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King’s Cross ist einer der großen Bahnhöfe in London. Eigentlich sogar eine Doppelstation, denn St Pancras liegt vis-à-vis. Gleich sechs Tubes halten in King’s Cross, dazu viele Fernzüge. Auch der Eurostar, aus Paris oder Brüssel kommend, hat hier seinen Londoner Bahnhof (St Pancras). Ursprünglich wurden die U-Bahnlinien in London von verschiedenen Unternehmen gebaut und betrieben. Inzwischen sind alle organisatorisch unter einem Dach vereint, aber noch immer kann man die Linien am Design unterscheiden. Ich finde das ganz hilfreich, nachdem ich dahinter gekommen bin.

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Vor dem Bahnhof ist es immer voller Menschen. Viele wollen eine längere Reise starten, manche mit dem Eurostar zum Kontinent fahren.

King’s Cross ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Der Bahnhof wurde 2012 erheblich erweitert. Es kam ein zusätzliches Gleisbett hinzu und vor allem eine Eingangshalle, die ihn jetzt noch stärker mit St Pancras verbindet. Die Halle hat eine fast organisch anmutende Stahldach-Glaskonstruktion, die zu den größten weltweit gehört. Ein architektonisches Meisterwerk, hochmodern und doch harmonisch nahtlos mit der alten Bausubstanz, aus den Jahren 1852 bzw. 1868, verbunden. 

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Die Glas-Stahldecke der neuen Eingangshalle von King’s Cross. Wenn man die Halle erstmals betritt ist bei den meisten wohl ein ‘mighty oomph’ fällig.

Wer ins Gebäude kommt, glaubt sich eher in einem Airport zu befinden. Die Besucherströme werden etagenweise getrennt. So kommen sich Ankommer und Abfahrer nicht in die Quere. Natürlich gibt es in der Halle diverse Shops und Restaurants, so dass man dort leicht ein paar Stunden verbringen kann. Auf jeden Fall auch das Innere von St Pancras besuchen, dass mir sogar noch besser gefällt.

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Im Bahnhof sieht es fast wie am Flughafen aus. Die Abfahrtzeite der vielen Fernzüge kann man auf großen Tafeln finden.

Beide Bahnhöfe haben eine wunderschöne, alte Backsteinfassade. Ich kenne die Baustile nicht, habe mir aber sagen lassen, dass King’s Cross im viktorianischen Stil erbaut wurde und St Pancras neugotisch. Übrigens wird King’s Cross in verschiedenen Arten geschrieben; man sieht es auch oft ohne Apostroph. Einmal erlebte ich, dass der Bahhof geräumt wurde. Mitten in der Hauptverkehrszeit hieß es: Attention please … all passengers please leave the station. Und schon gingen tausende und abertausende Londoner in aller Ruhe zu den Ausgängen und versammelten sich auf dem Vorplatz. Sie waren auf dem Weg nach Hause gestrandet, aber kaum einer beschwerte sich. Englische Ruhe und Höflichkeit.

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Die beeindruckende Fassade des St Pancras Bahhofs mit dem Uhrenturm.

Wer zu Platzangst neigt, wird es in der Londoner U-Bahn schwer haben. Die Züge sind brechend voll und dasselbe gilt für die schmalen Bahnsteige. Piccadilly Circus ist die meist frequentierte Station und hat trotzdem nur einen sehr engen Tunnelquerschnitt. Es ist gerade mal soviel Platz, dass die Tube hindurchpasst. Das gilt auch für den Bahnhof und deshalb stehen die Leute dicht an dicht. Das lässt sich auf viele Stationen übertragen. Trotz der Enge, kommt es nie zu einer körperlichen Berührung, denn das gilt als äußerst peinlich. Oh, it’s so embarrissing …

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Der tägliche Wahnsinn in der Tube. Die Stationen sind oft eng und völlig überfüllt. Im Sommer herrschen gefühlte 40 Grad in den Zügen. Wenn man Glück hat, erwischt man einen mit Klimaanlage.

Eine Attraktion muß ich natürlich noch erwähnen: Die Harry Potter Filme. Die Bahnhofszenen wurden hier gedreht. Es findet sich zwar kein Gleis 9 3/4, aber ein Gepäckwagen, der halb in der Wand steckt. Dies ist dann wohl die Stelle, wo Harry Anlauf nahm und in die Parallelwelt eintauchte.

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Ich würde es lieber nicht nachmachen. Ich glaube die Wand ist nicht klüger und wird wohl nicht nachgeben.

kc-pondWenn Sie bei Ihrem Besuch in King’s Cross ins Schwitzen kommen sollten, dann finden Sie in unmittelbarer Nähe einen künstlich errichten Badeteich. Er wird auch noch in diesem Sommer geöffnet bleiben und bietet maximal 40 Gästen Platz. Eine Reservierung ist durchaus sinnvoll, denn die Engländer lieben das Wasser. Es scheint mir, dass mancher seine Mittagspause in diesem Pond Club verbringt.

London ist eine Stadt der Gegensätze. Chemiefreier Badeteich neben Superbau. Elegant gekleidete Menschen gehen achtlos an einem Obdachlosen vorbei, der vor St Pancras auf dem Fußweg schläft. Unvorstellbare Menschenmassen wuseln ohne jedes Anecken aneinander vorbei. Stresslevel am Anschlag, aber niemand regt sich auf. Man lernt viel über die möglichen Bandbreiten einer Sache, wenn man in London mit offenen Augen durch die Straßen geht. Mir macht es fast immer Spaß und ich lerne eine ganze Menge wichtiger Dinge, die man für ein bewußtes Leben braucht.

The boss himself says:

George says: “Some years ago a woman gave birth on Southeastern train arriving St Pancras … but she called her daughter Victoria.”

Ich sage: “Na, Gott sei Dank!”

Was passierte noch am 4. Juni?

de 1894 In Deutschland tritt das Abzahlungsgesetz in Kraft. Es ermöglicht Käufern den Erwerb

von höherwertigen Gütern, deren Kaufsumme sie in Raten begleichen können. – Ich 

lernte noch, dass man nichts auf Kredit kauft. Die Engländer sind diesbezüglich enorm

gelassen. Sie nehmen ohne zu Zucken große Kreditsummen auf und machen sich 

wenig Gedanken über Zinszahlung oder gar Tilgung. Manchmal beneide ich sie um

diese innere Ruhe und Gelassenheit.

uk 2012 The concert for Elizabeth II’s Diamond Jubilee takes place outside Buckingham Palace 

in London. – Nicht nur die Olympiade, sondern auch dieses Jubiläum waren Grund für

eine Totalrenovierung von London. Wer vorher dort war, wird es kaum wiedererkennen.