31. Tag, Rest: 335 Tage

Ende Januar wird’s hektisch. Jetzt muß erledigt werden, was man seit Monaten vor sich herschiebt: Die jährliche Steuererklärung wird fällig. Wer die Papiere nicht bis zum 31. Januar eingereicht hat, wird zur Kasse gebeten. Im letzten Jahr haben fast 900.000 Engländer die Frist überschritten und riskierten damit eine Strafzahlung von £100. Das Finanzamt heißt in England Her Majesty’s Revenue and Customs oder kurz HMRC. Wie alle staatlichen Dienste dürfen sie das königliche Wappen tragen, darauf ein Löwe und ein weißes Einhorn. “Dieu et mon droit” steht darauf geschrieben, was wohl “Gott und mein Recht” heißt. Wieso ist der Text in französischer Sprache gefaßt? In der Mitte ein Gürtel mit der ebenfalls französischen Aufschrift “Honi soit qui mal y pense”. Das kann in Hamburg jedes Kind übersetzen, jedenfalls wenn es meiner Generation angehört, denn es war der Leitspruch des Café Keese auf der Reeperbahn. Es bedeutet: “Beschämt sei, wer schlecht darüber denkt” und das passt zum lockeren Treiben auf dem Kiez ganz gut. Im Zusammenhang mit dem Finanzamt finde ich den Spruch als Leitmotto ziemlich komisch.

 

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Mit riesigen Anzeigen an Häuserwänden warnt das HMRC. Wer Gelder verschweigt, wird durchleuchtet. Kein Pardon mit Steuerhinterziehen und das ist gut so, denn sie betrügen den Staat und das sind wir alle.

 

Natürlich machen auch die Engländer Ausnahmen und gewähren verlängerte Abgabefristen, wenn es gewichtige Gründe gibt. Um einen solchen zu finden, beschäftigt man (u.a.) einen Steuerberater. Otto Normalverbraucher bzw. sein englischer Vetter John Doe, den George auch gerne als Joe Sixpack bezeichnet, muß sich schon etwas einfallen lassen, um das HMRC zu überzeugen. Ein “A rat ate my paperwork” reicht normalerweise nicht aus.

Wer von der schweren Weihnachtsflut betroffen war, kann schon eher auf eine Ausnahme hoffen, denn das klingt glaubhaft. Die Flutopfer müssen erst einmal andere Dinge in Ordnung bringen, bevor sie ihre Steuererklärung machen. Letztes Jahr versuchte es ein ganz Schlauer mit der Ausrede “I had an argument with my wife and went to Italy for five years.” Das ist so entwaffnend dämlich, dass ich es fast schon wieder glaube. Eine freundliche ältere Dame argumentierte: “My niece had moved in – she made the house so untidy I could not find my log-in details to complete my return online.” Ja, solche Teenager soll es geben. Und ja, man kann die Steuererklärung online abgeben, in solchen Dingen ist uns der Engländer immer ein paar Jahre voraus. George hat wie gesagt die ganze Sache an den Fachmann deligiert. Ansonsten würde er es vermutlich mit seiner Standardausrede versuchen: My passwort doesn’t work! Dabei schaut er mich dann vorwurfsvoll an, als würde ich nachts aufstehen und klammheimlich seinen Zugangscode ändern. Ich soll dann sein Passwort herausfinden und meisten gelingt das auch. Ich gehe einfach alle Möglichkeiten durch: barney, lager, karaoke, hot-rod … Bei meinem Kosenamen ist der Zugang zum Programm frei. Soll ich nun meckern?

 

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Wer weiß, vielleicht wurde zu viel bezahlt. Dann freut man sich über die Post von HMRC. Warmer Regen.

 

 

The boss himself says:

George: „Before filing the tax return I take half my Valium to calm me down.”

Und ich: “Wir könnten heiraten. Dann haben wir nur noch eine steuerliche Veranlagung, und na gut, ich würde sie machen.” “Reeeeally?!? One more reason to take the step.”

 

 

Was passierte noch am 16. Januar?

de 1943

Generalfeldmarschall Friedrich Paulus kapituliert mit den im Südkessel

eingeschlossenen deutschen Einheiten in der Schlacht von Stalingrad.

uk 1953

A North Sea flood causes over 1,800 deaths in the Netherlands and over

300 in the United Kingdom