216. Tag, Rest: 150 Tage 

Die Oxford Street findet der Londonbesucher kurz über lang ganz von alleine. Sie ist zusammen mit der Regent Street die Shopping Meile Londons. Wo die beiden Straßen rechtwinklig aufeinandertreffen, liegt der Oxford Circus. Die Straße selbst, Oxford Street, ist überraschend schmal. Zwei Busse passen gerade aneinander vorbei. Die Bürgersteige sind etwa genauso breit wie die Fahrbahn, aber hier schieben sich vorher nie von mir gesehene Menschenmassen von Selfridges zu John Lewis. Jede Ampel hält die Fußgänger auf, sofort staut es sich zurück. Dasselbe passiert an den Eingängen zur Underground (Bond Street und Tottenham Court Road). Ein ziemliches Gewühl und ich bin froh mit einer Körperlänge von 5″9 (feet/inches) nicht ganz in der Menge unterzugehen.

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Augen zu und durch. Die Oxford Street am Anfang beim Marble Arch. Hier könnte man noch am Bus vorbei, aber ein Stück weiter wird es noch enger.

Die Oxford Street ist eine Herausforderung, sowohl für den Autofahrer als auch für den Fußgänger. Schon vor zwanzig Jahren dachte man über eine Verkehrsberuhigung nach, aber niemand konnte sich durchringen, die Straße für den Verkehr zu sperren. Dafür sind zu viele Geschäfte hier angesiedelt. Wenn nun aber im übernächsten Jahr auch noch die neue Undergroud Line (Crossrail) hier mit zwei neuen Haltestellen eröffnet, dann ist der Kollaps garantiert. Deshalb wird jetzt gehandelt. Das östliche Stück, von Oxford Circus bis Tottenham Court Road soll jetzt tatsächlich zur Fußgängerzone umgebaut werden.

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So soll die Oxford Street nach dem Umbau aussehen.

Die Zahlen, die man aktuell ermittelte sprechen für sich: Durch die enge Oxford Street fahren stündlich 168 Busse. Dazu Autos und unzählige black cabs. Die Straße liegt im weltweiten (!) Schadstoffvergleich ganz vorne. Das ist für London sowieso inzwischen ein echtes Problem. Deshalb wurde beschlossen, dass Dieselfahrzeuge künftig £10 pro Tag zahlen müssen, wenn sie die Innenstadt (tagsüber) queren wollen. Das kommt auf die City Maut noch einmal oben drauf, also zahlen Dieselfahrer künftig gut 25 Euro pro Tag in der Londoner Innenstadt! 

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Oxford Street / Regent Street. Busse ohne Ende. Wo sollen die hin, wenn das hier Fußgängerzone wird? Das hier ist übrigens der Oxford Circus.

 

Wenn die Fußgängerzone jetzt verwirklicht werden sollte, -und ich zweifle nicht daran-, dann verliert London leider auch einen der originellsten Straßenübergänge, die man sich nur denken kann. Er ist auf dem Oxford Circus zu bestaunen. Ein tolle Idee: Die Fußgänger können nicht nur die Straße bei grün queren, nein, sie können auch gleich diagonal über den Platz laufen. Irgendwie erinnert es an ein Brettspiel, ich glaube es war ‘Fang den Hut’:

 

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Den Londonern hat man die Spielregeln mühevoll beigebracht, ich habe sie mir stundenlang erklären lassen. Die Sache ist einfach und trotzdem kapiert es niemand. Alle zwei Minuten ist die Kreuzung komplett für die Autos mittels roter Ampel gesperrt. Für die nächsten 30 Sekunden gehört der Platz dann alleine den Fußgänger. Falls sie ihn diagonal queren wollen, müssen sie eine Strecke von 26 Metern durchlaufen. Für ältere Leute eine Herausforderung. Eigentlich auch für junge, kleine, dicke, langsame … Menschen. Und irgendwie hat die Sache nicht funktioniert. Die Londoner waren zwar durchaus bereit den Oxford Circus im dicksten Verkehr zu queren. Das machen sie ja auch an anderen Ecken, ohne nervös zu werden. Aber die Touristen waren völlig perplex. Sie liefen brav los, wenn die Ampel auf grün schaltete. Dann verlosch das Licht und sie wußten nicht, das sie nun noch 22 Sekunden zum Weitergehen haben. Erst dann wurde das rote Männchen sichtbar und die Autos durften wieder starten. So kam es, dass völlig verängstigte Urlauber mitten auf dem Circus standen und nicht mehr weiter wußten. Man floh auf die weissen Flächen und hoffte die Autos würden auf den dunklen vorbeifahren. Das muß ganz amüsant gewesen sein. Heute kann man prinzipiell noch immer diagonal losmarschieren, aber nur wenige nutzen es.

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Nur einer traut sich quer über den Oxford Circus zu gehen. Ich traue dem Frieden hier auch nicht, weder im Auto, -hier fahre ich sowieso nicht-, noch zu Fuß.

Aber irgendwie lag von Anfang an ein böses Omen über dem Projekt. Als Boris Johnson noch Bürgermeister war und das ‘Giant Chessboard’ einweihte, machte er es mithilfe eines japanischen Zen-Gonges. Ein riesiges Ding, das mit einem ebenso großen Schlägel angeschlagen werden sollte. Boris holte also kräftig aus, haute drauf und der kreisrunde Gong flog aus seiner Aufhängung. Dann rollte die metallene Scheibe über den Oxford Circus und blieb mit einem Höllenlärm an einem der Ampelmasten hängen. Erst ein Mordsgeschepper, dann eisige Stille. Und so ist es dann ja auch wirklich gekommen.

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Marble Arch ist am anderen Ende der Oxford Street. Der Bogen ist irgendwie auch viel kleiner als ich dachte. Er war mal der Eingang zum Buckingham Palace. Dann renovierte man und wollte was Größeres. Oder so ähnlich.

 

The boss himself says:

George says: “Four centuries ago, you wouldn’t have been going shopping in Oxford Street; you might well have been sitting in a cart on your way to be hanged.”

Ich sage: Ja, davon habe ich auf meinen History Tours gehört. Der Galgen war dort, wo heute Marble Arch steht und die Oxford Street hieß Tyburn Road, weil sie zu dem gleichnamigen Dorf führte.

 

Was passierte noch am 03. August?

de 1811 Johann Rudolf und Hieronymus Meyer gelingt die Erstbesteigung der Jungfrau. – Zu

diesem Thema verkneife ich mir jeden Kommentar. Ein Glückwunsch muß reichen.

uk 1963 The Beatles spielen ihr letztes Konzert im Cavern Club in Liverpool.