219. Tag, Rest: 147 Tage 

Wieviele Flughäfen hat London? Selbst Vielflieger werden jetzt vier oder fünf antworten. Tatsächlich sind es sechs: Der größte ist Heathrow im Westen, dann Stansted im Nordosten, Luton im Nordwesten, Gatwick im Süden, der City Airport fast im Zentrum und schließlich London Southend an der Themsemündung. Ich will heute mal vom City Airport erzählen, den viele Touristen gar nicht kennen. Dabei liegt er zentraler als alle anderen, gleich neben der Isle of Dogs im Stadtteil Eastham, Barking.

 

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Früher waren hier Hafenbecken und Kais. Als die vor das Themse Sperrwerks verlagert werden mussten, konnten die alten Anlagen zugeschüttet und überbaut werden. So entstand hier sowohl der City Airport als auch das Messegelände. 

Die exzellente Lage des Flughafens hat auch einen Nachteil. Die Fläche ist begrenzt, rundherum stehen Gebäude und die Hochhäuser auf der Isle of Dogs sind zum Greifen nahe.

 

city-airport

 

Die Start- und Landebahn sind nicht sehr lang. Für große Maschinen ist der City Airport nicht geeignet. Das wird sich aber ändern. Denn gerade hat der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan die Erweiterung verkündet. Das nötige Geld wurde vom Schatzmeister zur Verfügung gestellt. Man will nach dem Brexit ein Signal an die internationale Wirtschaft senden: Wir sind offen für eure Geschäfte, kommt her zu uns und investiert. Immerhin sollen nach dem Ausbau zusätzliche 32.000 Flüge pro Jahr möglich werden. Das sind fast neunzig pro Tag. Leider wird das erst 2025 so weit sein.

British Airways bietet einige Flüge vom City Airport in alle möglichen europäischen Städte an. Auch täglich einen nach Hamburg und zurück. Übrigens für günstige 79 Euro! Für mich war das eine neue Erfahrung, denn BA setzt zwei-motorige Dornier Flugzeuge ein, die ein bißchen länger für die Strecke benötigen. Aber die kleinen Maschinen sind sehr nett, irgendwie ziemlich privat. Wenn der Captain dann auch noch die Tür zum Cockpit offen lässt, ist man fast geneigt mal bei ihm vorbeizuschauen.

 

dornier

 

Eigentlich ist der City Airport aber die erste Wahl bei Prominenten, Reichen und Superreichen. Die haben hier ihre privaten Learjets geparkt und düsen damit mal eben zum Essen an die Cote d’Azur. Und als Geheimtipp für Manager wird regelmäßig der Flug nach New York angeboten. Wie das? Fliegen die mit einer Dornier über den Atlantik? Nein, das sind schon schnellere Maschinen, klein aber sehr fein. Es gibt nur 32 Plätze an Bord, alles first class seats, die man vollautomatisch in ein sehr bequemes Bett ausfahren kann. Kaum hat man sich darin lang gemacht, landet die Maschine auch schon wieder. Kurz müssen alle Passagiere noch einmal aussteigen. Man ist in Irland, am Flughafen Shannon und hier hat der US-Zoll einen Außenposten. Sehr höflich und in Windeseile reist man quasi bereits hier, an  Irlands Küste, in die USA ein. Landet man dann Stunden später in New York gibt es keine weiteren Kontrollen. Das spart Unmengen an Wartezeit und nervigen Anstehen. Eine geniale Idee. 

An Bord herrscht purer Luxus. Champagne on ice und delikate Canapés werden dem Publikum gereicht. Ein Passagier hat seine Bulldogge dabei, die es sich im eigenen business-class Sitz bequem gemacht hat. Halb schlafend, halb genießend erreicht man nach einigen Stunden New York, JFK airport. Statt sich in irgendwelche queues einzureihen, schlendert man gleich zur first-class lounge durch. Die erinnert in ihrer Eleganz fast an eine Kathedrale und die dicken Teppiche saugen jeden Lärm auf. Nach einem weiteren Champagner Cocktail lässt man sich hier vom Chauffeur oder Gastgeber abholen. Kein Jetlag, keine unfassbaren Erlebnisse am Check-In, keine peinlichen Visitationen beim Zoll und keine kritischen Blicke bei der Passkontrolle. Eigentlich schade, denn was soll man nun beim small-talk erzählen?

Übrigens fliegt BA täglich zweimal vom Londoner City Airport nach New York, via Shannon in Irland. Der Preis liegt ein Tick höher als gewohnt, aber er ist all-include. Mit gut 2.000 Pfund sind sie an Bord. Und weil das Pfund gerade ein wenig schwächelt, sollte man in Euro zahlen, dann ist es fast schon ein Schnäppchen. Wem es immer noch zu teuer ist, der lässt die Bulldogge zu Hause. Er wird maulen und sich sagen: “Den letzten beißen die Hunde” oder, falls er ein Engländer ist, grummeln: “The devil takes the hindmost”. Bringen Sie ihm was Schönes mit.

 

landing
Kleine Jets können auch auf dem City Airport landen. Im Hintergrund die O2 World und das Bankenviertel auf der Isle of Dogs.

 

 

 

The boss himself says:

George says: “Interesting offer. No tiresome queues and soggy sandwiches. Flying to New York, sipping the cocktails while lying in a bed. That may become interesting. Do they have double beds?”

Ich sage: Ich glaube nicht. Aber auch das dürfte sich über den Preis regeln lassen.

 

  

first class
Sorry, all seats are booked for me and my mates. Pooches first class.

  

 

Was passierte noch am 06. August?

de 1932

Der Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer weiht die erste öffentliche Autobahn 

Deutschlands zwischen Köln und Bonn ein. – Und ich dachte immer die Römer hätten

schon Autobahnen gebaut. Nee, nee, weit gefehlt. Wofür auch?

uk 1991

Tim Berners-Lee, geboren in London, stellt in einem Beitrag zur Newsgroup ‘alt.hypertext’ 

das Projekt World Wide Web als Hypertext-Dienst im Internet vor. – Kaum zu glauben,

aber das WWW ist viel jünger als wir alle meinen. Danke Tim, ohne dich könnte ich

keine Zeile small-talk schreiben!