Ein Fünftel der erwachsenen Briten können nicht schwimmen. Etwa genauso viele werden nach ihrem Tod obduziert. In Deutschland sind es weniger als fünf Prozent. Einen Zusammenhang dürfte es wohl nicht geben. Wenigstens die Zahl der Nichtschwimmer überrascht mich. Immerhin leben die Engländer auf einer Insel. Rundherum Strand und Meer. George sagt ‘they swim like a an astmathic turtle’

Kann er schwimmen??? Keine Ahnung. Warum habe ich ihn nicht gefragt? Weil ich Deutsche bin. Die Deutschen warten immer auf Berichterstattung, der Engländer holt sich seine Information pro-aktiv. Er fragt nach bis er alles weiß.

Wenn ein Mensch ertrinkt ist das immer ein ‘nicht natürlicher Tod’ und muß deshalb zwingend vom forensischen Mediziner untersucht werden. So kommt es, dass ich die Zahlen der ertrunkenen Menschen in England kenne. Im letzten Jahr waren es fast 170 Menschen. Das scheint mir viel zu sein, wenngleich ich das auch nur gefühlt sagen kann. Ich kenne keine deutschen Vergleichszahlen. Aber merkwürdig an den englischen Fällen ist die Tatsache, dass die meisten gar nicht im Wasser waren! Jedenfalls nicht als Schwimmer.

Etwa die Hälfte war wandern, bergsteigen, fahradfahren oder joggen. Irgendwo an der Küste. Dann stolperten sie, stürzten ab und landeten im Wasser. Vielleicht verletzt oder ohnmächtig konnten sie sich nicht mehr an’s Land retten. 

Und dann gibt es noch einige merkwürdige Fälle. Es scheint öfter zu passieren, dass Engländer einfach so von der See verschlungen werden. Sie unterschätzen wohl Wellengang und Strömungen. Ein besonders dramatischer Fall ereignete sich im Süden. Eine Familie wollte den Sohn bestatten. Er war bei einem Unfall ums Leben gekommen und seine Asche sollte der See übergeben werden. Man muß wissen, dass das überall an England’s Küsten jedermann erlaubt ist. Die Mutter stand mit zwei weiteren, erwachsenen Kindern am Strand und die älteste Tochter hatte die Urne unterm Arm. Sie ging ein Stück ins Wasser, wollte dort die Asche verstreuen und hatte plötzlich den Boden unter den Füßen verloren. Dann ging alles sehr schnell, sie versank und wurde fortgespült. Alles vor den Augen der Familie, von denen keiner schwimmen konnte. Was für ein Drama. Und schon die zweite skurrile Abschiedsfeier in diesem Blog!

Wie kriege ich jetzt den Bogen zu erfreulicheren Themen? Auf jeden Fall mit den Fotos von der Taufe der Prinzessin Charlotte. Wem da das Herz nicht aufgeht, hat selbst Schuld. 

taufe1
The parents are very happy to share these photographs and hope that everyone enjoys them as much as they do. – Den Gefallen tue ich ihnen gerne.

Und dann hilft es ja meistens einfach etwas von George zu berichten. Der hatte am Morgen ‘rolls‘ geholt. Knack-frische Brötchen; ein Begriff, der ihm nicht über die Zunge rollen will. Aber die Sorten beherrscht er: Mehrkorn, Kürbis-Käse, Mohn, Sesam, Croissant und Ciabatta. Jetzt crunched er sich durch die Auswahl und fragt mich: “Do you know that knuckle-cracking is helpful?” Bestimmt eine Fangfrage und Retourkutsche für die Knack-frischen. “What’s that?” “Knuckle cracking means snap, crackle and pop your fingers.” Hä? “Klincking your joints.” Weil ich immer noch nicht verstehe, macht er es kurz vor. Fingergelenke ziehen und knacken lassen. Das ist so ziemlich das letzte was ich morgens sehen und hören möchte. “Sorry, so sorry. Please I apologise from the bottom of my heart …”. Es hagelt Entschuldigungen. Schließlich ein Versuch der Erklärung. Irgendwie gibt das knuckle-cracking dem Gelenk Luft und Laune sich frei zu bewegen. Trotzdem kommt es auf die rote Liste.  

taufe2

Wenn ich ihn jetzt nicht stoppe, hört er mit den Entschuldigungen vor Mittag nicht mehr auf. Engländer entschuldigen sich immer. Auch beim Kühlschrank, wenn sie gegen ihn rennen. Der heißt übrigens ‘fridge‘ und sein Bruder wird ‘freezer‘ genannt.

Auf die Spitze trieb es der Pilot Eric Moody von British Airways. Auf dem Flug No. 9, im Jahre 1982, gab es kurz nach dem Start massive technische Probleme. Zum Glück hatte man schon die Reisehöhe erreicht und segelt nun ganz ohne Motorkraft über die Wolken. Eric informierte die Passagiere mit dem super-coolen Satz: “Ladies and gentlemen, this is your captain speaking. We have a small problem. All four engines have stopped. We are doing our damnedest to get them going again. I trust you are not in too much distress.” George findet die Ansage eher okay als komisch. 

Anm.: Super-cool versteht der Engländer nicht bzw. falsch. Wenn wir das sagen wollen ist tough die bessere Wahl. Handelt es sich aber um einen aufregenden Mann, dann ist er mit “Joe Cool” gut beschrieben. Aber das würde ich George ja sowieso nicht mitteilen …

taufe5

Ja, Cpt. Moody beherrschte das  ‘understatement‘. Irgendwo habe ich eine nette Beschreibung dieser ur-englischen Eigenschaft gelesen. Falls man im Winter einen Engländer fragt, wie das Wetter draußen ist und er antwortet ‘It’s a bit chilly’ dann meint er damit ‘he has lost his feeling in his feet and his toes have turned black.’  

Mein brave-heart hat sich eine ähnliche Nummer abgekniffen. Er kam vor einigen Wochen mit einer verbundenen Hand nach Hause. Auf Nachfrage murmelte er etwas von ‘little injury’. Die ganze Geschichte habe ich bis heute nicht aus ihm herauskitzeln können, aber das Unglück passierte im Pub. Die Männer spielten Dart und George hatte wohl die Hand noch auf der Scheibe, als ein Pfeil geflogen kam und sich einmal durch seine Hand bohrte. Ob der Wurf zählte weiß ich nicht. Überhaupt gibt es da noch einige Fragen, aber lassen wir Gras bzw. Haut darüber wachsen. “No reason for any investigation”, strahlt er mich an. – Wenn er einen solchen Fall beruflich zu sehen bekommt, wird der Coroner benachrichtig.

taufe4

Und dann höre ich im BBC Radio eine Nachricht, die mich elektrisiert. Sofort frage ich George: “Are we still together next June?” Das überrascht ihn, trotzdem kriege ich ein ziemlich spontanes YES! Großartig! Ich komme am 10. Juni für ungefähr eine Woche nach London. Er ahnt, es hat wohl mit meinem Geburtstag am 12. Juni zu tun. Aber noch kapiert er es nicht.

Es ist ja gerade drei Wochen her, als ich in London war und die Parade zum Geburtstag der Queen live erlebt hatte. Ich bin noch heute sehr begeistert, das war wirklich ein großes Erlebnis. Nun, im nächsten Jahr wird die Queen ihren 90. Geburtstag feiern. Wie immer wird am zweiten Samstag im Juni die Parade ‘Trooping the colours’ stattfinden, aber das wird diesmal nicht alles sein. Jetzt wurden Termine bekanntgegeben:

mattFreitag (10. Juni): Die Feierlichkeiten werden mit einem Gottesdienst eingeläutet. An diesem Tag hat Philip, der Duke of Edinburgh, Geburtstag.

Samstag (11. Juni): Trooping the colours zu Ehren der Queen

Sonntag (12. Juni): Der Geburtstag der Queen wird öffentlich nachgefeiert. London wird eingeladen, zur ‘mega street party on the Mall’. Riesensause. Und das an meinem Geburtstag! Das Motto lautet: Let’s make her proud. Da bin ich dabei, auf mich könnt ihr zählen.

Ich strahle. Eine bessere Planung ist mir ja noch nie in den Schoß gefallen. Und George strahlt auch. Er scheint sich wirklich über meine langfristigen Pläne zu freuen. Und als ich ihn so sehe denke ich auf einmal in Englisch: I never let you leave; it would be like the ravens leaving the Tower.