SHOWBIZ Poldark 064927
Ross Poldark im TV. Da liegt die Lattes hoch.

Am Wochenende wird die letzte Folge von ‘Poldark‘ im englischen TV gezeigt. Die Saga mit dem gleichnamigen Star, der gerne mal mit nackten Oberkörper das Feld bestellt. Die Frauen sind hingerissen, von 18 bis 80 sind sich alle einige: Was für ein Mann! Endlich macht es Sinn, dass ein wandfüllender Flachbildschirm im Living-Room an der Wand hängt.

Jetzt heißt es  Abschied nehmen. Zum Glück nicht für immer,  Fortsetzung folgt. Zwischenzeitlich bleibt einem nur der eigene Ehemann, der breitbeinig im Beet steht und eine Wurzel nach der anderen erntet. Sieht jetzt nicht ganz so sexy aus, ist aber auch nicht Sinn der Übung.

Seit Poldark auch noch das Singen angefangen hat, sind die englischen Männer endgültig verstummt. Sie hassen den Kerl, wünschen ihm die Pest an den Hals. Weil jede Kritik zwecklos ist, sie würden ja doch nur den Kürzeren ziehen, ist kollektives Schweigen das Wahl der Mittel. Poldark existiert in den Gehirnen der männlichen Erwachsenen nicht. Der Name ist mit nichts verbunden. Selbst George zeigt Nerven. Dabei weiß er, das mir seine reale Männerbrust lieber als jeder fiktiver Dummy ist, -hat man Poldark die Haare aufgeklebt oder sind die echt?-, also selbst er reagiert ungewohnt harsch auf den Gesang des TV-Stars. “He has a voice like a goose farting in the fog.” – That’s no cricket, sweetheart.”

Mein kluger George scheint nicht die geringste Ahnung zu haben, was mich wirklich beeindruckt. Es sind kleine Gesten, die mich innerlich auf die Knie sinken lassen. Als er einmal im Frühjahr ganz nebenbei eine dicke Spinne wie selbstverständlich auf seine Hand nahm und von einem Blatt auf ein anderes setzte, wo sie sicher ihres Weges weiterkrabbeln konnte, war mir schlagartig klar, dass ich ihn aus tiefsten Herzen liebe. Da kannten wir uns schon vier Monate und waren einige Male gut und teuer ausgegangen. Das war alles nett, aufregend aber mein Herz hat er erst mit dieser Geste berührt. – Uuups, wollte ich das jetzt eigentlich öffentlich machen? Ja, warum eigentlich nicht.

Und etwa ähnliches sollte auch an diesem Nachmittag passieren. Ich hatte den ganzen Vormittag die Scheiben des Gartenhauses gescheuert, sie hatten es nötig. George war im path. Lab. und kam erst mittags Heim. Ich empfing ihn: “Fällt dir was auf?” Wie aus der Pistole geschossen antwortet er: “Did you get your hair done?” Nein! “Go for a spray tan?” Sei nicht albern. I found the shed windows need a really good cleaning and so I spend a whole morning attacking them. Er nimmt es ziemlich ungerührt zur Kenntnis, klärt mich auf, dass ein window cleaner die Sache normalerweise regelt. A brief phone call will suffice! Danke, für die Info.

Weil wir nun aber schon auf der Terrasse des Gartenhauses stehen, können wir es uns dort auch gleich gemütlich machen. Ich habe einige Bücher bei mir, die wir auf dem Camden Market antiquarisch gekauft haben und die ich mir jetzt ansehen will. Er hat ein paar dünne Äste dabei und zieht ein Schnitzmesser aus der Hosentasche. Schon halb meinen Bücher zugewandt frage ich mehr aus Höflichkeit denn Neugierde, was er vorhat. I need some Poohsticks. 

Whaaat? What the heck are poohsticks? Ich lege meine Bücher erstmal wieder zur Seite. Mein Aufmerksamkeit ist jetzt ganz bei George und seinem Treiben. Er schneidet kleine, gerade Stöckchen, ca. 30 cm lang, zurecht. Dabei scheint er sehr genau auszuwählen. Nach welchen Kriterien die Äste seine Zustimmung bzw. Ablehnung erfahren ist mir vorerst noch schleierhaft. Erst einmal bekomme ich jetzt Nachhilfeunterricht, denn auf deutschen Grundschulen wird Winnie the Pooh leider nicht gelesen. Jedenfalls machten wir das nicht zu meiner Zeit.

Der putzige Bär wurde vom Autor A. A. Milne erfunden und kam 1928 mit der Geschichte “The House at Pooh Corner” zur Welt. Winnie hat viele schöne Sachen gemacht, die den Kinder weltweit gefielen. Unter anderem hat der das Poohsticks Game erfunden. Wie haben es bestimmt alle schon einmal gespielt. Und wenn keiner guckt, machen es auch Erwachsene gerne mal alleine. 

Man stellt sich mit seinen Freunden auf eine Brücke, jeder wirft einen Stock in das Wasser, dann laufen alle auf die andere Seite und warten welcher als erster dort wieder auftaucht. Ein herrliches Spiel und in England Kult. Es gibt eine regelrechte Poohstick Kultur und natürlich jede Menge Wettbewerbe.

Scientists find bear necessities for winning at Poohsticks
VisitEngland hat diese wunderschöne Karte veröffentlich. Darauf die zwölf besten Brückenplätze zum Poohstick Spiel. Die Morden Hall Bridge liegt zwar nicht um die Ecke, aber immerhin noch auf Süd-Londoner Boden. Da könnte man mal hinfahren.

Früher haben alle Kinder ihre Sticks selbst gemacht. Heute kann man sie bunt gefärbt kaufen. Das hat den Vorteil, dass man die Besitzer besser unterscheiden kann. Aber die gekauften Stöcke sind glatt und schier und deshalb nicht perfekt. George hat ziemlich lange darüber nachgedacht, wie ein Poohstick gebaut sein muß, um die Anderen abzuhängen. Er kennt sich mit Holz besser aus als so mancher Tischler, hat im Internet gesucht und eigene Überlegungen bei einem guten Glenmorangie Whisky angestellt. Da kann man die Fließgeschwindigkeit hautnah erkunden.

Heraus kam ein Stock, der besonders dadurch auffällt, das er noch seine Rinde hat. Eher kurz, dick, ein bißchen angeraut, sind die Renn-Sticks, die George für die Kinder in der Nachbarschaft mit Feuereifer schnitzt. Sie scheinen begehrt zu sein; er hat wohl richtig konstruiert. Es macht ihm Riesenspaß, mit Eifer ist er bei der Sache. Und ich bin schon wieder dabei innerlich auf die Knie zu sinken.

poohsticks
Aus dem Kinderbuch: Winnie the Pooh.

Es dauert gar nicht lange und die Äste sind in gleich lange Stücke geschnitten. Jetzt werden noch Erkennungszeichen in die Rinde geschnitzt, eine römische Ziffer oder ein Buchstabe, und dann können die Poohsticks verteilt werden. Ein halbes Dutzend behalten wir aber selbst; der Ausflug in den Morden Hall Park ist längst fest vereinbart.

Während George sich die Hände wäscht und bei der Gelegenheit gleich mal einen Tee kocht, -wenn ich mich nicht irre zieht auch schon der Duft von gebackenen Scones durch die Luft-, nehme ich mir eines der Bücher aus dem Stapel. Ein dünnes Heft im Querformat mit dem vielversprechenden Titel “The Queen’s Knickers“. Also ein Bilderbuch über die Unterhosen der Königin. Das ist einen Blick wert.

Kein Zweifel, hier geht es um die aktuelle Königin. Der Autor Nicholas Allan lässt uns wirklich einen Blick in den königlichen Wäscheschrank werfen. Schon nach zwei Seiten weiß ich was da auf mich zukommt. Englischer Humor vom Feinsten. Hoffentlich braucht George noch ein bißchen mit den Scones. Das Buch hat keine zwanzig Seiten, aber die muß ich in einem Rutsch lesen. Dabei ist nur sehr wenig Text geschrieben, die meiste Information steckt in den ur-komischen Bildern. So was Lustiges habe ich lange nicht gesehen. Eigentlich noch nie.

Es gibt einen Official H.M. Knicker Guide, der aufklärt welches Modell die Queen zu welchem Anlass trägt: Royal Weddings, Foreign Visits, At Home or Every Day. Es gibt eine top-secret Buchse mit eingebauten Fallschirm und ein SOS-Modell für Schiffsreisen. Ich komme aus dem Staunen und dem Lachen nicht mehr raus. Zum Glück steht der Putzeimer noch in der Ecke parat, ich glaube ich brauche ihn gleich um die Lachtränen aufzuwischen.

knickers

George kommt mit hoch beladenen Tablett über den Rasen. Er weiß längst, dass ich Lachkrämpfe bekomme sobald ich eine englische Zeitung oder ähnliches lese. Deshalb macht er sich auch keine Sorgen, denn inzwischen liege ich gekrümmt auf der Liege und halte mir den Bauch fest. Mein Zwerchfell will sich partout nicht mehr glatt legen. Ich kann Ihnen die Lektüre sehr empfehlen, auch mit schmalen Englisch-Kenntnissen sollte man den Text verstehen können. 

Der Verlag (Red Fox) schreibt auf der Rückseite: Everyone can see the Queen’s smart coats and dresses, but what does she wear underneath, particularly for a school visit? The range of royal underwear is revealed, in all regal glory – from garden party and Christmas speech knickers to the VIP (Very Important Pants) for the opening of the Parliament.

Weltklasse! So was kriegen wir nicht hin. Oder wollen wir wissen welche Unterhose Frau Merkel trägt? Komisch schon bekommt das Thema einen zotige Klang; wenn die Engländer sich über schlüpfrige Themen in aller Öffentlichkeit unterhalten ist das immer lustig und nichts anderes. Ich glaube inzwischen den Grund herausbekommen zu haben (Danke Silke, unser Gespräch hat geholfen!): Die Englische Sprache ist durch und durch gewaltfrei. Sie ist ohne Aggression. Eine Kunst die man im Deutschen durch teuer bezahlte Kurse erst mühsam erlernen muß (Google Sie mal: Gewaltfreie Kommunikation). Jeder sollte es erlernen, aber bevor Sie einen teuren Kursus belegen, machen Sie einfach Urlaub in England. Das Ergebnis ist dasselbe. Sie werden ein fröhlicher Mensch.

**********************  BREAKING NEWS  **********************

Ich glaube es nicht! Gerade wird bekannt gegeben, dass im Oktober die Dreharbeiten beginnen. Der Film heißt: Bob, the Street Cat! Oh, wie ich die Bücher über ihn verschlungen habe. Das war im vorletzten Jahr. Da schenkte mir eine Freundin das Taschenbuch. Bob sieht meinem verstorbenen Kater Pelle sehr ähnlich und ich dachte lange, dass ich deshalb so sehr von den Geschichten berührt war und bin. Aber inzwischen weiß ich es war etwas anderes. In den Büchern schildert der Besitzer James Bowen seine Erlebnisse mit Bob in London. Es ist eine Art Tagebuch und für mich war es ein Weckruf. Ich las erstmals über diese Stadt, erfuhr etwas über ihre Bewohner und wußte sofort, dass ich meine Heimat wiedergefunden habe. 

Sie kommen ins Kino! Bob und James. Natürlich spielt Bob seinen Part selbst. Wer sollte es sonst können? – James und sein Kater sind “echt”. Ich habe sie beide in London gesehen.

Als ich es George erzähle, denn der wundert sich über meine euphorische Reaktion über die Radio-Nachricht, schaut er mich mit großen Augen an. Die Geschichte ist etwas mysteriös, aber er hat längst gemerkt, dass ich mit meiner ganzen Seele hier anwesend bin. “Du kannst auf Bob the Street Cat eifersüchtig sein, ihm habe ich vor dir mein Herz geschenkt. TV-Poldarks solltest du nicht ernst nehmen.”  “Don’t worry. I can stand the heat, else I get out of the kitchen,” lächelt er mich an. “You’re my real sugar-rush cute.”