millerDiesen genialen Titel habe ich mir bei Rolf Miller ausgeliehen. Er ist sprachlich deutlich begabter als ich und es würde mich nicht wundern, wenn er englische Wurzeln hat (Nachname!?). Falls er in ihrer Nähe gerade einen Auftritt hat, gehen Sie hin, es wird ein vergnüglicher Abend werden.

Den hatten wir gestern auch. Und auch bei uns stand die Sprache im Mittelpunkt. Ich nehme das Ende vorweg, das in der gemeinsamen Erkenntnis bestand, dass die Verständigung auch mit komplett sinnfreier Kommunikation bestens gelingt.

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Heute früh leuchtete der Himmel über England in allen Farben. Eine Aurora Borealis war vom Süden bis hoch in den Norden zu sehen. Dieses Bild zeigt den Lake District.

Fangen wir mit einem ersten Beispiel an. George hatte schon früh die rhetorische Floskel “Nichts zu danken” im Repertoire. Er sagte die drei Worte bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Für meinen Geschmack etwas zu oft. Aber es kam an. Man gratulierte mir zu dem netten Engländer, den ich da mitgebracht hatte.

Gestern nun wollte er wissen, warum wir Deutschen uns immer so freuen, wenn er das Trio “Nic, Sue, Duncan” erwähnt. Sind das TV-Stars?

Ich klärte ihn auf und denke künftig wird er “don’t mention it” oder gleich “the pleasure is mine” sagen, allerdings wohl deutlich dosierter.

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Dieses Foto zeigt den Himmel heute früh über Süd-Wales

Ich glaube das erste was George zu mir sagte war: “End shoe tea gun sea“. Langsam lesen, dann kommt man drauf. Inzwischen kann er das natürlich viel besser, ja es hört sich ‘excellent’ an oder wie er sagt: “House get sigh net!”.

Aber natürlich bin auch ich kein Sprachgenie und tappe blindlings sicher in die verbalen Fettnäpfchen. Wenn ich gerade das englische Wort nicht parat habe, benutze ich einfach das deutsche und schon ist es passiert. Da wünsche ich dann beim Abschied “Good Fahrt!”, weil mir das simple Wort ‘journey‘ nicht einfällt. Aber dummerweise versteht der Engländer unter dem gleichklingenden “fart” einen Furz.

George wunderte sich lange über meine unhöfliche Gewohnheit bei jeder Gelegenheit ein “damn it!” auszustoßen und kam erst spät dahinter, dass das Wort “damit” bedeutungstechnisch ganz neutral ist.

Recht muß ich ihm geben, wenn es um komplizierte Wortkonstrukte geht. Das ‘Rindfleischetikettierungsgesetz” kennt auch der Engländer, aber er lässt die Kirche im Dorf und hat es einfach “beef labelling” getauft. Man weiß was gemeint ist, jedenfalls all whom it may concern.

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Lough Neagh, in Northern Ireland, erstrahlte im grünen Nordlicht.

Zeitschriften liest George gerne. Die Anzeigen sind durchgängig mit englischen Slogans bestückt, oder das was die Macher für englische Sprache halten, und auch die Artikel sind ausreichend mit englischen Worten garniert, so dass er zumindest eine grobe Vorstellung des Inhalt vermittelt bekommt.

Das gilt aber auch umgekehrt. Längst hat England die Klassiker “Kindergarten, Rucksack, Schnitzel und Wanderlust” um etliche neue Worte bereichert. George kennt die ‘Leberwurst’ unter ihrem Originalnamen, versteht aber nicht was Leberkäse ist, weil ich übersetzte: “pork lever cheese – it has nothing to do with lever or cheese“. Politische Unterhaltungen sind einfach, auch er benutzt Worte wie “Ost- oder Realpolitik”. Er spricht vom “Schnaps”, kennt “Vorsprung durch Technik” und nennt auch seinen Bremser “Schweinehund”. Sogar die Begriffe “Weltanschauung” und “Zeitgeist” sind im Englischen geläufig. Soweit ein Engländer sich mit solchen Überlegungen die Lebenszeit verkürzt. Ich schätze eher nicht.

Zum Glück kennt er auch “Achtung!” und reagiert. Zum Beispiel wenn er aus lebenslanger Gewohnheit bei Rot über die Ampel geht und dummerweise erst nach rechts schaut. Bisher blieb es bei zwei Vollbremsungen und strafbarer Gestik. “Really? To give the two fingers is punishable?? Crazy German.”

Für mich war neu, dass das Englische “attention” niemals als Warnung verstanden wird. Es bittet um Aufmerksamkeit, aber nicht in einer Notlage. Bestenfalls sagt der Engländer in der Gefahr “Watch out!” oder “Be careful!”. Aber eigentlich hat er kein passendes Wort! Glückliche Insulaner.

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Das hier ist der Derbyshire Peak District. Dafür lohnt es früh aufzustehen.

Am besten gefallen mir die Sprachfallen, die vom Verursacher völlig unbemerkt bleiben. So letztens geschehen auf einer kleinen Geburtstagsfeier. Der Gastgeber wollte ganz weltmännisch auftreten, erhob sein Glas und sagte: “A toast. On the ladies!” Daraufhin grummelte George: “Great, let the orgy begin.” Hätte man doch nur “to the ladies” angestoßen, dann wäre alles in bester Ordnung gewesen.

Übrigens auf derselben Feier passierte mir ähnliches. George hatte mit dem Hund der Gastgeber gespielt und dabei waren Haare geflogen. Sie hafteten auch an seiner dunklen Anzugjacke und ich wollte wissen wie es am Rücken aussieht. Also bat ich ihn: “Please, let me have a look on your backside.” Er: “Shall I pull my trousers down?” Merke: back = Rücken, backside = Hintern. Ich gehe künftig auf Nummer sicher und spreche nur noch von “the other side“. Das wird auf jeden Fall richtig verstanden.

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Der See heißt Derwent Water und liegt im Lake District.

Der Abend war schon spät, wir hatten wirklich ‘ne Menge Spaß. Aber jetzt war es Zeit um in’s Bett zu gehen. Ich sagte ihm noch, das ich froh bin, dass er die ganze Woche hier ist und er antwortete mit “fair click?”. “Ja, wirklich”.