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Ich muß gestehen, ich bin kein Krimi Fan. Eigentlich darf ich die Serie Tatort gar nicht kritisieren, denn ich schaue sie so gut wie nie. Ich erinnere mich dunkel an einige Folgen mit einem bayrischen Kommissar und Rauhhardackel. Ich glaube es war Gustl Bayrhammer, das dürfte hundert Jahre her sein. Weder Schimanski noch Til Schweiger, -keine Ahnung wie sein Kommissar heißt-, können mich locken. Okay, bei den Münsteranern bin ich dabei. Jan Josef Liefers stellt den Mediziner Börne ziemlich gelungen dar. Aber das ist dann schon eher Komödie als Krimi. Inzwischen gibt es keinen Abend ohne eine (zwei, drei) Folge(n) Tatort und das nervt mich. Wenn, dann sehe ich mir lieber englische Crime Stories an. Manche sind inzwischen verstaubt oder einfach zu oft wiederholt worden, andere bringen neuen Schwung in den Kinoabend. Einer meiner Lieblinge ist Vera, gespielt von Brenda Blethyn. Die murrige Kommissarin punktet durch Ehrlichkeit. Man muß sie gern haben obwohl sie meistens schlecht gelaunt ihre Mitarbeiter schikaniert. Ungerecht, autoritär, gerne spöttisch, kichert sie sich durch die Folgen. Das meckernde Lachen ist natürlich nichts anderes als ihr Versuch die eigene Hilflosigkeit zu überspielen. Vera ist tough, hat schon einiges gesehen, ist eine Chefin die jedem Alphamännchen das Machogehabe lehren könnte. Genauso bullig, alt, gebraucht und PS stark wie ihr uralter Geländewagen, wirkt auch die Detektivin.

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Vera Stanhope und ihr smarter Assistent ermitteln im TV

Gespielt wird Vera Stanhope von der wunderbaren englischen Schauspielerin Brenda Blethyn. Man darf verraten, dass sie im Februar siebzig wird. Das sieht man ihr nicht an und sie ist fitter als die Film-Vera vermuten lässt. Die glatte Haut ist nicht etwas gestrafft. Brenda hat ihre eigene Theorie, warum sie, und übrigens viele in ihrer Familie, optisch die Zeitlosigkeit verkörpern: “It’s in the genes. I’m blessed with good skin, but all the family look young. Might be because we didn’t wash very often as kids.”

Zweimal war sie für den Oscar nominiert und hat den Golden Globe gewonnen. Aber fast wäre sie gar keine Schauspielerin geworden. Aufgewachsen ist sie mit acht älteren Geschwistern in Ramsgate: “Poor as church mice.” Da lernt man die wichtigen Dinge des Lebens hautnah und natürlich hat sie nach der Schule so schnell wie möglich versucht Geld zu verdienen. Erst in einer Bank und dann viele Jahre als Buchhalterin bei der British Rail. Die hatten eine Laienschauspielertruppe, der sie dann über Umwege beitrat. Sie war viel zu schüchtern für die Bühne und überzeugt davon keinerlei Talent zu haben. Aber der Erfolg stellte sich schnell ein. Schließlich traute sie sich den alles entscheidenen Schritt zu tun. Sie trennte sich vom Ehemann, dann kündigte sie den pensionsberechtigten Job, hob ihre gesamten Ersparnisse ab und meldet sich an einer Schauspielschule an. Mit fast dreißig wollte sie Schauspielerin werden. Eine mutige Entscheidung, die auch im Drehbuch von ‘Vera’ stehen könnte. Schon bald hatte Brenda erste Bühnenerfolge. Die Mutter beäugte das mit sehr viel Skepsis und packte allen Zweifel in die eine Frage: “Brenda, if you’re doing this acting all day long, when do you earn your money?” und Brenda antworte: “They pay me, Mum.

Nie konnte sich die Mutter für die Berufswahl der Tochter begeistern, aber das war nur oberflächliche Ablehnung. Tatsächlich war sie enorm stolz auf ihre Jüngste. Immer wenn sie gemeinsam im Bus nach Hause fuhren, drängte die Mutter auf einen Platz auf der Rückbank. Weil Brenda ein paar Stationen früher aussteigen mußte, konnte sie der längst TV bekannten Tochter laut hinterherrufen: “Are you on the BBC or ITV at the moment, Brenda?“. Alle hatten es gehört und die Mum schaukelte selig im Bus nach Hause.

Brenda Blynthe wird siebzig. Man sieht es ihr nicht an. Vermutlich steht sie hier im Television Center in Southwark an der Themse. Ihren ersten Marathon lief sie kurz nach dem sechzigsten Geburtstag. Mal seh’n womit sie diesmal überrascht.

In Deutschland kenne ich Brenda Blethyn nur in der Rolle der Detektivin Vera. In England ist sie öfter zu sehen. Sie ist im Shakespeare Theater zu Hause hat aber auch eine wunderbare komödiantische Seite. Die zeigt sie in Serien wie ‘Yes Minister’ oder ‘Chance in a Million’ und eroberte damit die englischen Wohnzimmer. Die offizielle Anerkennung erhielt sie 2003, da war der OBE fällig. Der britische Verdienstorden, kurz Order of the British Empire.

Am 20. Februar feiert Brenda Blethyn ihren Geburtstag. Der erste Gratulant wird ihr Ehemann Michael sein, mit dem sie inzwischen über 35 Jahre glücklich verheiratet ist. So kann’s kommen.

Die Serie Vera läuft auf ZDF Nero. Wer lieber liest, dem kann ich die Bücher von Ann Cleeves empfehlen. Auf ihren Romanen basiert die Krimigeschichte rund um Vera. Mein Favourit ist aber die Autobiographie von Brenda. Sie heißt ‘Mixed fancies‘ und ist bisher nur in englischer Sprache erhältlich. Aber leicht zu lesen and exciting as a detective story. 

The boss himself says:

George: “It’s a bit odd that I saw some hundred crime scenes and not a single one reminded me ever to any TV thriller. Is something wrong written in our screenplay? Or have I got used to blood and thunder? It’s only work and not unusal rather boring.

Und ich: “Du brauchst ein bißchen Nervenkitzel? Heute abend läuft Ripperstreet, wie wär’s?” “An evening with you at the Pub Quiz will take me back a few nerves more. That’s what we’re doing.”

 

Was passierte noch am 27. Januar?

de 1859 Kaisergeburtstag: Wilhelm II., deutscher Kaiser und König von Preußen wird geboren.
uk 1926 John Logie Baird, Scottish engineer, demonstrated the world’s first TV transmission.