Ob der Engländer ape heat kennt? George scheint es zu verstehen und ich bin zu träge um nachzufragen. Mir setzt die schwüle Hitze mächtig zu. Das einzig gute daran ist, das man ein Thema hat. Egal ob small-talk oder Blog, man muß nicht lange nach dem Einstieg suchen.

Weil es draußen heißer als drinnen ist, halten wir schon seit Tagen die Türen zu und sitzen drinnen. Im Dunklen. Abends zieht es uns dann doch raus. Lass uns ein bißchen spazierengehen, vielleicht an den Mühlenteich. Dort wird es kühler sein. Aber das war ein Irrtum. Im Biergarten war kein Platz mehr frei und mehr Mücken habe ich selten auf einem Fleck angetroffen.

Wir fahren ein Stück weiter und laufen mutterseelenallein durch die Natur. Das Getreide steht schon hoch und die Zeit scheint still zu stehen. Einen Augenblick denke ich was man so machen könnte, verwerfe aber schnell den Gedanken sich in’s Kornfeld zu legen. George bringt es auf den Punkt: “We’re to old to copulate outdoors, knowing when ever we tried it, we had end up scaring a cow and rolling in a thistle“. Da hat er recht, der Wahrheit muß man sich stellen.

larry
Larry der Chief Mouser in Downing Street. Er hat gepatzt. He’s so sorry.

Nicht nur mir scheint das Gehirn zu kochen, auch die Tiere zeigen Wirkung. Sie ziehen sich zurück, dösen in den Tag, machen dilly-dally. Einem Kater könnte das den Job kosten. Chief Mouser Larry hat gepatzt. Er lebt in Downing Street 10 und ausgerechnet dort tippelte eine Maus über das Besuchersofa. Am hellichten Tag, mitten im Chancellor’s Office. Dort saßen gerade George Osborne und sein Kabinettskollege Matthew Hancock zusammen und berieten den Haushalt. Matthew, a keen cricketer, griff beherzt zu und fing die Maus in einer Sandwich Tüte. – Larry was unavailable for comment.

mouse trap
Angeblich hat George Osborne die Maus in diesem Koffer mitgenommen. Gute Story, aber stimmt’s?

Überhaupt scheint die Tierwelt an diesen heißen Tagen die englischen News zu beherrschen. Gut, neben der Taufe von Prinzessin Charlotte, aber damit will ich mich heute nicht beschäftigen. Ganz überrascht, ja schier aus dem Häuschen, tickety-boo, war ich über eine Nachricht aus Hamburg. Nichts politisches, auch keine Business Meldung hatte es in die Englische Presse geschafft. Nein, es war das vier Wochen alte Baby, das Hagenbecks Walroß Dame Polosa der Welt präsentierte. So was kann man dem Engländer verkaufen.

polosa and baby
Polosa, die stolze Walroß Mammi hat es geschafft. Sie wurde in den englischen News erwähnt. Das erste Mal, dass ich “Hamburg” dort gelesen/gehört habe.

Ach und dann war da natürlich noch die Meldung des Sonntags. Die englischen Fußballdamen haben Deutschland besiegt. Das wurde gefeiert als wären sie Weltmeister geworden. Ich habe erst nach stundenlangen Lesen begriffen, das es um den dritten Platz ging. Trotzdem Glückwunsch! Wir sind faire Verlierer. Seit 1966 endlich wieder ein Sieg gegen die Deutschen in einem großen Wettbewerb. Das war nun wirklich eine lange Durststrecke.

Apropros Durst. George schlägt vor, noch einmal beim Biergarten vorbeizusehen, vielleicht ist jetzt ein Platz zu finden. “My mouth is dryer than a toaster’s crumb tray“. Ihm kann geholfen werden, gerade geht eine größere Gruppe. Kurz später haben wir ein kühles Alsterwasser in der Hand. Wash down. Als sich auch noch ein englisches Pärchen einfindet, das hier zu Besuch ist, ist das Glück perfekt. Jolly good evening.