Zum Glück sind wir alle verschieden und haben ganz unterschiedliche Geschmäcker. Man stelle sich vor, alle Frauen/Männer würden hinter demselben Objekt der Begierde herlaufen. Was für ein Gedränge auf der einen Seite und gähnende Langeweile beim Rest. Nein, dann doch lieber ein bunter Haufen Menschen mit individuellen Ticks, Schwächen und Vorlieben. Dass es so ist, fällt mir besonders auf, sobald ich in England bin. Die sind einfach anders als wir und keine Frage, sie denken genau dasselbe über mich. Das Anderssein fällt mir schon im Hotelzimmer auf, sobald ich den Fernseher einschalte. Formal bietet das englische TV viele Parallelen: Die GEZ-Gebühr ist auch in England bekannt und fast identisch hoch. BBC und ITV können mit ARD und ZDF verglichen werden. Viele Shows haben wir übernommen, umgekehrt gilt das weniger. Aber sobald es um den Inhalt geht, sind die Unterschiede groß. Beispielsweise bei den Gartensendungen. In England wird so gut wie täglich, zu bester Sendezeit am Abend, stundenlang mitten aus der Natur übertragen, im deutschen Fernsehen müssen sich die Gärtner in Zeitnischen am frühen Vormittag verstecken. Aber schauen Sie selbst:

 

 

Ähhh, ich muss nicht sagen, welches Bild zu welcher Nation gehört? Ach so, sie erkennen es natürlich am Text. Und was sieht man noch? Immerhin scheinen beide Sendungen darauf aus, ganz normale Leute zu zeigen. Das deutsche Fernsehen macht das mit einem leicht bieder wirkenden Pärchen, die Engländer mit einer Auswahl aller Mehr- und Minderheiten, wie beispielsweise helle/dunkle Hautfarbe, jung/alt, einer sitzt im Rollstuhl, einer ist homosexuell (raten Sie mal wer) und irgendwie lachen alle deutlich ungezwungener als die deutschen Kollegen. Aber der wirklich wichtige Unterschied sitzt im Vordergrund und hechelt in die Kamera. Für den Engländer ist eine Familie ohne Hunde undenkbar. Den Deutschen reicht die Strickjacke, um Gemütlichkeit zu demonstrieren. Übrigens, etwas worum uns die Briten beneiden (die Gemütlichkeit, nicht der Wolli). Und genau darauf will ich hinaus. Ich würde lieber in der rechten Runde Platz nehmen, andere fühlen sich im linken Bild wohler. Keine Frage, das ist gut so, aber warum um alles in der Welt, reizt einen das Fremde grundsätzlich mehr? Ist doch irgendwie unpraktisch, oder?

 

Die BBC Gardening Show hat einen Co-Produzenten, der bisher noch jede Folge verschlafen hat. Trotzdem hat er zahlreiche Fans.