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Ich mag die Londoner Skyline. Die Wolkenkratzer im Bankenviertel oder The Shard in Southwark. Mir gefällt die Architektur, die Individualität der Bauten, ausgedrückt in Form und Fassade. Das hat Weltstadtniveau ohne den Menschen zur Ameise zu degradieren. Geht man zwischen den Hochhäusern entlang, fühlt man sich nicht bedrückt, sondern bekommt selbst Lust sich zu strecken. Eine wohlige Erhabenheit macht sich bei mir dann immer breit und das tut durchaus gut.

Offensichtlich spart man nicht an den Entwurfskosten. Baumeister von Weltruf nehmen an den Wettbewerben teil und dürfen sich in Londons Zentrum austoben. Nicht immer gefällt das Ergebnis allen, aber dann wären es ja auch nur Allerweltsbauten. 

 

skyline-2020
So sieht die aktuelle Skyline von London aus. Links neben der “runden Gurke” entsteht der neuer Gigant. Rechts sieht man die Käsereibe in den Himmel ragen (The Cheese-Gater).

Lange vor dem ersten Spatenstich haben die Londoner schon den Spitznamen für das neue Haus gefunden. Den schütteln sie sich beim ersten Blick auf die Entwürfe treffsicher aus dem Ärmel. Hier entschied man sich für “The Trellis”, also das Gitter, weil natürlich die rautenförmigen Verstrebungen daran erinnern.

Das engagierte Hochhaus Bauprogramm soll zügig realisiert werden. Man will hoch und höher hinaus. Vor allem in der City, um dort dringend benötigten Büroraum zu schaffen, aber auch in ausgesprochenen Randbezirken, wie dem ganz im Süden liegenden Croydon, sind gigantische Wolkenkratzer geplant (dort der Morello Tower mit fast 60 Etagen). Noch vor Weihnachten soll grünes Licht für The Trellis gegeben werden. Dann könnten 73 Stockwerke an der Adresse 1, Undershaft, City of London, entstehen. 

 

skyscraper
Hier wurde das Trellis schon hineinkopiert. Die rautenartige Verstrebung an der Fassade hat den Spitznamen gebracht. Wenn Sie genau hinsehen, sehen Sie hinten rechts das Haus von George 😉

Das Haus wird neben Büros auch Raum für die Öffentlichkeit anbieten. Es soll am Wochenende den Londonern zur Verfügung stehen, die beispielsweise die Gallerieräume in der Dachetage kostenfrei besuchen können. Hier wird das Museum of London in wirklich exponierter Lage ausstellen. Aber ist das alles noch notwendig? Ist es realistisch zusätzliche Büroflächen zu schaffen? Fürchten die Brexitgegner nicht mit baldigen Leerstand in der City? Es scheint nicht so zu sein, denn die Vorbereitungen für den Neubau laufen auf Hochtouren.

shard
Das Shard bleibt das höchste Haus in London. Ein Besuch in der Bar im 52. Stock ist ein Erlebnis. Besonders abends, wenn die Sterne mit der Tower Bridge um die Wette funkeln.

Erst einmal muß das jetzt dort stehende Haus abgerissen werden. Auch nicht gerade ein Zwerg. Es ist bekannt als Aviva Tower, heißt aber offiziell St Helen’s. (Eingang von der Leadenhall Street). Gleich daneben steht “die Gurke”, vielleicht das bekannteste Hochhaus in Londons Innenstadt. Inzwischen eher ein kleines, aber feines Gebäude. 

Das neue “Trellis” -übersetzt heißt das Gitter oder Spalier und spielt natürlich auf die Aussenstreben an-, sollte genau so hoch wie das Shard am Südufer der Themse werden. Nämlich 309,6 Meter. Trotzdem hätte man dem älteren Bau den Rang des höchsten gelassen, denn topographisch ruht das neue Fundament gut sechs Meter tiefer. Nun aber muß doch noch gekappt werden. Die Sicherheit des nahen City Airports verlangt eine freie Einflugschneise. Eine Etage weniger reicht schon aus; so wird man immer noch auf gewaltige 305 Meter kommen bzw. 72 Geschosse. 

Und was sagen die Londoner zu den neuen Planungen, die doch nachhaltig die Silhouette ihrer Stadt verändern? Sie finden es gut, finden die Mischung zwischen alt und neu ausgewogen und sind wie immer einer Neuerung bzw. Veränderung gegenüber sehr wohlwollend eingestellt. Ganz im Gegensatz zu werterhaltenden Deutschen, die sofort Magengrummeln bekommen, wenn etwas nicht mehr so ist, wie es sich doch seit Jahrzehnten bewährt hat. Oh, das war jetzt ein Schreibfehler, eigentlich müsse ich ‘bewahrt’ sagen. Denn da ist der Deutsche konsequent, er hält fest. Ob gut oder schlecht, ob schön oder hässlich, alles besser als sich an Neues zu gewöhnen. Aus eigener Erfahrung weiß ich wie gut es tut, von Zeit zu Zeit mal aufzuräumen. Und weil ich mich erst einmal überwinden muß, fange ich einfach mit dem Entsorgen des Mülls im Keller an. Sobald man wieder Platz in den Regalen sieht, fängt es an Spaß zu machen und dann kann man auch komplexere Ecken angehen. Versuchen Sie es doch auch mal.

 

groessen
Nicht mehr ganz aktuell. Jetzt wird der Neue (Undershaft / The Trellis) doch “nur” 305 Meter hoch.

 

The boss himself says:

 

George says: “I like the view across the City from the Shard.

Ich sage: “Du meinst vom Restaurant aus?”  “No, from the men’s toilet on the 52nd floor.”  “Eins zu Null für die Männer. Beim Pinkeln durchs Fenster sehen, geht leider nur im Stehen.”

 

 

Was passierte noch am 7. Oktober?

 

de 1928 Die Deutsche Reichsbahn bietet mit dem Fahrplanwechsel ihren Kunden keine vierte 

Wagenklasse mehr an, um höhere Einnahmen zu erzielen. – Ich vermute mal mit der

Familienkarte für diese Klasse, konnten auch die Schweine und das Federvieh

mitreisen.

uk 2000 Im Londoner Wembley-Stadion findet das letzte Fußballspiel vor dem Stadionabriss

statt. – England gegen Deutschland. Und wer hat gewonnen. Klar, wir. 0:1. Inzwischen

steht das neue Stadion an gleicher Stelle und die Engländer verlieren noch immer. Also, 

alles beim Alten geblieben. We leave everything as it was.