333. Tag, Rest: 33 Tage 

Nun haben wir schon den ersten Advent gefeiert! Da darf, -ja da muß man-, die Weihnachtsdekoration aus dem Keller geholt haben. Der Kranz liegt auf dem Tisch und die erste Kerze ist schon ein Stück kürzer gebrannt. In England wird den Adventssonntagen nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt. Der ‘advent wreath’ hängt an der Haustür, einen Kalender gibt es leider nicht. Dabei war es doch der deutsche Gatte von Queen Victoria, Prinz Albert, der den Weihnachtsbaum nach England brachte. Seitdem ist der Christmas Tree fester Bestandteil. Allerdings schmücken ihn die Engländer gerne etwas bunter und aufwendiger als wir es lieben.

 

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In der Shopping Meile Covent Garden hängen hunderte von Mistletoes. Man kommt aus dem Knutschen gar nicht wieder raus.

 

Ab £ 20 kann man die schottische Nordmanntanne bei Aldi in London kaufen. Schnäppchenpreis, denn die Bäume werden auch für das drei- bis vierfache angeboten. Ob Sie es glauben oder nicht, sie stehen seit gestern in vielen Wohnzimmern, voll geschmückt! Da kennt der Engländer kein Pardon, ab 1. Dezember will er seinen Christmas Tree haben. Weil die Wohnzimmer eh schon etwas beengt sind, quetscht man den Baum einfach neben den Kamin. Dann ist er spätestens Weihnachten so knochentrocken, dass auch ein einfacher Heizofen ausreicht, um das ganze Ding in Brand zu setzten. Ein Verzicht wäre schon logistisch unmöglich, denn unter dem Baum stapeln sich die Geschenke und nirgendswo anders gehören sie hin. So ist das nun mal und so steht es in der Bill of Rights. George’s Kommentar: “It’s poppycock” (totaler Quatsch). “Von wegen, über die Hälfte der Leute schmücken ihren Baum Anfang Dezember”. “I mean the Bill of Rights.”

 

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Geschenke gehören unter den Baum oder in die Stockings am Kamin. Anders geht das nicht.

 

Der größte, schönste und wahrscheinlich beliebteste Weihnachtsbaum steht auf dem Trafalgar Square. Er ist ein Geschenk der Norweger, die ihn jedes Jahr pünktlich abliefern. Heute oder morgen wird er aufgestellt und am Donnerstag sollen dann die Lichter erstmals erstrahlen. Da zwingt sich mir schon wieder die Parallele zur Alstertanne in Hamburg auf, die auf einem Floß festgemacht wird und mitten auf der Binnenalster ihren Lichterglanz tausendmal im Wasser reflektieren lässt. Letztes Jahr hatte die Londoner Tanne einen mächtigen Sturm auszuhalten. Das war Mitte Dezember und am nächsten Morgen war sie irgendwie schief. Polizei rückte an, aber gab dann schnell Entwarnung. Die Trafalgartanne hatte zwar Schlagseite, aber sie drohte nicht zu kippen. Prompt ging das gute Stück als ‘Wonky Tree’ in die Geschichte ein. 

 

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Hamburg hat diese Jahr auch ein bißchen Pech mit seiner Alstertanne. Eigentlich wird jedes Mal ein Prachstück aus der näheren Umgebung angeliefert. Fast immer von einem Privatmann aus eigenen Garten gespendet. Die sind natürlich heilfroh, wenn der Riese für sie kostenlos gefällt wird und nicht mehr auf’s Dach kippen kann. Diesmal ging es dann schief, der Amtsschimmel war aufgewacht. Irgendjemand protestierte, die Fällung wurde untersagt und nun stand man drei Tage vor dem ersten Advent ohne Baum da. Wo bekommt man so schnell eine 30 Meter hohe Tanne her? Zum Glück hat Hamburg einige Staatsforsten rund um die Hansestadt und dort wurde man dann fündig. Der Baum ist hoch genug, allerdings nicht ganz so buschig wie seine Vorgänger. So ein echter Waldbewohner ist in der unteren Etage meistens kahl. Die Hamburger trösteten sich, denn erstens ist die Tanne ein ganzes Stück entfernt mitten auf der Alster, zweitens wird es früh dunkel und drittens kann man unten ein paar Lichter mehr aufhängen, dann merkt es kein Mensch.

 

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Unsere Alstertanne in Hamburg. Isse nich’ schön? So einen tollen Platz in der Stadt hat London nicht zu bieten.

 

Engländer denken genauso. Ihre Wohnzimmertanne, egal wie teuer gekauft, wird zwangsläufig Nadeln lassen. Je näher der Weihnachtstag rückt, desto durchsichtiger der Baum. Ich meine nach vier Wochen macht auch die edelste Züchtung schlapp. Gut, das englische Wohnzimmer ist nicht viel wärmer als 16/17°C beheizt, da halten sich Grünpflanzen lange frisch. Trotzdem wird der Nadelhaufen von Tag zu Tag größer (George: “Hoover on stand-by”) und der Baum hat bald nur noch die bunte Dekoration an seinen dürren Zweigen hängen. Da kann man natürlich erst einmal nachlegen, damit lassen sich kleinere Löcher kaschieren. Pimp the tree. Aber viel besser sind die Ersatzzweige, die es bei Tesco und in jedem guten Baumarkt zu kaufen gibt. Man befestigt sie einfach am Stamm und dann sieht der Baum auch Ende Januar buschig und tiefgrün, wie frisch geschlagen, aus. Merry Christmas. Das endet auch dieses Jahr wieder in einer Katastrophe, aber wenn wir nur halb soviel Spaß wie letzte Mal haben, dann wird ist es ein perfektes Weihnachtsfest.

 

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Christmas Tree Extension – damit ist Weihnachten gerettet.

 

 

 

The boss himself says:

 

George says: “We don’t have to care for the tree after Christmas. We can bring it to the Zoo as a gift for the lions. They like to play with the scratchy needles.

Ich sage: “Im Ernst? Wenn das halb London macht, dann haben die Löwen sechs Millionen Weihnachtsbäume zur Verfügung.” “First come, first serve.”

 

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Was passierte noch am 28. November?

 

de 1983

 

In Deutschland passiert heute wenig. Ulf Merbold startet in den Weltraum und

langweilt uns anschließend jahrzehntelang mit ‘wissenschaftlicher’ Penetranz.

 uk

2000

Im Pechtropfenexperiment, das seit dem Jahr 1927 läuft, fällt der achte Tropfen. – Auf

so etwas muß man erst einmal kommen. Ich habe den Link zu Wikipedia eingefügt, 

lesen Sie dort mal nach. Ich hätte schwören können, das nur ein Deutscher die 

Geduld aufbringt, aber vermutlich ist das Ganze ein großer Witz und deshalb ganz

klar ein Fall für einen englischen Wissenschaftler: Thomas Parnell.