186. Tag, Rest: 180 Tage 

Dienstag nachmittag, drei Uhr, vor dem Parlamentsgebäude. Der Feierabendverkehr setzt ein und die Straßen füllen sich. Wer kann, sieht zu nach Hause zu kommen. Die Politiker in Westminster werden noch einen langen Abend vor sich haben, sie suchen händeringend nach einem Ausweg aus dem Brexit. Premier Cameron macht sich in diesen Minuten auf den Weg nach Brüssel. Es wird wohl seine letzte Dienstreise zum EU-Parlament sein. 

Die Westminster Bridge führt von Lambeth direkt auf Big Ben zu, der nördliche Turm des Houses of Parliament, gegenüber vom Victoria Tower.  Auf der Brücke ist etwas Seltsames im Gange. Ein weißer Smart steht auf der linken Fahrbahn geparkt. Kein Fahrer ist weit und breit zu sehen. Was ist da los? Das kleine Auto steht mitten auf der linken Fahrbahn, in Richtung Innenstadt, links neben ihm ist der Fahrradweg und rechts die zweite Fahrspur. Vor und hinter ihm stehen Polizeiautos quer auf der Brücke. Sie halten Autos und Fußgänger von dem Wagen fern.

 

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Ein kleiner weisser Smart löst Großalarm aus. Polizei sperrt die gesamte Brücke. Muß das vollbesetzte Parlament geräumt werden?

 

 

Ein merkwürdiger Platz, um sein Auto abzustellen. Sofort bildet sich ein Stau hinter ihm. Als man merkt, dass das Fahrzeug verlassen ist, wird die Polizei alarmiert. Die rückt mit zahlreichen Rettungsfahrzeugen an. Hat hier jemand eine Bombe im dicksten Verkehr platziert. Der Verdacht des Terroranschlages liegt auf der Hand, besonders bei der unmittelbaren Nähe zum Parlament. Es wird Großalarm für London ausgelöst.

Niemand traut sich an das Auto heran. Dann rückt ein Bombenräumkommando an. Die Männer beraten was zu tun ist. Ein Roboter wird losgeschickt, er sondiert den Wagen von außen. Erst danach legt sich einer der Männer schwere Schutzkleidung an und geht Schritt für Schritt auf den Kleinwagen zu. Der Verkehr ist inzwischen längst zum Erliegen gekommen. In der ganzen Innenstadt geht nichts mehr. Verkehrskollaps und Stillstand.

 

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Alles dicht. Überall sind Sirenen zu hören, Blaulicht soweit das Auge reicht. Ein Hubschrauber kreist über der Brücke.

 

Die Polizei befragt Augenzeugen, die gerade noch als Fußgänger an dem Auto vorbeigekommen sind. Sie berichten, dass der Wagen unbeschädigt aussah, das Fenster geöffnet wäre und irgendwelche Warnlichter am Armaturenbrett blinken würden. Das hört sich alles sehr verdächtig an. Alle halten die Luft an, es herrscht angespannte Stille. Auf einmal nähert sich ein Mann, geht an der Absperrung vorbei und zielstrebig auf den Smart zu. Es ist der Fahrer!

Der Mann hatte sich vorher schon bei einem der Polizisten gemeldet. Die haben seine Papiere geprüft und kamen zu dem Schluß, dass der Kerl wahrscheinlich bescheuert aber harmlos ist. Jetzt steigt er in den Wagen ein, startet den Motor und fährt los. Die Augenzeugen trauen ihren Augen nicht. “So a bloke parks his car on Westminster Bridge leaves it causing bomb squad police and road closures to walk back to the car like nothing!!”

 

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Großalarm im Feierabendverkehr. Die Westminster Bridge ist gesperrt. Autos und Busse dürfen nicht über die Brücke fahren und Schiffe müssen Abstand halten.

 

Offene oder gar aggressive Kritik am Mitbürger ist dem Engländer grundsätzlich fremd. Aber es gibt Fälle, das platzt auch ihm der Kragen. Dies war so einer. Man schimpft über den “stupid driver” und zieht dann die rote Karte, indem man ihm das Recht auf ein Generalpardon verweigert: “New rule: Cars parked on Westminster Bridge get towed away and blown up. No compensation, no apologies.”

Starke Worte. Wie man bei uns darauf reagiert hätte, kann ich mir zwar ausmalen, aber George glaubt es nicht. Ach, du übertreibst mal wieder. “That’s completely overblown”, lautet seine Einschätzung. Und damit ist die Sache für ihn und alle anderen erledigt. Fahren wir nach Hause und genießen den Tee.

 

 

 

The boss himself says:

George says: “‘It was a full scale police operation on Westminster Bridge. You can not abandon your car when it brake down. It can be seen as emergency drill.

Ich sage: “Wärest du betroffen, würdest du durch die Decke gehen. Deine Coolness nimmt dir niemand ab, also  zeig ruhig deine wahre Meinung.” “Well, some fella left his Smartcar on Westminster Bridge and caused this. His car was clearly smarter than him.” Na, geht doch.

 

 

 

Was passierte noch am 4. Juli?

de 2003

Die deutschsprachige Wikipedia hat ihren 20.000. Artikel erreicht. – Guter Anlass,

denen mal Danke zu sagen. Die Kalendereinträge sind natürlich mit ihrer Hilfe

gesucht und gefunden. Und klar, meine Spende habe ich auch schon überwiesen. 

uk 1862

Auf einer Bootsfahrt auf der Themse erzählt Charles Lutwidge Dodgson den Schwestern 

Alice, Edith und Lorina Lidell eine Geschichte, woraufhin Alice ihn bittet, diese aufzuschreiben.

Genau drei Jahre später erscheint in London unter seinem Künstlernamen Lewis Carroll die

Erstausgabe von Alice im Wunderland.