149. Tag, Rest: 217 Tage

Der Routemaster ist eine Londoner Legende. Der feuerrote Doppeldeckerbus wurde speziell für die Stadt gebaut. Heute fährt so ein antiquarisches Ding für Touristen in Hamburg herum und zeigt ihnen die schönsten Ecken rund um Alster und Hafen. Wenn ein Londoner an Bord ist, steigen ihm vor Rührung glatt die Tränen in die Augen. Sorry, my eyes are watering, wird er murmeln und ins Taschentuch schniefen. Würde man ihm nun noch einen Becher heißen Tee in die Hand drücken, würde er auf der Stelle auslaufen. – In London war irgendwann Schluß mit den Bussen, denn sie waren nicht behindertengerecht gebaut. Wer auf Rollen oder Räder angewiesen ist, wie wir alle in den ersten Monaten, kann die hohen Einstiegsstufen nicht überwinden. Und Ein- oder Aussteigen während der Fahrt über die offene Plattform am Heck ist natürlich auch keine Option für Prothesenträger. Also wurden die geliebten und längst weltberühmten Busse schweren Herzen ausgemustert. Dafür kam dann der Gelenkbus zum Einsatz, der nicht zufällig dem Hamburger Linienbus zum Verwechseln ähnlich sieht. Es handelt sich tatsächlich um die Busse von Mercedes, die in Deutschland gebaut werden und lediglich das Lenkrad an die rechte Seite montiert bekommen. (Natrürlich auch Gas- und Bremspedal! Was für ein blöde Frage.) Der gelenkige Wurm gefiel aber den Londoner gar nicht und die Fahrer hatten wohl auch Probleme das lange Ding durch die engen und kurvenreichen Strassen der City zu lenken.

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Der grüne Doppeldecker ist nicht so bekannt wie sein roter Bruder. Aber auch dieser fuhr lange im Linienverkehr durch London.

Ab 2012 kam dann der lang ersehnte Nachfolger: the New Routemaster oder wie der Londoner sagt der Borismaster. Ja, es war mal wieder der agile Bürgermeister Boris Johnson, der die neuen Busse in Auftrag gab. Und es war natürlich auch einer der vielen Nebeneffekte der Olympischen Spiele, die 2012 in London stattfanden. Meine Heimatstadt Hamburg hat die Chance ja großzügig in den Wind geschlagen. Jetzt sind die Gesichter lang, denn gerade ging der dritte Hamburger Bundesliga Club pleite. Ja liebe Mitbürger und hanseatische Leisetreter, habt ihr geglaubt euer verzagtes ‘nein’ würde ohne Folgen bleiben? Hamburg ist für den Spitzensport so tot wie eine bereits mumifizierte Kanalratte. Mal sehn, wann die Fußballer des HSV ihre Geldgeber verlieren. Das wäre doch mal was ganz Neues. Platz 10 in der Liga gerettet aber Abstieg wegen allgemeinen Desinteresses.

Zurück zum Busverkehr in London. Der ist nach wie vor meine erste Wahl, wenn auch gesagt sein muß, dass so ein Bus natürlich genauso im Verkehrsstau steckt wie jeder Autofahrer. Trotz einiger Busspuren kann die Fahrt einmal quer durch London zeitlich ein langes Vergnügen werden. Wählt man die Linie 11*) macht das nix, denn sie führt so gut wie an allen Sehenswürdigkeiten vorbei. Da kann es gar nicht langsam genug gehen, denn so hat man die Chance einmal rechts und einmal nach links zu knipsen.

*) Die Linie 11 fährt von Fulham Broadway nach Liverpool Street. Am besten gurkt man gleich wieder zurück. Der moderne New Routemaster wird dort eingesetzt. Gleich nach oben gehen und die Aussicht geniessen.

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Die Linie 11 mit dem neuen und dem alten Routemaster. Sie führt an allen Sehenswürdigkeiten der Stadt vorbei.

Der New Routemaster ist ein moderner Niederflurbus mit zwei Etagen und drei Türen. Er ist natürlich in knallrot lackiert. Normalerweise steigt man vorne ein, hält seine Oyster Card an das Kartenlesegerät (da wo der gelbe Kreis ist) und bezahlt damit automatisch den Fahrpreis. Achtung, während man bei der Tube vor und nach der Fahrt die Karte an das Lesegerät hält, darf man es beim Bus nur einmal, nämlich beim Einsteigen machen. Ansonsten wird der Fahrpreis prompt doppelt abgebucht. Also das Einsteigen macht man vorne, Aussteigen in der Mitte und hinten, ja, da ist auch noch eine Tür und die ist immer offen. Man darf jederzeit dort ein- oder aussteigen. Auch während der Fahrt! Kein Problem, durch die City kriecht man in Schrittgeschwindigkeit. Aber die Plattform bitte nur benutzen, wenn dort ein Schaffner postiert ist. Am Wochenende fahren die Busse im Einmannbetrieb und dann ist die Rücktür dicht. Übrigens können Sie auch beim zweiten Mann keinen Fahrschein gegen Geld kaufen. Ohne prepaid Oyster Card können Sie in London weder Bus noch Bahn nutzen.

Auf’s Oberdeck führen zwei Treppen, also eine nach oben und die andere zum Aussteigen. Die Heckplattform ist an der hinteren Seite. Unterschätzen sie die Geschwindigkeit nicht, mit ein bißchen Übung kann man während der Fahrt herausspringen. Ich gehöre einer Generation an, die die Hamburger U-Bahnen noch kennt, deren Türen man jederzeit öffnen konnte. War bei der Jugend sehr beliebt als Mutprobe. Mitten zwischen zwei Stationen haben wir die Türen sperrangelweit geöffnet. Und natürlich wurden sie bei jeder Einfahrt in den Bahnhof rechtzeitig aufgerissen und dann glitt man so früh wie irgend möglich, lässig aus dem Zug. Dazu mußte man sich unbedingt in Fahrtrichtung stellen, ansonsten flog man nicht auf den Hintern sondern frontal auf’s Maul. Sehr peinlich und schmerzhaft. Jetzt, fünfzig Jahre später, profitiere ich noch immer von dem täglichen Training während des damaligen Schulweges. Tja, gute Bildungsstätten prägen ein Leben lang. – Elegant wie eine Gazelle hüpfe ich also noch heute vom rote Bus auf die Straße und sehe mich  nur noch Zentimeter von der Windschutzscheibe des nachfolgenden Routemasters entfernt. Ouups. Sorry, I’m not used to left-hand traffic …

Manchmal sieht man aber doch noch den alten Routemaster durch London rumpeln. Und zwar im ganz normalen Linienbetrieb. Ich habe ihn manchmal auf der Linie 15 entdeckt und ich glaube dort wird der rote Veteran noch regelmäßig eingesetzt. Die Buslinie beginnt am Bahnhof Paddington Station und fährt nach East Ham

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Die Hauptbuslinie in der Stadt. Den Plan bekommt man an jeder Station oder im Internet bei TfL. Mit Mausklick kann man das Bild vergrößern.

Ich glaube jetzt habe ich alles erzählt, um Ihnen eine Bustour durch London schmackhaft zu machen. Ach so, falls es spät wird, keine Sorge. Viele Busse fahren auch nachts, man sieht es am Hinweis “24-hours” oder man sucht sich eine passende Nachtbuslinie aus. Irgendwie kommt man schon nach Hause, es sei denn man wohnt ausserhalb des M25-Ringes. Dann braucht man ein Auto oder ein Taxi. Probieren Sie es aus. Nur Mut, die Engländer sind nett und stets hilfsbereit, wenn man höflich fragt. Beginnen Sie mit einer Entschuldigung. In diesem Fall aber nicht sorry sonder excuse me … Dann weiß der Einheimische gleich, aha, jetzt stellt man ihm eine Frage. Und für diese Störung entschuldigt man sich bereits im Vorfeld mit einem excuse me. Würden Sie aber mit sorry starten, dann denkt ihr Gegenüber Sie hätten ihm/ihr auf den Fuß getreten. Also antwortet er/sie auch mit einem sorry und zieht schnell weiter. Es hört sich komplizierter an als es ist. Ein paar einfache Regeln und schon kann der small-talk starten.

Aber bitte quatschen Sie niemanden grundlos in Bahn oder Bus an. Fragen sind okay, wenn es denn sein muß, aber Gespräche gehen gar nicht. Niemals. Das wäre wohl das Peinlichste was sich ein Londoner überhaupt nur vorstellen kann. Natürlich telefoniert auch er in aller Öffentlichkeit, wenn er dann eine Tube mit Netzempfang erwischt haben sollte. Und während so eines Telefonats gibt er detailliert Auskunft über seine Magenschmerzen, die Beschaffentheit seiner Verdauungsorgane und wie oft er letzte Nacht hoch mußte. Das empfindet er als diskret, sieht doch schließlich niemand seinen Gesprächspartner am anderen Ende. Aber eine Unterhaltung live mit lebenden Menschen in Bahn, Bus oder Fahrstuhl geht gar nicht. Unter keinen Umständen. Iwould be most embarrassing.

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Die Buslinie 11 ist die preiswerteste Alternative zu den teuren Bustouren, die für Touristen durch die City angeboten werden. Man bekommt vom Linienbus aus alle Highlight präsentiert. Und auf der 11 fahren die New Routemaster. Man sitzt also nicht nur in der ersten Reihe, sondern auch noch auf dem Balkon.

The boss himself says:

George war bei seinen Bienen und kam ziemlich verschwitzt zurück. Frisch geduscht fragt er mich: “Why are all Y-front underpants right-handed?

Ich sage: “Sag bloß du trägst den Doppelripp Dandy Skipper?” “No, don’t worry. I got elasticated boxer shorts which proved a miracle. Everything seemed to stay where ist should.” “Glückwunsch!”

Was passierte noch am 28. Mai?

de 1987 Mathias Rust landet am Tag des Grenzsoldaten mit einer Cessna auf dem Roten

Platz in Moskau. – Spektakulär, aber keine Heldentat. 

uk 1940 Die Britische Regierung verfügt die Internierung aller in Großbritannien lebenden

deutschen Frauen im Alter von 16 bis 60 Jahren auf die Isle of Man. – Was geschah

mit den Männern?