Ein Zentimeter ist wenig Abstand, wenn man sein Auto einparkt. George hat es ausprobiert und hat prompt eine geharnischte Botschaft an der Windschutzscheibe gefunden. Völlig zu Recht. Geht es aber um das Wachsen, dann kann ein Zentimeter ganz schön viel sein. Für eine Ameise sogar unerreichbar viel und für einen Tiger eine ganze Menge. Und darum ging es, als wir letztens mal wieder einen Spaziergang durch den London Zoo gemacht haben. Dort war die Tier-Inventur fällig und das heißt jedes Lebewesen wird gezählt und registriert. Das ist bei den Elefanten schnell gemacht, bei den Pinguinen wird es schon komplizierter. Und wie ganze Affenbanden durchgezählt werden, ist mir ein Rätsel.

 

Über die Schulter geschaut. Der Zoo zählt mal wieder die Tiere nach. Ob die uns auch mitzählen?

 

Aber genauso wenig kann ich mir vorstellen, wie man einen Löwen misst. Nutzt man die Zeiten beim Tierarzt, wo die Raubkatze unter Narkose ist? Was natürlich häufiger passieren könnte, denn auch eine simple Zahnsteinentfernung wird sich kaum mit guten Zureden bewerkstelligen lassen. Aber das würde nicht funktionieren, denn man braucht sehr zuverlässige Daten und die müssen regelmäßig und pünktlich ermittelt werden. Das gilt sowohl für Löwendame Heidi als auch für ihre Schwester Indi. Und als wir die beiden in ihrem Löwenreich im Regents Park besuchen, da ist es gerade mal wieder soweit. Man will wissen, ob sie gewachsen sind und dazu muß man die Länge vom Hinterfuß bis zur Nasespitze kennen. Ich bin gespannt wie man das machen will, vielleicht per Lasermessung, und dann bin ich doch überrascht wie einfach es geht.

 

Ganz schön clever. Heidi macht sich lang, um den fleischgefüllten Sack zu erreichen. Nein, sie steht nicht auf dem Rücken ihrer Schwester Indi, obwohl es wirklich so aussieht. Heidi ist knapp 5 feet lang, das sind ungefähr 1,50 m.

 

Übrigens George war auch überrascht, als er zum Auto zurückkam. Eigentlich hatte der Eingeparkte ziemlich freundlich reagiert. Hätte er das Ding in Deutschland gebracht, dann wäre wohl der Spiegel ab gewesen. “Really?” Der Engländer versucht aber immer witzig zu sein, selbst wenn ihm der Kragen platzt. Respekt. “There was plenty of room behind the car. I can’t find any need to get angry,” mault George herum und ich kann es nicht fassen. Und weil es mir jetzt reicht, beende ich die Diskussion und werde die Sache einfach öffentlich machen. “That’s mobbing!”. Ich glaube du solltest eher von Nötigung sprechen, aber da fehlt mir blöderweise gerade die englische Übersetzung. 

 

Hätte er das mit mir gemacht, dann wäre es anders ausgegangen. Oder, na ja, eigentlich will ich mich nicht mehr aufregen. Fest vorgenommen und jedesmal vergesse ich es dann wieder. Übrigens stehen beide Autos im Halteverbot (gelbe Linie!).