182. Tag, Rest: 184 Tage

formationSchwarz ist die Farbe der Northern Line auf den Streckenplänen. Sie ist die älteste U-Bahnlinie Londons und ‘my daily home travel’. Keine Linie kenne ich besser und deshalb erzähle ich heute mal von der ‘Black Line’. Sie wird sowohl von Pendlern als auch Touristen eifrig genutzt. Einen Sitzplatz bekommt man selten. Die Northern bringt einen einmal senkrecht durch London, von High Barnet bzw. Edgeware im Norden nach Morden ganz im Süden. Am Bahnhof Euston teilt sich das Gleis, man kann die Strecke über Angel und Bank wählen (Pendler) oder über Leicester Square und Waterloo (Touristen). Eigentlich müsste sie North-Southern heißen, denn keine Tube bringt einen weiter in den Süden Londons.

Die meiste Zeit fährt man underground. Übrigens der längste Tunnel Londons (28km). Man taucht im Norden am Bahnhof East-Finchley ab und fährt bis zur Endstation in Morden unter Londons Oberfläche. In der rush hour werden über 90 Züge auf dieser Strecke gleichzeitig eingesetzt. Da muß das Timing auf die Sekunde stimmen. Wenn es hakt, bricht der Verkehr auf der ganzen Stecke zusammen. Dann geht nix mehr. Aber das passiert höchstens ein- bis zweimal im Monat, also aus Sicht des Einheimischen so gut wie nie. Mein Tipp: Bus fahren. Der kommt zwar auch nicht voran, aber man sieht wenigstens was. Die Northern Line ist die zweit frequentierteste U-Bahn Linie in London. Aber leider auch die mit der schlechtesten Luftqualität: 73 time worser than at street level!

Als Tourist werden Sie bestimmt mit der Black Line fahren, deshalb verrate ich Ihnen mal ein paar Highlights. Gleich im Norden, zwischen Hampstead Heath und Golders Green fährt man an einer nie fertig gebauten Haltestelle vorbei. Sie wurde schon kurz nach 1900 errichtet und aus mir unbekannten Gründen nicht eröffnet. Während des zweiten Weltkrieges und auch danach im Cold War nutzte man den unterirdischen Bahnhof als Archiv für geheime Dokumente. Heute schimmelt er vor sich hin, wie so einige vergessene tube stations. Für Sie wird es am Bahnhof Angel interessant. Unterbrechen Sie dort ruhig mal Ihre Fahrt und genießen die längste Rolltreppe der Londoner U-Bahn. Ein Stopp lohnt sich auch am King’s Cross St. Pancras Bahnhof. Keiner wird von mehr Linien angefahren. Ein echter Knotenpunkt. Falls es Sie nach Hampstead (mein Bahnhof) verschlagen sollte, dann sind sie am ‘Tiefpunkt’ angekommen. Der Bahnhof liegt gut 60 Meter unter dem Straßenniveau. Immerhin, man könnte den halben Hamburger Michel darin versenken. Hier aber sind es zwei Bahnlinien, die sich kreuzen. Jede hat einen eigenen Tunnel und die sind übereinander gebaut worden. An manchen Stellen Londons wird sogar dreistöckig gefahren.

 

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Die Northern Line ist gut frequentiert. Einfach reinquetschen aber möglichst niemanden berühren. Und bitte keinen Augenkontakt! Das gilt als sehr unhöflich. Und sprechen Sie bloß niemanden an. Der/die würde sofort die Atmung einstellen und auf der Stelle sterben.

 

Für Touristen sind die Stationen Camden Town und Leicester Square beliebte Ziele. Sicherlich auch Embankment, denn dort ist man im Herzen Londons. Und dort gibt es auch noch etwas ganz Besonderes zu entdecken. Spitzen Sie die Ohren, denn es ist der berühmte Satz: Mind the gap. Er wurde erstmals 1968 über Lautsprecher verkündet und ist inzwischen fester Bestandteil der London Tube. Gesprochen wurde der Satz von dem Schauspieler Peter Lodge. Seine Stimme ist jedem Londoner vertraut. Inzwischen wird aber die Originalaufnahme nur noch auf der Station Embankment abgespielt. Gehen Sie dort zur northbound platform und warten auf den nächsten Zug, dann können Sie ihn hören.

 

mind-the-gap

 

Auf der Northern Line konnte man auch noch andere Berühmtheiten hören. Aber das dürfte sehr lange her sein. Niemand kann sich mehr so recht daran erinnern, obwohl George es wissen könnte. Er ist lange genug mit der Linie  gefahren und hat die beiden Busker vielleicht wirklich einmal live erlebt. Ein Busker ist ein Strassenmusikant, die meisten trifft man in Covent Garden. Eigentlich dürfen die jungen Leute nicht in den Stationen oder Bahnen spielen, aber solange das Personal sie nicht entdeckt, hat niemand etwas dagegen. In den Zügen der Northern Line haben Sting und Paul McCartney erste musikalische Kostproben gegeben. Nicht schlecht, oder? Ich fürchte heute benutzen die Herren andere Verkehrsmittel. 

 

hampstead
Der Eingang zur Underground in Hampstead. Irgendwie fühle ich mich hier längst zu Hause. Aber irgendwie erinnert es mich auch an den U-Bahnhof Alsterdorf (HH), den ich schon als sechsjähriges Kind alleine benutzen konnte und durfte.

 

  

The boss himself says:

George says: “‘Hope they will soon open the night service on Northern Line. It was promised  for last autumn.

Ich sage: “Davon habe ich gehört. Ab September soll der rund-um-die-Uhr Service eingeführt werden. Allerdings nur am Wochenende, also Freitag und Samstag Nacht. Dann fahren die Züge auch auf der Northern Line alle 10 Minuten bzw. in den Randzonen alle 20 Minuten. Das ist gut, denn London ist im Gegensatz zu Hamburg, nachts eine lebendige Stadt. Selten geht man vor Mitternacht nach Hause.”

 

 

Was ich noch loswerden will:

east-findchley

 

Die Londoner U-Bahnhöfe sind sehr gut mit Informationen versehen. Hier bin ich an der Station East Finchley, im Norden Londons. Eine der beiden Northern Line Zweige, der mit der Endstation High Barnet, bedient diesen Bahnhof. 

Auf dem Bahnsteig steht eine Tafel, die die Streckenführung ab dieser Station anzeigt. Alle Umsteigebahnhöfe sind markiert. Die Fernzüge haben ihr rotes Logo, die DLR und andere Bahnen ihre eigenen. Man sollte sie kennen bzw. findet sie auf jedem Netzplan erklärt. 

Die Northern Line hat zwei Endhaltestellen im Norden und eine im Süden. Darauf sollte man achten, wenn ein Zug einläuft. – Wer eine U-Bahn gewöhnt ist, sollte kein Problem mit der Tube in London haben. Das ist alles genau wie hier. Äh, fast alles. Denn auch die Züge fahren im Linksverkehr über das Gleisbett. Also nicht wundern, wenn der Zug von der “falschen” Seite in den Bahnhof einfährt. Übrigens genau wie in der Schweiz, Frankreich und Italien!

  

 

 

Was passierte noch am 30. Juni?

de 1894

Weil in Deutschland wieder nur an Krieg erinnert wird, erinnere ich mich lieber an

die Freigabe der Tower Bridge für den Verkehr. Das waren wohl Pferdekutschen?

Heute sind es Autos und Fußgänger, die die Brücke passieren.

uk 1997

The United Kingdom transfers sovereignty over Hong Kong to the People’s Republic

of China. – Und demnächst über Schottland?