221. Tag, Rest: 145 Tage 

Bollards wherever you go! Ist es Ihnen auch schon aufgefallen? Londons Straßen sind von Absperrpfosten (Poller) übersät. Klar, man will verhindern, dass jemand mal eben halb auf dem Fußweg parkt. Dachte ich mir und lag falsch. Zumindest ist es nicht die ganze Wahrheit. Die hat mir George während unseres Spaziergangs am südlichen Themseufer verraten. Nach der verunglückten Wohnungsbesichtung verließen wir Lambeth und marschierten immer am Fluß entlang in Richtung City. Als erstes kam die Zentrale des MI6 in Sicht. Hier also residiert der Secret Intelligence Service. Alles ganz offen, mit Firmenschild und Klingel; von außen wirkt da nichts geheim.

 

headquarter
Hier residiert der britische Geheimdienst. Man macht kein Geheimnis um das Gebäude bzw. dessen Nutzung. (Military Intelligence, Section 6)

 

Der Fußweg am südlichen Themseufer ist herrlich. Man weiß gar nicht wo man zuerst hinsehen soll. “Oh, guck mal, ist das nicht …”, ich bin hell begeistert, denn London liegt wie auf dem Präsentierteller vor mir.

 

westminster
So schön sieht man den Westminster Palace nur von der Wasserseite aus. Links der Victoria Tower und rechts Big Ben, eigentlich Elizabeth Tower.

 

Wir kommen am Sea Life London Aquarium vorbei, das man vielleicht auch mal besuchen könnte, aber nicht heute. Dann das nächste Wahrzeichen, das Riesenrad. Wir gehen quasi unter dem London Eye vorbei. Es ist übrigens immer in Bewegung. Es dreht so langsam, dass man während der Fahrt ein-/aussteigen kann.

 

riesenrad
Ich kapiere es einfach nicht. Wieso hält das und wieso kann es ich drehen? Weil ich Höhenangst habe, -komischerweise nicht im Flugzeug-, verzichte ich auf eine Fahrt.

 

Vor uns liegt die Waterloo Bridge und die nächste Brücke, nämlich die Blackfriars, kommt auch schon in Sicht. Am anderen Ufer ist das Dach des Somerset Houses durch die Bäume zu sehen. Früher residierte dort der Adel, wenn er auf Londonbesuch war, heute ist es ein Kulturzentrum, für jedermann offen. Dahinten ist die Temple Church und wir nähern uns Southwark. Eine Pause im ‘George Inn’ ist fest eingeplant. Den gemütlichen Pub weiß ich inzwischen zielsicher zu finden, er ist nämlich ziemlich versteckt in einem Hinterhof. Aber vorher will George noch zum Globe Theatre. “Warum?” “I will show you something very special and I hope I can find it:” Der Nachbau von Shakespeares Theater ist architektonisch gelungen und versöhnt ein bißchen mit der allzu häßlichen Fassade der benachbarten Modern Tate Gallerie.

 

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Das New Globe Theater am südlichen Themseufer. Für Shakespeare Fans Pflicht.

 

“Did you ever noticed the bollards in London streets?” Und ob die mir bekannt sind, vor allem die hochmodernen, die von ganz alleine urplötzlich aus der Fahrbahn fahren. Da kommt man zum Auto zurück und kann nicht mehr weg, weil zwei massive Stahlpoller die Strasse abriegeln. Gut, ich muß zugeben, dass da wohl ein Schild auf die ‘Falle’ hinwies, aber das habe ich irgenwie übersehen. 

Aber das meint er jetzt gar nicht. George spricht von den vielen schwarzen Eisenpfosten, die die Plätze und Straßen einrahmen. Sie haben unmittelbar mit Britanniens Geschichte zu tun und jeder stolze Londoner weiß das. “These iconic fixtures date back to Britain’s victory over the French at the Battle of Trafalgar!” Nachdem man die französische Flotte geschlagen hatte, wurde Kriegsbeute gemacht. Von den feindlichen Schiffen transportierte man ab, was immer demontierbar war. Darunter natürlich auch alle Kanonen. Und davon gab es viele auf den Kriegsschiffen. Blöderweise waren die Geschütze mit dem englischen Waffensystem nicht kompatibel. Die Rohre passten einfache nicht auf die vormontierten Schlitten. Was nun? Und da kam ein pfiffiger Londoner auf die Idee, die Kanonen als Poller auf Londons Straßen zu verteilen. Dann kann jeder Bürger jederzeit sehen, wie erfolgreich Admiral Nelson und seine Mannen gekämpft hatten. 

 

collage
Wenn man darauf achtet, findet man Pfosten in diversen Formen und Farben. Wenn ein Warnschild vor automatischen Pollern warnt, sollte man es beachten.

 

Und weil die zweckentfremdete Verwendung der Kanonenrohre ein so großer Erfolg war, fing man etwas später damit an ganz ähnliche Pfosten auch industriell zu fertigen. Und die sieht man noch heute an jeder Ecke. – Wir sind schon fast an der Southwark Bridge, da durchzuckt es George. “Na, fündig geworden?” “Oh YES!”, strahlend zeigt er auf einen Pfosten, der ganz im Winkel steht. Das ist tatsächlich noch ein Original. Eine Kanone der Franzosen.

 

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Das Prachtstück steht am südlichen Treppenaufgang zur Southwark Bridge. Dieser Poller war mal eine französische Kanone.

 

Laufen macht durstig und hungrig. Deshalb zieht es uns jetzt in den Pub. Und zurück werden wir nicht über eine der Brücken gehen, sondern einfach in den River Bus einsteigen, so heißen die Themsefähren, die mit jeder Oyster Card benutzt werden können.

 

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Der River Bus bringt uns vom Bankside Pier zurück ans nördliche Themseufer. Dann tuckern wir noch einmal an St Pauls vorbei, deren Kuppel im Hintergrund zu sehen ist. – Die blau-weiß lackierten Schiffe sind sehr komfortabel ausgestattet. Ganz gemütlich und vor allem preiswert schippert man über die Themse.

 

bus

 

 

The boss himself says:

George says: “You can take money for your posts. These are genuine insider tips.”

Ich sage: “Mir macht das Schreiben ja selbst viel Spaß. So kann ich die Zeit, die wir zusammen in London verbringen sozusagen ein zweites Mal erleben. Schon Kempowski wußte: Wer Tagebuch schreibt, lebt doppelt.” “That’s a point.”

 

  

  

 

Was passierte noch am 08. August?

de 1962

Zwei Deutsche melden das erste Patent über eine Waschanlage für Autos an. – Ich

kann mich erinnern in dieser Zeit das Auto des Nachbarn gegen Geld gewaschen

zu haben. Ich glaube zwei Mark waren fällig, ich bot Qualität und das hatte seinen

Preis.

uk 1969

At a zebra crossing in London, photographer Iain Macmillan takes the photo that becomes

the cover of the Beatles album Abbey Road. – Ich hatte davon berichtet, den Zebrasteifen

gibt es noch immer. Ecke Finchley Road.