252. Tag, Rest: 114 Tage 

Der Sommer neigt sich seinem Ende zu. Die Kinder gehen wieder zur Schule, George gibt (ungern) den Nachtdienst an die zurückgekehrten Urlauber ab und ich frage mich neugierig was die Nachrichtenwelt nach der langen Sommerpause zu bieten hat. Es sieht vielversprechend aus. Statt langweiliger Europapolitik kümmern sich die englischen Journalisten endlich wieder um ihr Kerngeschäft: die gute Unterhaltung. Schon auf Seite drei bleibt bei mir kein Auge mehr trocken. Dort finde ich einen Bericht über Prince Charles, der mal wieder jede Menge Komik beinhaltet. Ob gewollt oder nicht, ist gar nicht so leicht zu beantworten.

 

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Ich mag die beiden, denn sie sind authentisch. Prince Charles und seine Frau Camilla. Anfangs war ich skeptisch, aber inzwischen haben sie mich voll überzeugt. – So einen Hund hatte ich als Kind. Er hatte den passenden Namen ‘Seppel’.

 

Was also treibt der Thronfolger zur Zeit? Nun, das lässt sich leicht erraten. Er wird in den schottischen Highlands mit dem Geländewagen durch die Berge holpern und nach Moorhühner Ausschau halten. Hin und wieder hält er an, redet mit den Pflanzen und fährt dann weiter. Das macht er jedes Jahr und nicht nur im Spätsommer, wenn seine Eltern auf Balmoral Urlaub machen. Diesmal aber hat Charles ganz was Originelles zu bieten und dazu wurde die Presse eingeladen.

Um es ganz klar zu sagen, ich bin ein Fan des Prinzen. Ich mag sein Engagement für den Umweltschutz und seine bewunderswert konsequente Art die Ideen praktisch umzusetzen. Darüber wird oft gelächelt, man sieht ihn lieber Polo spielen als Schafe scheren, aber meinen Respekt hat er. Denn der Mann hat eine Meinung, einen Standpunkt und viel gesundes Selbstbewußtsein. In diesem Herbst hat er sich des Themas “Wolle” angenommen. Das ist naheliegend, denn in Schottland gibt es bestimmt deutlich mehr Schafe als Einwohner. Eine Konferenz wird stattfinden, an der Menschen aus der ganzen Welt teilnehmen: Topmanager der Woll-Industrie, Weber, Spinner, Umweltschützer, Schäfer, Modevertreter und Designer, Teppichhersteller, Besitzer von Warenhausketten usw. Alle die irgendwie mit Wolle ihr Geld verdienen, werden sich gemeinsam Gedanken machen, wie man das Naturprodukt als Alternative zu künstlichen Fasern vermarkten kann.

 

campaign

 

Die Farmer, die oft riesige Schafherden besitzen, sind in großer Not. Der Preis für die Wolle ist drastisch gesunken. Das will Prince Charles ändern und dazu wurde die Campaign of Wool ins Leben gerufen. Er sagte dazu: “It seemed at the time to me, and a few like-minded individuals, that turning our backs on wool, -the most veratile of natural fibres, used successfully since medevial times-, in favour of synthetics, based on a fossil fuel (oil) and which do not biodegrade, was short-sighted in the extreme.”

Und das untermauerte er jetzt mit einem nicht minder extremen “Selbstversuch”. Vor sechs Monaten “beerdigte” er zwei seiner Pullover im Beet hinter dem Clarence House, seine offizielle Resisdenz in London. Einer war aus Synthetic und der andere aus schöner, reiner Schafswolle. Nun war es so weit, die Pullover wieder auszubuddeln. Und dazu lud sich Charles die Presse ein. Mit Spaten in der Hand, stach er zu. Und es dauerte gar nicht lange und die Gräber waren geöffnet. Der 100% Synthetic Jumper war einwandfrei. Eine Wäsche und das gute Stück konnte wieder getragen werden. Der Wollpullover aber hatte sich vollständig zersetzt und war ganz von alleine zu biologischen Abfall geworden. Voilà – Experiment geglückt.

 

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Prince Charles exhumiert seine Pullover.

 

Und wenn Sie noch nicht so ganz verstanden haben sollten, was uns der künftige König damit beweisen wollte, der sollte ihm noch einmal zuhören: “Above all, I want to encourage much greater understanding of wool not only as a global environmental resource, -versatile, sustainable, renewable and natural-, but also as a global fashion resource of the highest quality, with a natural elasticity that makes it easy to care for and a cell structure that allows it to adapt to its environment, making it cool to wear in summer and warm in winter.”

 

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Das Clarence House steht in London. Sie finden es am Prachtboulevard “The Mall”, gleich beim Denkmal von Queen Victoria.

 

 

 

The boss himself says:

George says: “Does this mean I have to put on the woolen pants at once?

Ich sage: “Für die sexy warmers ist es wohl noch zu früh, aber wir sollten sie schon mal in Reichweite legen.

 

 

Was passierte noch am 8. September?

 

de 1955

Bundeskanzler Konrad Adenauer trifft zum ersten Staatsbesuch eines

deutschen Regierungschefs nach dem Zweiten Weltkrieg in der Sowjetunion 

ein. – Und bringt die letzten Kriegsgefangenen wieder mit nach Hause.

uk 1831

Wilhelm IV. wird zum König von Großbritannien und Hannover gekrönt. – Er

hat nix mit den Hohenzollern zu tun. Sein Vater war Georg III. und geboren

wurde er in London. Neben seiner royalen Ehe führte er ein Zweitleben mit

einer irischen Schauspielerin. Die bekam 10 Kinder von ihm. Einer der

Nachfahren ist der ehemalige Premierminister David Cameron.