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Es passierte vermutlich erstmals in den sechziger Jahren, als das erste freilebende Sittichpaar erfolgreich in England Nachwuchs großzog. Die Vögel waren irgendwo entwichen und schienen mit den klimatischen Bedingungen in und um London leben zu können. Es sind Halsbandsittiche, direkte Verwandte der großen Papageien. Längst fühlen sie sich in Südengland heimisch, werden aber auch im öfter im Norden der Insel gesichtet. Anfangs war man ganz begeistert über die grell-grünen Exoten. George wundert das nicht, denn er weiß um die Tierliebe seiner Landsleute: “Part of the reason why these tropical birds survive so well in our cool climate is our love of birds and our admirable desire to feed them.”

 

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Füttert man einen, kommen sie alle angeflogen.

 

Die Parakeets, wie die Sittiche in London genannt werden, leben in großen Schwärmen. Eine Untersuchung zeigte, dass sie sich rasant vermehrt haben und längst zu einer ernsten Plage geworden sind. Bei einer ersten Zählung 1983 schätzte man den Bestand auf 500 bis 1.000 Vögel (London und Süd-England). Fünf Jahre später hatte sich die Zahl verdoppelt. In 2010 waren es bereits 31.000 Sittiche und aktuell dürften es um die 50.000 sein. Da sie lange Leben (ca. 35 Jahre) und früh geschlechtsreif werden (2-3 Jahre), kann man sich ausmalen, wie das weitergeht.

Die Gärtner haben in ihren Londoner allotments schon reagiert. Sie verzichten auf Früchte und Mais. (Ja, der Londoner züchtet seinen sweetcorn im Schrebergarten selbst!). Die gierigen Parakeets fliegen in großen Schwärmen in die Gärten ein und fressen einen Kirschbaum innerhalb von Stunden kahl. Prizipiell könnte man sie mit der Schrotflinte vertreiben, vielleicht eine etwas drastische Wahl, aber vor allem keine nachhaltige. Niemand weiß, wie man die kreischenden Brüder wirksam vertreiben kann. Gift verbietet sich, weil alle Vögel und viele kleine Säugetiere davon betroffen wären. Wie soll man gezielt gegen eine einzige Vogelart vorgehen?

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Gartenfreunde oder Pest auf Erden?

Als ich das erste Mal einen Parakeet im Garten in London-Hampstead rufen hörte, konnte ich es kaum glauben. Es war fast noch Winter, als der bunte Kerl dort nach einer Nisthöhle suchte. Wenn man aber einen Schwarm von einigen Dutzend Sittichen kreischen hört, dann kann man sich nur noch die Ohren zuhalten. Das Geschrei geht durch Mark und Bein. Heimische Vögel scheinen es auch nicht zu mögen, sie ziehen sich mehr und mehr zurück. Besonders die blue and great tits (Meisen) sind kaum noch im Garten zu sehen.

Ich las in der Zeitung, das sich erste Sittich Kolonien auch in Deutschland (Rheinland) niedergelassen haben. Nein, daran ist jetzt nicht Frau Merkel Schuld, es passierte schon vor ihrer Einladung. In Hamburg habe ich noch keinen gesehen. Aber das ist dann wohl nur noch eine Frage der Zeit. Bisher hörte ich immer, die Londoner Parakeets wären alle Nachfahren von einigen Exemplaren, die während der Dreharbeiten von “The African Queen” ausbüxen konnten. Man drehte einige Szenen in Londoner Studios. Es gibt aber auch andere Theorien. Eine besagt, dass ein Käfig voller Zuchtsittiche von einem Transporter gefallen sein soll und dabei konnten die Vögel entweichen. George hat eine andere Geschichte aufgeschnappt: “There is the story that a furious housewife in London set free her husband’s squawking flock.” Auch gut und durchaus vorstellbar.

Die Londoner Sittiche werden zunehmend zu einem ernsten Problem. Erste Proteste werden laut: “We should cull them down. They are threatening British birds, gobbling crops and they are breeding like crazy.” Politisch korrekte Engländer, -ja, die gibt es auch, handverlesen-, protestieren gegen die ‘rassistischen’ Äußerungen. Die Wogen gehen gerade ziemlich hoch und ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, wie man die Parakeet Plage wieder los werden soll. Ich denke die Mediziner sind gefragt, man wird irgendwie die Paarungslust begrenzen müssen. Warten wir es mal ab.

 

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Das ist nicht der erste ‘komische Vogel’, der ein Selfie mit der CCTV an der Autobahn macht.

 

Hat schon mal jemand von Ihnen einen Halsbandsittich frei im Garten oder Park hier in Hamburg oder in Deutschland fliegen gesehen? Falls ja, es würde mich sehr interessieren. an@small-talk.one

   

 

The boss himself says:

George says: “Parakeets are yet to become a serious agricultural pest in England. Their booming populations threatens gardens, orchards and fruit farms. The return day after day until they’ve stripped a whole cherry tree bare.

Ich sage: “Gibt es natürliche Feinde? Katzen? Aber das ist wohl zu kurz gedacht, dann haben wir anschließend eine Kitty-Invasion.” “There are some predators like the sparrowhawks (Sperber) and peregrine falcons (Wanderfalke). But the breeding habits of the parakeets are so prolific that predators, including man, are unlikely to make much of a dent in their numbers.” 

 

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Die Londoner Parakeets sind weder ängstlich noch Kinder von Traurigkeit. Deshalb passen sie eigentlich ganz gut auf die Insel.

 

 

Das sind schlechte Aussichten. Also Vorsicht, wenn der erste Sittich im heimischen Garten landet. Man sollte ihn lieber nicht mit Futter belohnen. Das könnte misverstanden werden. Und vergessen Sie nicht, die pretty boys sind treu und werden an die 35 Jahre alt!

 

 

 

Was passierte noch am 5. September?

 

de 1977

 Hanns Martin Schleyer wird von einem RAF-Kommando entführt. Der

„Deutsche Herbst“ beginnt.

uk 1666

Der Der Große Brand von London, der seit dem 2. September gewütet hat,

kann unter Kontrolle gebracht und schließlich gelöscht werden.