28. Tag, Rest: 338 Tage

Manchmal hole ich George im Labor ab. Er lässt mich ohne Murren sein Auto fahren. Deutsche Autofahrer genießen hohes Ansehen. Man staunt über die Freie-Fahrt-Regelung auf unseren Autobahnen und verallgemeinert es gerne: No speed limit! Really? Wow. Um die Raserei beneidet der Engländer uns glühend. Selbst mir wirft man anerkennende Blicke zu, obwohl auch in England die Fahrkünste der Frauen gerne unterbewertet werden. Zum anderen ist das Auto kein Statussymbol, es ist also kein Drama wenn ein paar Beulen dazukommen sollten. Und last but really not least genießt George den privaten Fahrdienst, denn schließlich trifft man sich nach Feierabend im Pub, gleich neben dem Büro, und da trinkt man gerne ein Bier. Die meisten Mitarbeiter kommen mit der Bahn, müssen sich also nicht zurückhalten. In England gilt ein Alkohollimit von 0,8 Promille; es soll auf 0,5 heruntergesetzt werden. Sofort brandete landesweit Protest auf, Original-Ton: Dann können wir noch nicht einmal ein Pint Ale nach Dienstschluß im Pub trinken; wie soll das denn funktionieren? Die Gewerkschaften haben sich sofort mit ihren Mitgliedern solidarisiert und kämpfen nun für die Beibehaltung der alten Obergrenze. Wer arbeitet darf auch Bier trinken, erinnert mich irgendwie an Bayern.

forensic
Forensiker im Einsatz. Woran können Sie sich untereinander erkennen? Vielleicht kleben gelbe Namenszettel auf dem Rücken?

Am frühen Nachmittag fahre ich in Hampstead los. Immer westwärts, fast bis nach Wembley. Das Navi leitet mich sicher hin, aber eigentlich kenne ich den Weg längst auswendig. Mit dem einsetzenden Feierabendverkehr habe ich nichts zu tun, der fließt in eine ganz andere Richtung. Im Labor angekommen, benutze ich den Hintereingang. Mir ist es immer noch peinlich dort den Chef abzuholen. Da bin ich preußisch erzogen, Arbeit und Privates wurde immer streng getrennt. Der Engländer vermischt es gerne. Auf dem langen Flur kommt mir George entgegen. Noch hat er seine Arbeitskleidung an, es wird also wohl etwas dauern bis wir starten können. Bester Laune empfängt er mich und weil gerade keiner guckt nutze ich die Gelegenheit und nehme ihn mal fest in meine Arme. Aber da habe ich mich verkalkuliert, die ganze Mannschaft steht wie aus dem Nichts hinter ihm aufgereit. Darauf haben die doch nur gewartet. Bevor ich reagieren kann, stößt George mich schon sanft zurück und lässt mich so laut wie möglich wissen: “Darling be careful, mind the sperm!”  Mich trifft der Schlag. Wie eine Salzsäule stehe ich vor ihm und stiere auf seine Hose. Sprach- und regunslos. Hinter ihm wird gekichert. Ich laufe knallrot an. Lächelnd nimmt er meine Hand, zieht mit der anderen ein Röhrchen aus der Brusttasche, darin eine weiße Flüssigkeit. Riesen Gelächter, große Zufriedenheit. 

Erst sehr viel später im Pub, finde ich langsam meine Laune wieder. Gut, dass wir zu zweit sind, dann kann ja einer Bier trinken und der andere übernimmt die Heimfahrt. Raten Sie mal wer das war.

swimmer
Die Arbeit im medizinischen Labor ist schon ein bißchen anders als im Büro. George überrascht mich gerne.

The boss himself says:

George: “Don’t make a fuss. We had a good laugh. We have a rather friendly working atmosphere. It’s different to Germany but lovely, isn’t it?

Und ich: “Man kann mich noch immer überraschen. Von wegen feiner englischer Humor. Der Engländer beherrscht auch die Schenkelklopfer und George sowieso.”

 

Was passierte noch am 27. Januar?

de 1897 Rudolf Diesel setzt mit Erfolg den von ihm erfundenen Motor in Gang.
uk 1547 Henry VIII dies. His nine-year-old son, Edward VI becomes King.