179. Tag, Rest: 187 Tage

Sommeranfang, Sonnenwende, solstice (wie der Engländer sagt). Das passierte vor ein paar Tagen. Die Schweden tanzen dann wohl durch die taghelle Nacht, in Deutschland kriegt es kein Mensch mit und der Engländer fährt mal schnell nach Stonehenge. Da ist man dem Himmel ganz nahe, so steht es jedenfalls im Reiseführer.

Der weltberühmte Steinkreis liegt in der Grafschaft Wiltshire und ist von London gar nicht weit entfernt. Man braucht gut zwei Stunden über die Autobahn. Oder man steigt in die South West Trains ein, Abfahrt Victoria Station. Wir sind schon zweimal an Stonehenge vorbeigefahren, -die Landstraße ist keine hundert Meter entfernt-, aber ich stand nie in der Mitte der Kolosse. Bisher zog mich nichts dorthin. Besonders wenn ich die Fotos betrachte, die zur Sonnenwende, egal ob Sommer oder Winter, veröffentlicht werden, dann fällt meine Laune unter Null.

feel-it
Oh Babe, can you feel it? Für Verzückungen in der Menge bin ich zu schüchtern. Also bleiben wir lieber zu Hause.

Dieses Jahr, also vor knapp einer Woche, hat man sich die Augen gerieben. Stonehenge mag für die Besucher ein kosmisches Tor sein, vielleicht etwas Heiliges, aber für die Anwohner ist es in erster Linie ein Einnahmequelle. Und da war man wenig erfreut, dass nur etwa die Hälfte der sonst üblichen Besucherzahlen den Sonnenaufgang am 21. Juni dort erlebt haben. Dabei war das Wetter gar nicht schlecht. Was war passiert?

crowded
Stonehenge ist längst ein Massen-Event. Ruhe finden dürfte hier schwer fallen. Jedenfalls an den besonderen Tagen im Sommer und Winter.

Eine satte Erhöhung der Parkgebühren auf immerhin £15, statt den üblichen £5, wirkte abschreckend. Aber das alleine war es nicht. Viel schwerer wog das Alkoholverbot. Es wurde erstmals über das ganze Areal verhängt. Ausflug ohne Alkohol? Wie soll das gehen? “We will dry up!” riefen die Engländer. Da hilft es dann auch nichts, wenn zeitgleich ein Vollmond am Himmel steht. Sorry, das macht die Show auch nicht lustiger. Ohne Bier, Champagner oder wenigsten Ciderwein schwingt nun mal nix. Wie soll da kosmische Energie strömen, wenn schon an der Theke nichts fließt?

Ich hatte es geahnt und habe gleich den Champus in der Gartenlaube kredenzt. Da ist es warm, trocken und bequem und der Nachthimmel hüllt alles lauschig ein. Schließlich kam auch noch der Strawberry Mood vorbei. Perfektes Timing. 

We’re all goin’ on a summer holiday

No more workin’ for a week or two

Fun and laughter on a summer holiday

No more worries for me or you

For a week or two

Übrigens ist der Strawberry Moon gar nicht rot, wie man denken könnte. Es ist eine Bezeichnung für den Vollmond im Juni. Sie stammt von den Nord-Amerikanischen Indianer, die es als Startsignal für die Erbeerernte begriffen. – Brauchten die so was? Ich würde die Beeren pflücken, wenn sie rot sind. Aber gut, andere Länder, andere Sitten.

catering
Und wer noch immer von Stonehenge träumt, dem ziehe ich jetzt den Zahn. Auch diese Buden gehören zum kosmischen Erlebnis. Gleich daneben stehen die Dixi-Klos, aber die meisten Männer pinkeln direkt an den Stein. Davon stehen ja genug herum.

 

The boss himself says:

George says: “‘You forget something. The solstice 2016 clashed with the England-Wales football match. No wonder that nobody stood in Stonehenge howling to the moon.

Ich sage: “Du hast diesmal das große Los gezogen: Erst Fußball im Großformat, dann freien Alkohol und schließlich einen romantische Vollmond. Das nenne ich all-include.

Was passierte noch am 27. Juni?

de 1873 Die Brauerei Beck & Co. wird in Bremen gegründet. – Das Geschäft mit dem

Gerstensaft scheint krisensicher zu sein. Becks gibt es auch in England.

uk 2007 Tony Blair resigns as British Prime Minister, a position he had held since 1997. 

Sein Nachfolger wurde der ungeliebte Gordon Brown. Zu ernst, zu humorlos.