188. Tag, Rest: 178 Tage 

London is my great love and destiny but everything has its end. Auf einmal weiß ich nichts mehr zu berichten. Die wunderbare Stadt an der Themse redet nicht mehr mit mir. Wo sind sie hin, die bizarren Momente mit skuriller Komik? Die Leichtigkeit der Menschen? Der Witz, der an jeder Ecke kostenfrei angeboten wird?

 

speaker-corner
Engagierte Frauen klemmen sich Sonntags die Trittleiter unter den Arm und marschieren zur Speakers Corner im Hyde Park.

 

Das EU-Referendum hat die Stimmung vermiest. Es war toxisch. Schleichendes Gift machte sich breit. Anfangs so langsam und harmlos, dass es niemand bemerkte. Schon seit Mai 2015 lauerte das Austrittsgespenst in der Ecke. Ein halbes Jahr später, Anfang 2016, trat es aus dem Schatten und fing an zu verführen. Es spielte ganz offen mit den Ängsten der Menschen, die auf einmal ihre Unbekümmertheit verloren. Am Ende trafen sie dann eine dumme Entscheidung, merkten es aber erst, als es kein Zurück mehr gab. Jetzt hat man sie alleine gelassen. Wo sind die Verführer geblieben?

 politics

 

 

Binnen einer Woche sind die Hauspreise in London bis zu 40% gefallen. Geplatzte Spekulationsblase? Wenn es nur das alleine wäre, wäre es sportlich fair. Aber dummerweise leben über 70% der Bevölkerung im eigenen Haus und noch blöder ist die Tatsache, dass das Haus die Altersversorgung ist und kein El Dorado für unversteuerte Gelder. Wir Deutsche haben ein Sparbuch oder sogar ein Depot bei der Bank eingerichtet, der Engländer gibt sein gesamtes Vermögen für sein Haus aus und beleiht es, falls er Geld benötigt. In diesen Tagen dämmert gerade einer ganzen Generation, -übrigens meiner-, dass sie bis zum Hals in der Sch…. sitzen. Soll man jetzt rufen: Selbst Schuld! oder sich die Mühe machen den wahren Ursachen auf den Grund zu gehen? Mein Rat lautet, machen Sie es nicht. Es ist furchtbar deprimierend. Den Betroffenen zieht es den Boden unter den Füßen weg und den Besucher erschüttert es. Das kann ich auch in Deutschland haben. Um schlechte Nachrichten zu sammeln muß ich nicht extra nach London fliegen.

 

green-tea-monkey

 

Wo sind die unbeschwerten Tage voller Überraschungen hin. Wohin hat es den übergroßen Monkey getrieben, der plötzlich unter der Tower Bridge auftauchte und für Grünen Tee warb? Diese joyful surprises konnte ich doch noch vor kurzer Zeit an jeder Ecke finden. Sie machten Laune, schenkten ein Lächeln und machten das Leben ein bißchen leichter. Jetzt sind sie weder in der Zeitung noch auf der Straße zu finden. Selbst die Menschen scheinen auf einmal stumm aneinander vorbeizulaufen. Was für ein Jammer. Ich würde so gerne Lebensenergie tanken und stelle mit Entsetzen fest, dass kein Tropfen mehr fließt.

 

 collage1

 

 

No, it doesn’t help anything. Die Wahl ist entschieden, der Brexit wird kommen. Der Einschnitt ist so tief, dass ich ohne Übertreibung sagen kann, nichts ist mehr wie es war. Und deshalb bin ich hier, -auch für mich völlig überraschend-, an einem Punkt angekommen, wo ich keine Beiträge mehr schreiben kann. So einfach ist das.

 

  

 

The boss himself says:

George says: “‘It was a great time and I will miss you. Hope you will have joyful holidays. Perhaps we can meet in London. When the day comes, we will surely become friends.

Ich sage: “Auf ein Wiedersehen – tschüß.”

 

 

 

Was passierte noch am 6. Juli?

 

Und dann fand sich doch noch eine Geschichte, die in diesen Tagen in London passierte. Ein Story wie ich sie liebe, denn sie ist originell und hat ein Happy-End. Diesen Fund will ich gerne noch einmal mit Ihnen teilen.

Am frühen Morgen in Finchley, ein Stadtteil im Nordwesten Londons, brachte Millie Baker ihren Müll vor die Tür. Die meisten schliefen noch, denn es war Samstag. Einer aber war schon unterwegs und der machte ganz schön Lärm. Er schwankte über den ganzen breiten Gehweg, stieß immer wieder mit dem Kopf an Autos und sogar Mülleimer und schien sich gar nicht zu schämen. Millie ging den Krachmacher ein paar Schritte entgegen, denn der hatte sich jetzt wohl zwischen parkenden Autos versteckt. Aber nicht mit ihr, das duldete Millie nicht. Entschlossenen ging sie los und fand einen jungen Fuchs. Der hatte seinen Kopf tief in eine Gießkanne gesteckt und kam nicht wieder raus! Er hatte sicher Durst gehabt, nun aber saß das Plastikding fest um seinen Hals. Wie sollte der kleine Kerl sich orientieren. Er sah nix, hörte nur noch merkwürdige Echogeräusche und die Nase schickte seinem Hirn auch keine bekannten Gerüche mehr. Also tappste er blind los, ganz auf den Autopiloten vertrauend. Und der hatte ihn richtig geführt, nämlich vor die Tür von Millie. Mit Hilfe der Metropolitan Police konnte Foxy geholfen werden. Ende gut, alles gut.

 

fox

 

George ist das übrigens auch schon passiert. Auch er kam schon torkelnd vom Pub nach Hause, allerdings ohne Bierkanne auf dem Kopf. Und die Polizei mußte auch nicht kommen; wir haben das selbst hingekriegt 😉