152. Tag, Rest: 214 Tage

 Die Chelsea Flower Show hatte ihre Tore geöffnet. Alljährlich kann man im gleichnamigen Londoner Stadtteil eine Woche lang vollendete Gartenkunst bestaunen. Im Mittelpunkt stehen natürlich die Blumen und Pflanzen, aber auch der Gartenbau, denn die Royal Horticultural Society ist der Veranstalter. Gleich an der Themse, gegenüber vom Battersea Park findet die ziemlich exklusive Show statt. Für ein Tagesticket zahlt man £100 pro Nase, das ist eine stolze Summe. Dafür laufen regelmäßig Mitglieder der königlichen Familie dort herum, denn man wohnt ja fast nebenan. 

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Die Chelsea Flower Show punktet durch Überraschungen aller Art.

 

Eigentlich ist es kein Problem den englischen Mann in ein Gartencenter zu bekommen. Da geht er gerne am Wochenende hin und trifft sich mit den Nachbarn. Und obwohl die Chelsea Show ein ordentliches Loch ins Portemonnaie reisst, sind die Tickets nicht leicht zu bekommen. Vorbestellung im Internet ist Pflicht, sonst steht man vor verschlossener Pforte. Übrigens nutzt man das weitläufige Gelände des Royal Hospitals, ein Altersheim für Veteranen. Neben den Blumen werden jede Menge kulinarische Leckerbissen geboten; auch die sind natürlich extra zu bezahlen, genauso wie das Glas Champagner. 

Die Queen war eine der ersten Gäste und kam dann noch einige Male vorbei wird. Mal mit Enkel Harry, sehr schick im blauen Anzug, mal mit der ganzen Familie. Zu entdecken gibt es wahrlich genug. Wir gehen eigentlich lieber zum Blumenmarkt in die Columbia Road. Man findet ihn zentral in Bethnal Green (Tube: Old Street). Man kann dort jeden Sonntag von acht bis drei Uhr nachmittags in wahren Bergen von frischen, bunten Blumen wandeln. Das kostet natürlich keinen Eintritt und anschließend besucht man noch einen Pub, ein Curry House in der Brick Lane oder ein Café im East End

Aber die Chelsea Flower Show hatte diese Jahr etwas ganz Besonderes zu bieten. Man hatte den Stein in den Mittelpunkt gerückt und präsentierte das Naturmaterial in allen Größen und Arrangements. Ein Künstler hatte mich wirklich verblüfft, denn er widmete sich der Balance der Felsen. Er verstand es große Stein so aufeinander zu stellen, dass sie perfekt ausgewogen waren und wie von Zauberhand zu schweben schienen. Denn der Punkt, der er zur Berührung zweier Brocken wählte, war oftmals weit seitlich angeordnet, also gar nicht da, wo man ihn vermuten würde. Die kunstvollen Balanceakte sollen auch dem Wind standhalten. Es war wirklich zum Staunen.

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Dieses Jahr drehte sich alles um den Stein. Der Goldpreis ging deshalb auch an eine aufwendig gestaltete Gartenanlage mit dem Naturmaterial in allen Erscheinungen.

 

Das sagte man dann auch über Queen. Sie hatte ihren x-ten Rundgang in Begleitung eines begeisterten Gärtners. Der wußte über die einheimischen Lilien zu berichten: “The lily of the valley was once used as a poison.” Die Königin stutzte, denn sie hielt ein solches Bouquet in den Händen und antwortet dann schlagfertig: “I’ve been given two bunches this week. Perhaps they want me dead!”

Falls Sie nun selbst die Chelsea Flower Show besuchen wollen, dann müssen Sie leider bis nächstes Jahr warten. Die aufwendige Veranstaltung läuft nur eine Woche lang im Mai. Aber die Londoner Blumenmärkte sind ganzjährig geöffnet. Sie werden staunen welches Angebot auf Sie wartet. Ein Besuch lohnt auf jeden Fall:

Jeden Sonntag in der Columbia Road. Viele feiern in der Shoreditch High Street die Nacht durch und gehen dann am frühen Sonntag morgen zum Flower Market. Er ist nur einen Steinwurf entfernt. Wir gehen allerdings lieber erst um die Mittagszeit dorthin, dann sind alle wach und proper.

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Blumenmärkte gibt es viele in London. Die Farbenpracht nimmt einen schnell gefangen, auch wenn man kein leidenschaftliches Verhältnis zum Gärtnern hat. Allerdings zum Gärtner ist das dann wieder etwas anderes.

 

Der New Covent Garden Market liegt im Herzen Londons aber außerhalb der teuren, mautpflichtigen congestions zone. Denn, Achtung, er liegt südlich der Themse im Stadtteil Vauxhall. Hier kaufen die Blumenhändler ein und deshalb öffnet man früh: von 4 – 10 Uhr täglich, außer sonntags. Auf diesem Großmarkt kauft der Londoner seine Pflanzen, wenn er den Garten neu bestückt. Man bietet Lieferservice, allerdings nicht bis Deutschland.

Und dann wäre für Blumenliebhaber noch die Hampton Court Palace Flower Show ein guter Tipp. Sie findet vom 5. bis 10. Juli im Garten des Hampton Palastes statt. Er liegt ein ganzes Stück westlich, im Stadtteil Richmond. Insider sagen, es wäre der schönste der vielen Paläste, die sich von Hampton über London bis nach Greenwich ziehen. Geboten wird die größte Blumenausstellung der Welt, wobei auch Obst und Gemüse nicht zu kurz kommen. Der englische Garten ist in Praxis immer ein Nutzgarten.

Viel Spaß und nicht vergessen, statt grünen Daumen hat der Engländer green fingers.

 

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Der Hampton Court Palace in Surrey. Ehemals das bevorzugte Schloss der englischen Könige. Rundherum liegen ca. 25 ha Gärten. Der Besuch lohnt.

 

 

 

The boss himself says:

Beim Schreiben habe ich Lust bekommen einen Ausflug nach Surrey oder sogar Cardiff mit dem Zug zu machen. Aber das kommt bei George gar nicht gut an. Okay, er kennt sich mit den Widrigkeiten der englischen Schiene besser aus, trotzdem übertreibt er wohl mal wieder, wenn er sagt: “We’ll getting stuck on a train for three days because a swan in the next county has decided to sit quite near the track.

“Was willst du dann am langen Wochenende machen? Der Montag ist frei, willst du traditionell heimwerkern?”

“God forbid. Getting out the toolbox and causing hundreds of pounds worth of damage to the house? Only because it’s bank holiday? No, never.”

“Also machen wir gar nix?”

“Alright, we do it like every Brit. We celebrate some shaddy DIY (do-it-youself work) and then filling ourselves with gin.” 

“Toller Plan, make it so.”

 

  

Was passierte noch am 31. Mai?

de 1903

In Hamburg-Altona findet das erste Endspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft 

statt: Leipzig besiegt Prag mit 7:2 und erhält den Pokal Victoria. – (Und fünf Monate

später wird an gleicher Stelle meine Oma geboren.)

uk 1859

The clock tower at the Houses of Parliament, which houses Big Ben, starts keeping

time. – Kann man sich als App laden; ich höre ihn gerne zur vollen Stunde.