58. Tag, Rest: 308 Tage

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Undergrounds gibt es in London reichlich. Wenn eine nicht fährt, weicht man auf eine andere Linie aus.

Die Londoner U-Bahn, genannt Underground oder Tube, ist gut ausgebaut. Schnell bringt sie einen in jede Ecke London’s. Bis auf ein paar weiße Flecken, an der Stadtgrenze. Theoretisch, sollte ich hinzufügen, denn praktisch sind Störungen an der Tagesordnung. Wann immer ein Zug liegenbleibt, scheint sich die Blockade in Windeseile auf das ganze Netz auszubreiten. Ich fahre ja nun wirklich nicht täglich mit der Bahn, nutze aber genau wegen dieser Unzuverlässigkeit lieber die Busse. Was gibt es schöneres als mit dem Doppeldecker durch die Londoner City zu schaukeln. Am besten oben in der ersten Reihe. Man kann den Anwohnern direkt ins Wohnzimmer gucken, denn die Straßen sind auch im Zentrum oft sehr schmal. Herrlich, das nenne ich sightseeing-tour.

Als ich abends mit der Central Line nach Hause fahren will, kommt die Durchsage: “We regret the delay and like to apologize for the inconvenience caused …”, mehr verstehe ich nicht, weiß aber was ich machen muß. Aussteigen und eine Alternative suchen.  Für mich keine Drama, ich gehe ein Stück zu Fuß und steige in Notting Hill in die Circle Line ein. Die führt mich auch zum Ziel. Für die Pendler ist es unangenehmer. So mancher wollte nach Ealing oder Greenford, um dort in die National Railway umzusteigen. Mit den Fernbahnen fahren sie dann noch vierzig oder fünfzig Minuten durch das schöne Themsetal, um spät abends endlich zu Hause zu sein. Die Hauspreise zwingen die commuters aufs Land auszuweichen.

Bauarbeiten waren diesmal der Grund für den ungeplanten Stopp. Ein paar Stunden bleibt die Central gesperrt, dann hat man das Loch im Tunneldach geschlossen. Der Zugführer wird nicht schlecht geguckt haben, als er da unten auf einmal die Sonne sehen konnte und oben haben sich Besucher des Westfield Shopping Centers auf der Straße versammelt. Sie wollten einen Blick in ein klaffendes Loch werfen, durch das man die Tube sehen kann! Eigentlich sollte nur ein Erdkabel verlegt werden. Kaum hatte man den Drillbohrer angesetzt, war man auch schon durchgebrochen. Jetzt stellt sich mir die Frage: Wie dick sind denn so im Schnitt die Tunneldecken der Undergrounds in London? 

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Der U-Bahn Tunnel hat ein Oberlicht! Das Loch wurde geschlossen, ab 21:30 Uhr rollte der Verkehr wieder reibungslos. Zum Glück ist niemanden etwas passiert.

Es ist noch gar nicht lange her, da hat George mich ins Westfield Center mitgenommen. Er brauchte neue Runners und dafür ist dort das “only and best” Sportgeschäft. Es dauerte lange, bis er sich für ein Modell entscheiden konnte, nun gut, die Schuhe kosten mehr als ich für ein Paar Winterstiefel hinlegen würde. Ich vertrieb mir die Zeit auf einem Laufband mit gekoppelter Super-Hochgeschwindigkeits-Kamera. Nach zehn Minuten Laufen hatte ich es schriftlich: Ich watschel wie ‘ne Ente! Ohne aufwendig angepasstes und sündhaft teures Spezialschuhwerk werde ich nicht weit kommen. Mein Einwand, dass ich immerhin durch sechs Lebenjahrzehnte mehr oder weniger aufrecht geschritten bin, lässt der Verkäufer nicht gelten. Zum Glück kommt George rechtzeitig von der Kasse zurück und befreit mich aus der misslichen Lage. Ich versuche demonstrativ “locker” aus dem Laden zu schreiten, was wohl gründlich mislingt.  Denken Sie bloß nie darüber nach, was die Füße als nächstes machen müssen, um einen Schritt vorwärts zu kommen.

Auf einem der wenigen Parkplätze steht das Auto. Liebevoll legt George seine neuen Schuhe auf die Rückbank. Auf der Heimfahrt guckt er immer wieder vorsorglich in den Rückspiegel. Nein, sie sind noch nicht runtergerutscht, die Puschen liegen noch immer sicher auf den Polstern. Ich sage lieber nix  und schalte das Radio ein. Nick Straker singt ‘Walk in the park’ und da stelle ich gleich lauter und falle in den Refrain ein: “A walk in the park, a trip in the dark, I’m getting away escaping today.” Trallallala. 

westfield
Vor dem Westfield Shopping Center wurde schon gebaut, als wird dort einkauften. Täglich von 10-10 Uhr geöffnet, sonntags kürzer. Parkplätze sind Mangelware, dafür gibt es jede Menge Bahn- und Busverbindungen. Shepherd’s Bush aussteigen, dann kann man es nicht verfehlen.

The boss himself says:

George is silent. He enjoys the evening together with the new runners. He shows them the Regent Canal and perhaps they will sip a glass of wine before returning home.

Und ich: “Lieber schon mal Pflaster und Salbe parat legen. Ich glaube die beiden müssen sich erst noch zusammenlaufen, -sorry, -raufen-, bevor es passt. Später widmen wir uns dann meiner Defizite: Ein schiefes Hüftgelenk muß begradigt werden. Falls es gelingt, wird der Meniskus tirilieren.”

schuhKurz vorm Schlafengehen erfahre ich Unglaubliches: Das Schuhmodell läuft er jetzt schon seit zehn Jahren. Es ist sein x-tes Paar. Es hat sich bewährt und wird zum Glück seit Ewigkeiten in identischer Bauart verkauft. Ja, was um alles in der Welt, hat er denn dann in den dreißig Minuten mit dem Verkäufer besprochen??? Ging es womöglich nur um die Farbe des Schnürsenkels? Mag sein, dass wir Frauen ein leidenschaftliches Verhältnis zum Einkaufen neuer Klamotten haben, aber wenn es um ‘Turnschuhe’ (Don’t call them like this!!!) geht, können die Männer locker mithalten. A case for the bin.

Was passierte noch am 27. Februar?

de 1953 Die Bundesrepublik Deutschland übernimmt durch das Londoner Schuldenabkommen 

die Auslandsschulden des Reiches seit dem Ersten Weltkrieg.

uk 1900 The British Labour Party is founded. – Currently leader is Jeremy Corbyn.