schneider gab es auch schon in der Templerzeit. Irgendwie hat man den Duft von Mottenpulver in der Nase, aber interessant ist es schon anzusehen.

 

Eine hochexklusive Welt hat sich hier privat und beruflich niedergelassen. Ich kenne dort niemanden, um aus erster Hand berichten zu können. Immerhin konnte George mir erzählen, dass früher die barrister nur auf Französisch oder Latein verhandelten bzw. korrespondierten. Das zeigte schon die Exklusivität, auf die man Wert legte und die auch heute noch deutlich zum Ausdruck gebracht wird. (Und darüber muß sich ausgerechnet ein Arzt lustig machen, der auch gerne mal seine Lateinkenntnisse zusammenkratzt, wenn er einer unbequemen Antwort aus dem Wege gehen will. Übrigens immer sehr komisch, wenn Engländer Latein sprechen, da wird gerne mal ein tee-eightch eingebaut.)

 

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Eigentlich muß ich jetzt noch einmal kurz zurückgehen, nämlich zu Punkt 1 auf der Karte. Hier am Themseufer ist immer etwas zu sehen. Egal wie das Wetter ist, die Fähren liegen immer an einem der vielen Anlegern und warten auf Gäste (Visitor- oder Oyster Card zum Zahlen nutzen). Gleich an der Waterloo Bridge sind die Lifeboats stationiert. Daneben ist der Temple Pier, dort ankert die St Kathrine als schwimmendes Restaurant. Ein Stück weiter liegt der historische Dampfer HQS Wellington, auch dort kann man Essen und Trinken (und Feiern). Und kurz vor der Blackfriars Brigde sieht man auch noch die HMS President längsseits am Embankment liegen. Wenn sie nicht schon Platz machen mußte, denn genau hier wird gerade ein neuer Tunnel unter der Themse gegraben. Das ist so interessant, dass ich etwas mehr davon erzählen will. Aber erst morgen.

 

ufer
Wir fahren Victoria Embankment entlang. Das heißt übersetzt “Deich, Böschung”, denn diese Straße läuft immer parallel zur Themse. Ganz hinten ist das Riesenrad “The London Eye” zu sehen. Hier ist man mitten in der City, an einem der ältesten Plätze, die bereits kurz nach Christi Geburt besiedelt wurden und doch kann man tief Luft holen und den weiten Ausblick über das Wasser geniessen. Herrlich, this is my favourite place in London.

 

 

The boss himself says:

George says: “What can you tell about the Thames Tideway Tunnel project? This subject interests me a great deal.” 

Und ich: “Warte meinen morgigen Beitrag ab, ich muß erst einmal recherchieren.”

 

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Auch dieses Satellitenbild lässt sich per Mausklick vergrößern. Das Halbrund wird begrenzt von den Straßen Aldwych und Strand. In der Mitte das Bush House, dort war lange Zeit die BBC untergebracht. Rechts, die rote Stecknadel, markiert den Gerichtshof. Die Brücke unten links ist die Waterloo Bridge. Rechts daneben das Somerset House. Dort gibt es Konzert und Ausstellungen und im Winter wird der Innenhof zu einer beliebten Eisbahn.

 

 

  

Was passierte noch am 27. April?

de 1972

Im Deutschen Bundestag scheitert völlig überraschend das Konstruktive Misstrauensvotum

der CDU unter Rainer Barzel gegen die sozial-liberale Regierung Willy Brandt. Später wird

bekannt, dass das Ministerium für Staatssicherheit der DDR die beiden Unions- Abgeordneten 

Julius Steiner und Leo Wagner bestochen hat. – Irgendwie kommt alles irgendwann raus.

uk 1992

Betty Boothroyd becomes the first woman to be elected Speaker of the British House

of Commons in its 700-year history. – Ein Job für den man wirklich ‘Haare auf den 

Zähnen’ haben muß (to have a sharp tongue). Steht nicht auf meiner Wunschliste.