34. Tag, Rest: 332 Tage

Da ist mir doch glatt ein Fehler unterlaufen. Ein Leser machte mich darauf aufmerksam, dass mein Hinweis auf das richtige Benutzen der englischen Rolltreppen nicht mehr up-to-date sei. Stimmt, denn seit kurzem versuchen die Londoner Verkehrsbetriebe (TfL) ihre Fahrgäste umzuerziehen. Im November standen plötzlich an vielen Stationen Mitarbeiter und ermutigten die Kunden auch die linke Seite der Treppen zu benutzen. Bisher ist das die Überholspur, aber nun soll das Konzept geändert werden. Wie bei uns, soll die ganze Treppenbreite zum Stehen einladen. Im Endeffekt geht es dann für alle schneller. Erst einmal aber, ging der gut gemeinte Versuch ziemlich daneben. Die meisten Fahrgäste bekamen es mit der Angst, als sie die geballte Ansammlung von uniformierten Mitarbeitern an den Rolltreppen sahen. Viele flüchteten, obwohl sie doch alle zwangsläufig einen Fahrschein haben müssen.

 

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Erste Regel: Damit alle mitkommen muß Disziplin gezeigt werden. Klar, man lässt zuerst aussteigen.

 

Immerhin befördert die Londoner Underground, die durch einige Stadtteile (z.B. Finchley) auch oberirdisch fährt, täglich ca. 4,2 Millionen Fahrgäste. Das will erst einmal organisiert sein. Und deshalb gibt es einige grundlegende Dinge zu beachten, die ich hier einmal zusammentrage. Vermutlich ist die Liste nicht vollständig, auch ich lerne immer noch dazu, aber für mich funktioniert sie. Ich komme damit immer gut durch den Londoner Untergrund.

Weil oft sehr viele Menschen zusteigen, ist es wichtig gleich durchzurücken. Bleiben Sie nicht an den Türen stehen, sondern gehen Sie bis in den Mittelgang. Der übrigens auf Englisch aisle heißt. Zeigen Sie ihre guten Sprachkenntnisse und sagen Sie: “Please, move down the aisle.” Perfekt.

Lehnen Sie sich nicht an die Haltestangen. Sie stehen frei im Gang, damit die Leute sich daran festhalten können. Manche lehnen sich dagegen und blockieren damit die ganze Stange. Man nennt sie ‘pole leaners’ und findet sie unhöflich. Also bitte kein pole-hogging.

Kopfhörer sind in Ordnung, aber bitte die Lautstärke regeln. Auch wenn Sie für den neuesten Sharkira Hit alles stehen und liegen lassen, seien Sie sich sicher, alle anderen mögen das Lied nicht.

baby
Herzogin Kate in der Bahn

Der Engländer ist immer ein gentleman und wird einer schwangeren Frau seinen Platz anbieten. Und woher weiß er ob die Dame in anderen Umständen ist? Wäre ja peinlich, wenn sie nur ein paar Pfund zuviel auf der Hüfte hätte. Nun, ganz einfach. Die werdende Mama trägt wahrscheinlich einen Button am Revers. Darauf steht: Baby on board. So einfach ist das. – Und wenn der Nachwuchs geboren ist, hilft man natürlich beim Reinhieven des Buggies.

Weil die Züge oft rappelvoll sind und der Engländer Körperkontakt mit Fremden generell nicht schätzt, sollte man sich so dünn wie möglich machen. Wenn Sie schon einen Rucksack dabei haben, dann stellen Sie ihn bitte auf den Boden.

Verkneifen Sie sich das Essen in der Underground. Gut, fast alle Engländer frühstücken dort. Aber man kann ja auch mal als Ausländer positive Signale setzen. Also Fish & Chips lieber nicht mit in die Bahn nehmen.

Um zum Bahnsteig zu kommen, müssen Sie durch eine Ticket Barriere gehen. Dort erfolgt dann auch die automatische Bezahlung. Bereiten Sie sich darauf vor, damit es so zügig wie möglich geht. Wer erst vor der Schranke anfängt nachzufragen oder irgendwelche Hinweise zu lesen, hat den rechten Zeitpunkt versäumt.

Falls Sie das Glück haben einen freien Platz zu erwischen und männlichen Geschlechts sind, dann halten Sie bitte Ihre Beine geschlossen. Das sogenannte manspreading wird nicht gerne gesehen. (George versicherte mir glaubhaft, dass es absolut keine Situation gibt, die einen Mann körperlich dazu zwingt.)

Schauen Sie niemanden in die Augen. Der Engländer liest gerne während der Fahrt Zeitung. Dann ist er informiert und kann jeden Augenkontakt vermeiden. Das Mitlesen über die Schulter mag er genauso wenig wie wir. Also tapfer bleiben und lieber vierunddreißig mal die Hinweistafeln neben den Türen studieren. – Übrigens habe ich einmal ein Warnschild in der Central Line gesehen: ‘No eye contact. Penalty £200′ Auf mich wirkte es amtlich, war aber wohl ein Scherz.

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Das Stehen auf der richtigen Seite der Rolltreppe nehmen die Engländer ernst. Eine aktuelle Umfrage zeigt die öffentliche Meinung.

 

 

The boss himself says:

George: „My advice for stylish Ladies: Stand always facing oncoming Tube trains so that the onrush of wind does not blow your hair about.”

Und ich: “Nehmen Sie den Tipp nicht ernst; der Mann trägt Glatze. – Eine gute Alternative zur Underground sind die Busse; als Tourist will man doch die Stadt sehen.”

 

 

flug
Und das erlebt man dann im Flugzeug. Vielleicht sollte ich dazu auch mal einen Ratgeber schreiben.

 

 

Was passierte noch am 3. Februar?

de 1825

Eine Sturmflut verursacht schwere Schäden an der gesamten Nordseeküste

und kostet rund 800 Menschen das Leben. Teile Sylts werden ins Meer gerissen,

das nördliche Jütland wird zur Insel.

uk 1960

British Prime Minister Harold Macmillan speaks of “a wind of change”, an increasing

national consciousness blowing through colonial Africa, signalling that his Government

is likely to support decolonisation.