277. Tag, Rest: 89 Tage 

Es gibt rote Linien, die man nicht überschreiten sollte. Da gewährt der Engländer kein Pardon, wenn jemand gegen eines der zwar ungeschriebenen aber tief verinnerlichten Gesetze verstösst. Ein solches ist das Ansprechverbot in der Underground. Bitte niemals einen small-talk mit einem (unbekannten) Mitreisenden anfangen. Das beginnt schon beim Augenkontakt, der ist tunlichst zu unterlassen. Stieren Sie meinetwegen volle dreißig Minuten lang den Fahrplan an der Decke an oder einfach den Fleck am Boden zwischen ihren Füßen. Das ist ok, damit kommt man durch.

 

night-tube
Anlehnen ist ok, reden aber nicht. – Gut, ich habe sie reingelegt. Das hier ist die Night-Tube mit den Partygoers auf ihrem späten/frühen Heimweg.

 

Es war wohl Anfang 2015 als die Betreiber des Nahverkehrs (LfT) eine ‘Badge-Campaign’ starteten. Wir würden Button oder Anstecker sagen. Darauf stand geschrieben ‘Baby on board’ und es sollte werdenden Müttern helfen zu signalisieren ‘Ich brauche einen Sitzplatz’. Die Aktion war erfolgreich, schließlich trug auch die berühmteste Schwangere diesen Hinweis am Revers. Ich meine natürlich Kate, Duchess of Cambridge. Es folgte eine zweite Version für behinderte Menschen (‘people with hidden disabilities’). Dann war Schluß. Jetzt wurde die Idee der ‘stillen Botschaft’ erneut aufgegriffen. Eines Morgens bekamen die noch müden Bürogänger an vielen U-Bahnhöfen einen Button in die Hand gedrückt:

 

chat-but

 

Man rieb sich die Augen und war schlagartig wach. Die erste Reaktion war ungläubiges Staunen, dann folgte pure Ablehnung in a matter of seconds:

Auf dem Handzettel stand schier Unfassbares: “Have a chat with your fellow travellers. Wear this badge to let others know you’re interested. You’ll benefit from a daily chat. Start using it today!” Oh, ha! Bei solchen Aufforderungen friert dem Londoner die Gesichtsmimik ein. “What a freaky idea – stupid – bloody badge …”.

dogEs dauerte keine zwei Stunden und schon entdeckte ich die ersten Passagiere mit selbstgebastelten Buttons. Die meisten ganz schön witzig: Weirdo Magnet. Das heißt wörtlich übersetzt ‘Spinner-Magnet’ und will natürlich sagen, dass man nur Verrückte mit der Idee begeistern bzw. kennenlernen kann. Andere trugen ein international verständliches “NOPE. I can’t”. Am besten gefiel mir der Spruch: “Wake me up if a dog gets on.” Hi, hi, englischer Humor in Reinkultur. Ja das können die Insulaner, sie sind schlagfertig und zaubern eine stets bessere Anwort aus dem Nichts. Wie sie aber in Windeseile ihre Anti-Buttons gepresst haben, ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel.

Ach so, muß ich es eigentlich noch erwähnen, wer sich den Rohrkrepierer ausgedacht hatte? Natürlich kein Engländer. Nein, die Idee stammte von Jonathan Dunne und der ist Amerikaner. Other countries, other customs.

 

  

 

The boss himself says:

 

George says: “Last Monday in the queue at Budni a woman talked to me all the time when she find out that I’m not from here. I thought she will never end and ask me at finally to marry her.

Ich sage: “Ich hoffe du hättest nein gesagt. Und zwar groß geschrieben und auf Deutsch.” “Hm, well, … YES of course.”

 

 

tube-chat
Das war eine ganz blöde Idee oder wie man es freundlich kommentierte: A really dumb joke.

 

 

 

 

Was passierte noch am 3. Oktober?

 

de 1942

Mit dem ersten erfolgreichen Start der V2-Rakete in Peenemünde mit einer

Reichweite von 190 Kilometern gilt diese als das erste von Menschenhand

gebaute Gerät, welches in den Weltraum vorgestoßen ist. – Kurz später 

flogen die Dinger nach London und zerbombten das East End.

uk 1952

Die erste britische Atombombe wird vor Australien gezündet. – Und sprengte

ein Loch in die Ozonschicht. Oder ist das nur ein Gerücht?