151. Tag, Rest: 215 Tage

Man kann sein Leben dramatisch ändern indem man Dinge neu bewertet. Je wichtiger einem eine Sache ist, desto mehr kümmert man sich darum und desto mehr Raum beansprucht sie im Bewußtsein. Im Extremfall kann es zu einer fast zwanghaften Beschäftigung kommen. Dann verlangt es einem viel Zeit ab OHNE Freude zu bereiten. Es gibt Leute, die Stunden vor dem Fernsehen verbringen, andere surfen im Internet oder schreiben täglich hunderte von SMS. Eine Mutter wird sich die meiste Zeit um ihr Baby kümmern und manche Männer widmen ihrem Auto ihre ganze Aufmerksamkeit. Es liessen sich viele Beispiele finden, alle haben eines gemeinsam, sie üben einen großen Reiz aus und binden viel Energie. – Ich verbringe täglich mehrere Stunden mit diesem Blog und sollte das auch einmal kritisch hinterfragen. Der springende Punkt ist: Bringt es mich weiter? Macht es mir noch Freude?

Zurück zu denjenigen, die ihr Auto in den Mittelpunkt gerückt haben. Eine typisch deutsche Gewohnheit. Wir demonstrieren damit unseren Status und unsere Potenz. Wir geben viel Geld dafür aus und verteidigen das Eigentum gegen jeden Angriff. In England ist das anders. Dort ist ein Auto nicht mehr als eine Maschine. Kaum jemand betrachtet seinen Wagen mit Emotionen. Das Auto ist ein neutraler Gegenstand, zwar teurer als ein Fön oder Kühlschrank, gehört aber durchaus in diese Gruppe von Anschaffungen. Deshalb wundert es mich nicht, wenn eine Umfrage herausfand, das ein Viertel aller Engländer noch nie ihr Auto gereinigt haben. Weder von aussen noch von innen. Dazu muß man wissen, dass die allermeisten regelmäßig am Steuer essen und trinken und auch den mitfahrenden Kindern gegenüber in Sachen Verschmutzung sehr tolerant sind. Von den Hunden, die nach einem ausgiebigen Waldlauf mit erfrischenden Bad im See, einsteigen dürfen, will ich gar nicht sprechen. Also Augen auf, wenn man ins Auto einsteigt, da liegt schon mal ein halbes Sandwich oder ein Stück Rasen auf dem Sitz.

 

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Und schon wußten es alle Nachbarn: Wow, bei George wohnt jetzt ‘ne Deutsche! Soll man gratulieren oder Mitleid haben?

 

George fährt eine Audi Limousine und gehört damit schon zur Oberklasse. In Hamburg würde kein Mensch das Auto irgendwie auffallen, in England ist das anders. Er braucht ein schnelles Fahrzeug, weil er beruflich weite Strecken fährt und dazu gönnt er sich ein wenig Komfort. Zusätzlich hat er einen Van. Ich meine nicht die großen Familienautos, sondern einen Kleintransporter, vorne zwei Sitze und hinten viel Stauraum. Ein ziemlich klapperiges Ding, mit vielen Beulen und ungezählten Jahren auf dem Buckel. Er liebt dieses Auto und fährt es wann immer er kann. Dieser Wagen ist genau das was die englische Seele braucht. Da werden Baumstämme eingeladen oder gefüllte Bienenkörbe transportiert. Die Gummistiefel können mit all dem Matsch hineingeworfen werden und wenn der Kaffeebecher in der Kurve überschwappt macht das auch nichts. Ich weigere mich in das Ding einzusteigen, erstens halte ich es nicht mehr für verkehrssicher und zweitens bin ich mir nicht sicher, ob da nicht längst eine Mäusefamilie unter dem Sitz lebt. Eins ist sicher, dieser Wagen wurde noch nie gewaschen.

 

van
Der geliebte Van wurde noch nie gewaschen. Sein Innenleben ist bunt. Er war mein perfektes Learner Auto, denn neue Beulen müssen nicht erwähnt werden.

 

Als ich die Umfrage las, musste ich dann doch lachen. Immerhin ist den Engländern schon bewußt, das sie in Sachen Autos ziemliche Ferkel sind. Und deshalb ist es ihnen peinlich andere mitzunehmen. Der Saustall soll ihr Geheimnis bleiben. Nun ist es aber für einen Engländer eigentlich unmöglich jemanden eine Bitte abzuschlagen. Was also tut der findige Brite, wenn man ihn fragt: Can you give me a lift? Dann wird er wirklich einfallsreich, denn fast dreißig Prozent behaupten, ihnen wäre gerade der Sprit ausgegangen. In England eine glaubhafte Ausrede, denn wie schon gesagt, man kümmert sich nicht besonders um das Auto. Vierzig Prozent geben an, sie würden in eine ganz andere Richtung fahren und mein Favourit sind die fünfzehn Prozent, die erwidern: “Sorry I’m drunk”. Wahrscheinlich nutzen sie diese Ausrede auch schon um die Mittagszeit, was der Glaubhaftigkeit keinen Abbruch tut. Schließlich durfte man noch angeben, was man am wenigsten gerne tut und da rangierte das Autowaschen an drittletzter Stelle. Nur noch zwei Dinge waren den Engländern mehr verhasst: Die Regenrinne zu säubern und das Klo zu schrubben. Oha, könnte das vielleicht der Grund sein, warum man auch so gut wie nie in die Wohnungen reingelassen wird?

   

washings
Mit Autowäsche  lässt sich in England kein Geld verdienen. O-Ton: “The only thing that came out in the carwash was a repair bill.” Die meisten wissen so ein Anlage nicht zu bedienen. Da kann man die tollsten Sachen erleben, vom offenen Fenster bis zum rückwärts eingeparkten Wagen.

 

 

The boss himself says:

George hält sich für einen ganzen Kerl und weiß es zu begründen: “I learned how to change the oil and plug (Zündkerze) and I find the spare wheel in my car. I know what a fuse (Sicherung) is and how to hammer in a nail straight. And I never marry a woman who can’t cook as well as I can.

Ich sage: “Da hast du dir die Latte aber selbst hoch gehängt. Ich finde du kochst ziemlich gut.” “You’re much better.”

 

  

Was passierte noch am 30. Mai?

de 2005

Die CDU/CSU benennt mit Angela Merkel erstmals eine Frau als Kandidatin für das

Amt des Bundeskanzlers. – Und die startet dann durch. Vielleicht bis 2021?

uk 1536

King Henry VIII of England marries Jane Seymour, a lady-in-waiting to his first two

wives. – Ein Jahr später starb sie an der Folgen der Geburt ihres Sohnes.