121. Tag, Rest: 245 Tage

Jetzt wird es ernst, denn man muß Farbe bekennen. Die Engländer sind im Juni aufgerufen sich für oder gegen einen Verbleib in der Europäischen Gemeinschaft zu entscheiden. Man erwartet nur ein knappe Antwort, ja oder nein, aber die wird folgenschwer sein. Als im März der prominente Londoner Bürgermeister, Boris Johnson, sich auf die Seite der Aussteiger stellte, schnellten die Werte für den Brexit hoch. 55% wollten die EU verlassen und nur noch 45% waren für den Verbleib. Und die Gegner schienen von Woche zu Woche an Boden zu gewinnen. Dann drehte sich die Stimmung und ganz langsam konnte David Cameron aufholen. Er steht für den Verbleib in der EU. Mühsam und zäh gewinnt er an Boden, aber die Mehrheit für die EU ist nicht groß. Sollte etwas passieren wie z.B. ein Terroranschlag, dann könnten die Gegner ganz schnell wieder vorne liegen. Da kam es dem Premier sehr gelegen, dass sich der Amerikanische Präsident mit Gattin zum Besuch angemeldet hatte. Die Visiste hatte sehr privaten Charakter, denn sie galt in erster Linie der Königin, der man zum Geburtstag gratulieren wollte. Präsident Obama war mit seiner Frau Michelle als einziger Dinergast auf Schloß Windsor geladen worden, was die herausragende Beziehung beider Länder deutlich unterstrich.

Nach dem Essen machte man noch einen Besuch bei William und Kate, mit denen man herzlich befreundet ist. Der Duke begrüßte die späten Gäste ganz englisch und sehr charmant: “Sorry about the weather”. Ein erstklassiger Einstieg in den Small Talk. Das Ehepaar Obama wollte unbedingt den kleinen George begrüßen und tatsächlich durfte er länger aufbleiben. Allerdings hatte er schon seinen Pyjama an und die Zähne waren wohl auch schon geputzt. 

 

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Staatsbesuch im Kinderzimmer! Kein Wunder das Könige ein souveränes Auftreten haben. Früh lernt man, was man sein ganzes Leben dann als “normal” betrachtet.

 

Als die Gäste in Windsor mit ihrem Hubschrauber landeten, wurden sie von Elizabeth und Phillip abgeholt. Der Weg zum Schloß ist nicht weit, aber schon aus Sicherheitsgründen wählt man natürlich das Auto. Der amerkanische Präsidenten wird immer in einer bombensicheren Limousine, mit einem speziell trainierten Chauffeur und diversen Bodyguards von A nach B gefahren. Die britische Königin bevorzugt es deutlich entspannter und sucht oft den direkten Kontakt zu ihrem Volk. Sie geht gerne direkt in die Menge, benutzt die regulären Züge der Eisenbahn oder wandert alleine durch die schottische Natur. Auch im Park von Schloß Windsor kann man ihr ohne weiteres begegnen; man sieht sie dort nur in Begleitung ihrer Hunde. Die passen aber nicht etwa auf sie auf, nein, es ist eher anders herum. Und überhaupt, einer muß ja den Poo-Bag füllen 😉 Man baut wohl einfach darauf, dass keiner der liebenswerten Frau etwas Böses antun will. Umso überraschender war die Fahrt nach der Ankunft  des Präsidenten Ehepaares, mit Helikopter, in Windsor. Da holten doch tatsächlich die Hausherren mal eben die Gäste mit dem Land Rover ab. Ein Foto zeigt den 94-jährige Prinz Philipp am Steuer, der ohne jeden Begleitschutz die hochkarätige Gesellschaft kutschiert! 

 

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Na sowas! Nein, nicht Obama sitzt am Steuer, dort im driver-seat sehen wir Prinz Phillip. Englisches Auto, alles ist andersherum.

 

Ganz ohne Politik war der Besuch aber nicht. Nach einem Treffen mit David Cameron in Downing Street No 10 gab der US-Präsident ein Interview. Natürlich wußte er, dass man es nächsten Tag in allen Zeitungen lesen würde und er lieferte die richtige Schlagzeile. Auf die Frage was Amerika macht, wenn man die EU verlässt, antwortet er: “Go it alone, and go to the back of the queue.” Das hatte gesessen. Damit hatte er ein Bild in die Köpfe der Menschen projiziert, das ihnen gleichermaßen vertraut wie entsetzlich ist. Niemals verlässt man freiwillig den Platz in der Warteschlange. Ganz schön clever von Obama und ganz und gar Absicht. Denn der Amerikaner benutzt das Wort “queue” eigentlich gar nicht; er hätte von “… back of the line” gesprochen. Ganz sicher wird dieser Satz den Konservativen, die bleiben wollen, einen ordentlichen Push nach vorne geben. Wollen wir mal hoffen, dass sich die Vernunft durchsetzt.

 

   

The boss himself says:

George says: “Your hope looks more like a desperate plea. Reasonable actions aren’t very sexy to us.” 

Und ich: “Du meinst das ist unenglisch? Hmmm, mag sein und erklärt mir so einiges zwischen uns.”

 

 

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Bodyguard beim US-Präsidenten möchte ich auch nicht sein. Die müssen doch tatsächlich im Kofferraum mitfahren. Springen sie im Fall des Falles als Joker aus dem Wagen?

 

  

Was passierte noch am 30. April?

de 1945

Eva und Adolf Hitler nehmen sich im Führerbunker das Leben. – Die deutsche 

Vergangenheit ist vom Geschehen der Nazizeit geprägt. Es ist richtig, das nicht 

in die Vergessenheit zu drängen. Aber ich verzichte hier bewußt auf Geschehnisse

aus dieser Periode. Heute mache ich mal eine Ausnahme, denn dieser Tod ist ein

(symbolischer) Schlusstrich unter einer finsteren Phase in Deutschland

uk 1972

Der Pullmanzug ‘Brighton Belle’ verkehrt letztmals zwischen London und Brighton.

Ein luxuriöser Schnellzug im Tagesverkehr. Der perfekter Start für ein very nice

weekend at the seaside.