Die Ferien sind da! School’s out for the summer, school’s out forever, school’s been blown to pieces, sangen wir früher. Wir waren auch keine einfache Generation 😉

Englische Kinder (und Lehrer) können bis Anfang September Ferien machen. Scheint endlos lang zu sein, sind aber auch “nur” sieben Wochen. Die anderen Schulferien, -Frühling, Herbst und Winter-, fallen gnadenlos kurz aus. Nie mehr als vier Tage.

We’re all going on a summer holiday
No more working for a week or two
Fun and laughter on our summer holiday
No more worries for me or you
For a week or two

Hat Sir Cliff Richard vor gut 50 Jahren gesungen und eigentlich gilt es noch immer. Der Engländer ist mit zwei Wochen Sommerurlaub zufrieden. Aktuell gehen die Reisebuchungen in’s Ausland zurück, stattdessen fährt man wieder an die heimischen Strände. 

Da tobt aber zur Zeit ein Krieg. Der Feind greift aus der Luft an. Es sind Möwen, die in England seagulls genannt werden. Sie ängstigen die Strandbesucher zu Tode.  Sie fliegen regelrechte Attacken auf die ahnunglosen Urlauber, die fast immer eine Tüte Fish & Chips in der Hand halten. Das gehört zum englischen Sommerurlaub wie die Grillwurst zur deutschen Freizeit. – Auch die Möwen scheinen den Snack unwiderstehlich zu finden – ich übrigens auch. 

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Eine Reporterin, die über die Möwen berichten will, wird angegriffen. Das eigentlich Ziel sind die Fish & Chips in ihrer Hand.

Letzte Woche wurde ein kleiner Hund von wütenden Möwen in seinem Garten totgebissen. Der arme Kerl wurde von einer ganzen Meute schlicht zerhackt. Das war für die dog crazy Engländer zu viel. Seitdem wird gegen die aggressiven Möwen zurückgeschossen. Was aber nicht so einfach ist, denn es gibt Gesetze, die das gezielte Töten der Vögel verbietet. 

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An englischen Stränden sind zur Zeit Möwenschwärme eine ernst zu nehmende Gefahr. Sie haben keine Angst vor den Menschen.

Die Presse hat das Dilemma wie immer humorvoll kommentiert. Man kombiniert zwei Probleme, mit denen der Strandurlauber in dieser Saison zu kämpfen hat. Die angriffslustigen Möwen und das anhaltend stürmische Regenwetter. Man kombiniert es und leitet die sehr optimistischen Einschätzung ab: “It’s wonderful! The stormy rain keep the seagulls off my chips“. 

We’re going where the sun shines brightly
We’re going where the sea is blue
We’ve seen it in the movies
Now let’s see if it’s true

In North-Wessex, westlich von London, machen die Kühe Stress. Ihre Weiden sind selten eingezäunt, und so laufen sie dann schon mal gerne über die Landstrassen. Besonders nachts kommt es immer wieder zu folgeschweren Unfällen mit Autofahrern.

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Es gibt keine Zäune, die Rindviecher laufen einfach über die Straße. Da kommt es immer wieder zu Zusammenstößen.

Kurzerhand wurde ein Gesetz verabschiedet, dass den Bauern vorschreibt, ihre Kühe besser sichtbar zu machen. Kein Quatsch, die Tiere müssen reflektierende Westen tragen! “A ridiculous idea and a prime example of health and safety gone mad.” Lautete ein Kommentar. “We create a herd of disco-cattle” schimpfte ein anderer Farmer. 

Everybody has a summer holiday
Doing things they always wanted to
So we’re going on a summer holiday
To make our dreams come true
For me and you

Das Problem ist schon seit Jahren bekannt. Immer wieder kommt es zu Unfällen, nicht selten werden die Kühe so schwer verletzt, dass sie eingeschläfert werden müssen oder wie der Engländer es treffender sagt: They had to be put down by a vet“. Trotzdem gab es ein kollektives Augenrollen bei den betroffenden Bauern, als sie angewiesen wurden, ab sofort ihren Kühen nachts fluoreszierende Jacken anzuziehen. Zusätzlich müssen sie Leuchtbänder um den Hals tragen.

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Safety jackets – ab sofort nicht nur von George und seinen Leuten getragen, sondern auch von den heimischen Rindviechern. Hi, hi.

Wenn ich mir vorstelle, wir fahren nachts durch diese Gegend und treffen auf ein solches ‘Lichtobjekt’, weiß ich nicht, ob ich nicht vielleicht ein bißchen Panik spüren würde. Immerhin ist es dieselbe Gegend, in der immer wieder Kornkreise auftauchen … Also seien Sie gewarnt, falls Sie ihren Urlaub in Wessex planen.

Es hätte noch schlimmer kommen können. Der Vorschlag den Tieren Bänder mit Blinklichtern umzuhängen, konnte gerade noch abgeschmettert werden. Aber nur weil die Kosten unangemessen hoch wären. Die Herde eines Farmers besteht aus 175 Tieren. Um diese zu beleuchten hätte er ca. 3.000 Pfund locker machen müssen. Als er das Geld von der Gemeinde haben wollte, war der Vorschlag vom Tisch.

Der dollste Vorschlag kommt von George: Warum reiben sie die Kühe nicht mit fluorozierenden Pulver ein, das benutzen wir auch manchmal am Tatort. Super-Idee. Wahrscheinlich dringt es in die Oberschicht der Haut ein und leuchtet dann für immer und ewig im Dunkeln vor sich hin. Ich sage nur Midnight Barbecue oder nächtliche Kühlschrank Überfälle …

Kopfschüttelnd murmelte ein Bauer “it’s a hair-brained idea“. Der Mann, der sich mit seinen Tieren bestens auskennt sprach den entscheidenden Punkt an. Die Autofahrer sind zu schnell unterwegs. Darauf ging keiner ein. Er fuhr fort: “If a cow had a fluorescent strip around its neck, you wouldn’t be able to see it if the animal had its back to you or if it was facing you head on. What are the chances of the perfect cow that’s going to cross right in front of you, side on, to ensure you  spot its décor?” Wäre interessant zu wissen, was die Rindviecher dazu meinen?

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Kein Witz. Die leuchtenden Westen sind ab sofort Pflicht. Mooooo!

Inzwischen wurden 500 Kühe mit den leuchtenden Halsbändern ausgestattet. Wie immer hat man sie, die unmittelbar Betroffenen, nicht gefragt. Immerhin signalisiert man Einsicht mit der Einschätzung: “We agree with the farmers that dolling the cattle up in luminous garb was not the answer.” 

Die Kühe nehmen es ganz gelassen, ganz easy. Sie trotten über ihre saftige Weide, machen einen Schlenker zur Hecke und schubbern sich dort genüsslich den Hals.    Es dauert selten länger als einige Minuten bis das lästige Halsband an den Ästen hängenbleibt. Gelassen traben die braven Tiere dann weiter und kommentieren den ganzen Zirkus mit einem fröhlichen Muh, äh sorry, es muß moooooo heißen.