305. Tag, Rest: 61 Tage 

Vor einigen Tagen erschien in der Zeitung ‘Die Welt’ ein Artikel über eine neue Fremdenfeindlichkeit der Londoner. Eine deutsche Rechtsanwältin, die seit 13 Jahren in der brititschen Metropole lebt, berichtete dort über ihre Beobachtungen. Sie meinte nach der Brexit Entscheidung eine deutliche Ablehnung der Engländer ihr gegenüber wahrnehmen zu können. Der Artikel, der nur aus wenigen Zeilen bestand, gipfelt dann in dem Ratschlag: “Wenn du mit den Kindern raus gehst, sprich kein Deutsch.” Was für eine traurige Erfahrung.

Ich hatte den Beitrag nicht gelesen, wurde erst in der englischen Presse darauf aufmerksam. Man hatte ihn dort in voller Länge zitiert, weil man ziemlich schockiert war. Kann es sein, dass man uns so wahrnimmt, fragten sich die Londoner*). (Antwort folgt weiter unten)

 

black-white
Black & White ist eine Whiskeymarke. In den Köpfen der Engländer finden sich buntere Gedanken. Ihm ist die kategorische Ablehnung eher fremd.

 

Nun ich weiß nicht wo die Autorin unterwegs war und ich habe auch nicht den Einblick in die Londoner Seele, die sie vermutlich haben wird. Allerdings muß ich ihrer Wahrnehmung heftig widersprechen. Mir ist noch kein Hass entgegen geschlagen, nur weil ich Deutsche bin. Grundsätzlich ist der Engländer sprachlich ziemlich eingleisig. Nach seiner Erfahrung spricht die ganze Welt Englisch. Das stimmt nicht ganz, aber inzwischen nähert man sich dem Wunschziel stetig. Übrigens lustig, wenn das Europaparlament auf einmal Englisch vermeidet und sich in allen möglichen Sprachen abquält, nur weil man auf den Austritt der Briten wie beleidigte Leberwürste reagiert. Nach dem Affront durch die belgischen Bauern, wird man jetzt wohl auch die Pommes von der Kantinenkarte gestrichen haben. Ha, ha.

 

grey-squirrel
Er ist auch ein Ausländer. Wir trafen das grey-squirrel im Hyde Park. Die dicke Wampe wird ihn über den Winter bringen.

 

Noch mal zurück zu meinem Anliegen. Ich bin immer nur Gast in London und kann mir deshalb kein umfassendes Urteil erlauben. Aber meine persönliche Erfahrung ist eine gute. Ich versuche immer Englisch zu reden und man hilft mir, wenn mir das passende Wort nicht einfällt. Niemand hat mich jemals aufgrund meiner Nationalität abgelehnt. Ja, es werden geschmacklose Witze über Deutsche und besonders über deren Vergangenheit gemacht, aber die Gründe sind nicht bösartig, wie wir schnell urteilen. Sie haben damit zu tun, dass der Engländer keine kollektiven Schuldgefühle bezüglich des Zweiten Weltkrieges hat und deshalb viel leichter darüber witzeln kann. Was ich hier sagen will ist ganz einfach. Wenn Sie einen Urlaub in London planen, dann sollten Sie ihn machen. Bereiten Sie sich ein wenig vor, lesen Sie ein paar Bücher über den Engländer und frischen Sie ihren Wortschatz auf. Mit anderen Worten, bereiten Sie sich vor, wie es ein Deutscher eben so macht. Vermeiden Sie politische Gespräche, seien Sie kein Besserwisser und versuchen Sie doch mal ganz entspannt und herzlich freundlich zu lächeln. Gut, das ist alles nicht so einfach, weil man es nicht gewohnt ist, aber der Londoner wird Ihnen helfen. Und dann kann es eine wunderbare Freundschaft werden. Good luck.

 

buntes-london
So sieht ‘mein’ London aus: Im Covent Garden wird Paella verkauft. Ein Koch kommt aus Andalusien der andere aus der Karibik. Unter den Gästen werden viele Sprachen gesprochen. Und das Beste: es schmeckt allen.

 

 

Einige Meinungen

 

*)  Als über den Artikel in ‘Die Welt’ in der englischen Presse berichtet wurde, schlugen die Wellen hoch. Die Leser waren anderer Meinung als die Rechtsanwältin und reagierten prompt. Hier eine Auswahl ihrer Posts:

 

“This is ridiculous. I voted Brexit and the reason I did so has nothing to do with the German’s (whom I like and respect) as I do all other European Countries.”

“What a lot of nonsense. London is such an international city that you can hear any language being spoken at any time during the day. Besides, how many people can tell the difference between Austrian German, Swiss German or even Danish.”  – Anmerkung: Hier geht es darum, dass die RA sagte, wer Deutsch spricht wird angepöbelt.

“One person is now the voice of Germany..lol..”

“Tripe and nonsense. English people are extremely tolerant and welcoming. As a foreigner living here I hate to see other non nationals criticise the host nation. However most of the time the natives take it on the chin. look at the mix and diversity in this country. people who moan are generally not English and don’t want to adapt to life here.”

“What trott! Carmen Prem (Anm.: der Name, der in London lebenden Rechtsanwältin) obviously being paid by the ‘quality’ newspaper Die Welt. My German wife has been here 17 years and never experienced anything but warmth from people but inside and outside London.”

 

Nun, das macht mir eigentlich Hoffnung, dass ich in meiner Einschätzung nicht ganz daneben liege. Aber am besten ist es, man macht sich ein eigenes Bild. Auf jeden Fall sollten Sie sich nicht verunsichern lassen und England meiden. Das wäre wirklich schade.

 

 

The boss himself says:

 

Ich sage: Engländer sind eigentlich ausgesprochen höflich, freundlich und eher schüchtern. Sie beschweren sich nie, werden sich nicht trauen offen ihre Wünsche zu äußern oder gar darauf bestehen, dass man sie erfüllt.

George says: “I had spent half of my live learning to like what I was given.” “Gilt das auch für mich? Nimmst du mich zähneknirschend hin, weil eine Reklamation zu peinlich wäre?” “Nope, you’re my jackpot.”

 

 

Was passierte noch am 31. Oktober?

 

de 1970

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hebt sein 1955 erlassenes Verbot des 

Frauenfußballs wieder auf. – Verbot?!? Warum war das denn verboten???

Waren die Damen zu erfolgreich? Und wer entscheidet? Männer?

uk

1984

Zwei Leibwächter ermorden Indiens Ministerpräsidentin Indira Gandhi. – Sie

lebte viele Jahre in London bevor sie in die Politik ging.