Ich hatte schon gewarnt. Die wundervollen, alten Gebäude in London sind von aussen schön anzusehen und von innen lebensgefährlich. Beim Betreten droht Lebensgefahr. Das gilt sowohl für den Palace of Westminster, wo immerhin das Parlament tagtäglich tagt und arbeitet, und es gilt für den Buckingham Palace. Bestimmt sind noch mehr Gebäude in London betroffen, denn die Engländer scheinen es mit der Statik nicht so genau zu nehmen. Letzte Woche wurde ein dreigeschossige Haus in einem stadtnahen Viertel renoviert, ein eigentlich recht passabel aussehendes Haus, vielleicht 50 Jahre alt, als plötzlich alles einstürzte. Das ganze Gebäude sackte wie ein Kartenhaus zusammen, nur weil der Maler irgendetwas im Erdgeschoss gemacht hatte. Zum Glück wurde niemand verletzt.

Ähnliches könnte jetzt auch bei den Windsors passieren. Wo vor kurzem noch ein großes Festbankett stattfand, ist jetzt Sperrzone. Der große Festsaal im Buckingham Palast wurde geschlossen. Die Decke droht einzustürzen. Ein Inspektionsteam hat etwas Besorgniserregendes in der Konstruktion entdeckt; ich vermute mal eine nette Umschreibung für eine bauliche Katastrophe. Vielleicht droht die tonnenschwere Vertäfelung abzufallen oder die Kronleuchter hängen am sprichwörtlich seidenen Faden? 

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Der letzte Staatsempfang im Ballroom. Die Chinesen waren zu Gast. Jetzt werden Handwerker kommen müssen.

‘The State Dining Room at Buckingham Palace, the setting for sumptuous royal banquets for world leaders and others dignitaries, has been closed amid concerns over the safety of the ceiling, it has emerged.’ So stand es in der Zeitung. Wenige Tage vorher hatte dort noch der Chinesische Staatspräsident diniert. Man stelle sich vor, ihm wäre der Gips in den Reis gerieselt!

So wie es jetzt aussieht, wird die große Renovierung wohl früher als geplant stattfinden müssen? Auf jeden Fall ist der Buckingham Palast während der Sanierung nicht bewohnbar und die königliche Familie wird mehrere Jahre (!) nach Windsor Castle umziehen. Das ist nicht weit, in Maidenhead vor den Toren Londons gelegen. Aber trotzdem, ausgerechnet im ‘Jubiläumsjahr’ wäre es ganz unpassend. Die Königin wird 90, ihr Gatte 95, und ausgerechnet dann fällt ihnen die Decke auf den Kopf? 

Genau genommen ist Windsor Castle schon lange der offizielle Wohnsitz. Die Königin kommt nur während der Woche, zum Arbeiten, in den Buckingham Palace; meistens Dienstag bis Donnerstag. Trotzdem wäre es für die Londoner ein schwerer Schlag ihre Queen auf Dauer ausser Haus zu wissen. Sie selbst wird es wahrscheinlich ganz realistisch sehen. Denn sie ‘räumt’ schon seit einiger Zeit auf. Ganz in Stillen regelt sie einige Dinge für den Nachfolger. Als sie vor kurzem mit Prinz Philip auf Malta war, ließ sie die Öffentlichkeit einen kleinen Einblick in ihre Gedanken und Gefühle nehmen. Das passiert sonst nie.

Es war Anfang der 50er Jahre als die junge Elizabeth mit ihren Eltern auf Malta Urlaub machte. Man verbrachte unbeschwerte Tage, freute sich des Friedens und tanzte gerne bis in die tiefe Nacht. Immer an ihrer Seite der ebenfalls junge Philip. Sie hatten sich wohl auf den ersten Blick ineinander verliebt, jetzt aber wurde es offiziell. Sie selbst erzählte nun anläßlicher ihrer Reise nach Malta von der Zeit, als sie sich jeden Abend trafen und nach dem Song ‘People Will Say We’re In Love’ tanzten. Wir alle kennen die Melodie und ich bekomme sofort Gänsehaut, sobald es gespielt wird. Der Malta Besuch war eine romantische Erinnerung und gleichzeitig ein wehmütiger Abschied. Denn die Queen machte selbst deutlich, dass sie wohl nicht mehr auf die Insel zurückkehren wird. 

Eigentlicher Anlass des mehrtägigen Staatsbesuches war ein Treffen der Chefs aller Commonwealth Länder. Die Queen ist das Oberhaupt dieser Gruppe. Und auch hier sprach sie klare Worte. Sie empfahl ihren Sohn Charles als Nachfolger. Das formulierte sie nur deshalb etwas zaghaft, weil der Nachfolger gewählt werden muß. Es ist kein Amt, dass vererbt wird.

 

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Der Commonwealth, eine noch immer weltumspannende Staatenverbindung.

 

Eine Einladung führte die Königin und ihren Mann auch dieses Mal in den San Anton Palace, derselbe Ort an dem sie und Philip sich jeden Abend zum Tanz trafen. Und dort erinnerte sich dann die Queen an den Anfang ihrer langen Liebe. Ein Augenzeuge, ein 81-jähriger Musiker, war dabei und erzählte von damals: “She and the Duke used to dance a lot. She was always beautiful and always so nice and kind, and she hasn’t changed. She is still beautiful and when you talk to her it’s like talking to a member of your family. I always called her Auntie Lizzie.”

Dank Music Flat Rate habe ich ‘People will say …’ mal schnell bei iTunes gesucht und mich für die instrumentale Version von Ray Conniff entschieden. Ja, danach kann man tanzen, und sei es nur, wie jetzt bei uns, um den Küchentisch. Mir wird ganz warm um’s Herz und mit tiefen Blick in George’s brown eyes stelle ich listig fest: “We have a deeply physical relationship.” Darauf er: “Penetration?”