Ein Lob an Kabel Deutschland. Sie haben schnell und zuverlässig gearbeitet. Jetzt kann George auch von Hamburg aus online arbeiten. In London schreibt er alle Berichte von zu Hause aus und ist dabei auch visuell mit seinen Leuten im Kontakt; das geht jetzt auch von hier aus. Generell kann man sagen, dass in England die Internetverbindungen sehr gut sind; auch mobile ist man stets erreichbar, denn UMTS ist fast überall verfügbar. Mir scheint der Gebrauch von elektronischen Medien in England selbstverständlicher zu sein. Besonders bei älteren Menschen ist ein Unterschied zu Deutschland erkennbar.

shaun
Shaun may have a sheepish grin. Some students too?

George freut sich über die schnelle Verbindung nach London und nutzt sie reichlich. So kam es, dass ich letztens ein Telefonat mitbekam, das er offensichtlich mit einem befreundeten Studenten führte und das gar nicht mehr so zurückhalten klang, wie ich ihn kenne. “Of course it won’t help close the deal when you’re slipping into the lecture late with a sheepish grin on your face!” Na so kenne ich ihn ja gar nicht. Aber hübsch formuliert. Schön wie die Engländer es immer wieder schaffen sehr bildhaft zu reden.

Als er auflegt grinst er mich an und sagt fast verlegen: “Sometimes it’s not helpful to beat round the bush.” Auch nett gesagt.

Und da fällt mir noch eine ganz lustige Geschichte bezüglich seiner Arbeit ein. Die Arbeit im Home Office ist mir geläufig, denn ich habe selbst viele Jahre diese Variante gewählt. Allerdings fand ich es schon sehr ‘strange‘, dass auch er, also ein ‘forensic pathologist’, seinen Job im Home Office verrichtet! Etwas ängstlich fragte ich ihn sofort, was er denn da so mit nach Hause bringt??? Wie immer dauerte es einige Zeit bis ich verstand. George seziert nicht auf dem Küchentisch, sondern im Auftrag des ‘UK Home Office’. So nennt man das Innenministerium! – Bei der Gelegenheit fällt mir ein, daß ich ihn noch mal aufklären sollte, dass ich keineswegs im Regierungsauftrag tätig war. Ich habe tatsächlich im heimatlichen Büro, also im Home Office, gewerkelt. 

Zurück zur Geschichte, die ich heute erzählen will.

George hat in den letzten Tagen viel über deutsche Eigenarten gelernt. Manches war ihm neu, manches wunderte ihn, um manches beneidet er uns und einiges bringt ihn zum Lachen. Zum Beispiel wenn wir durch den Hauptbahnhof gehen und er die Durchsage hört: “Ladies and Gentlemen may I have your attention please. The Intercity Express to Bremen will be 5 minutes late. Thank you for your patience.” George lacht laut los, schaut mich an und fragt: “Is it meant seriously?” “Ja, sicher ist das ernst gemeint. Es geht um eine Verzögerung und …”. Er winkt lachend ab, das hat er schon verstanden. Was ihn so amüsiert ist, dass die Info überhaupt erfolgt. In England ist man ganz andere Wartezeiten gewöhnt. “Five minute train delays in England are cause for celebration!” sagt er kichernd.

Im Restaurant ist er ein gern gesehener Gast, denn er hält sich an die britische Regel zehn Prozent Trinkgeld zu geben. Egal wie hoch die Rechnung ausfällt. Die deutsche Art aufzurunden ist ihm fremd. Ich glaube aber inzwischen machen es auch viele Deutsche so. – Im Fahrstuhl schreckt er noch manchmal zusammen. Für ihn ist es undenkbar die anderen Gäste zu grüßen. Impossible. Niemals einen Fremden ansprechen, egal ob im Zugabteil, im Treppenhaus oder eben im Lift. Es sei denn man wartet gerade mal wieder auf einen Zug, der endlose Verspätung hat. Dann darf im Rahmen des small-talks darüber mit den anderen Wartenden geredet werden. Und da in England Züge nie pünktlich fahren, ….

Die tollste Kritik aber kam von ihm zum deutschen TV Programm. Er hatte vorher schon in der TV-Zeitung gesehen, dass bei uns diverse US und GB-Serien laufen, die er allesamt kennt. Dann aber der Schock: “They are dubbed!” “Ja, klar sind die synchronisiert, was hast du denn gedacht.” George ist völlig fertig. Kann sich nicht daran gewöhnen, dass die ihm bekannten Serienhelden auf einmal mit ganz anderer Stimmlage sprechen. Hat er wirklich gedacht wir würden britische Filme in Originalsprache sehen? Immerhin ist es tatsächlich so, dass die BBC wohl so gut wie keine ausländischen Filme zeigt. Synchronsprecher würden in England verhungern.

George lässt nicht locker und argumentiert, dass es doch für Kinder hilfreich sei, wenn sie schon durchs Fernsehen Englisch lernen würden. Ich konter: “And then they talk like Eddi Murphy?” Das gibt ihm zu denken.

Seine volle Bewunderung erweckt die deutsche Ehlichkeit. “Honesty and forthrightness“. Er kann es gar nicht glauben, dass es an U-Bahnhöfen keine Fahrkartenkontrolle gibt. In England sind die Bahnsteige mit Drehkreuzen abgesperrt. Nur mit einem gültigen Ticket lassen sie sich öffnen. 

Ich habe den Verdacht man verzichtet bei uns darauf, weil sich morgens und abends lange Warteschlangen davor bilden. Wo der Engländer brav ansteht, würde es in Deutschland Tumult geben. Aber das sage ich George nicht, er muß nicht alles wissen.

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Die Queen in der Tube-Station Baker Street. Auch sie muß durch die barriers, die nur mit Ticket passiert werden können.

Er mag auch unsere Direktheit, ja er beneidet mich oft darum. Engländer stehen sich mit ihrer Höflichkeit manchmal selbst im Weg. Sie drehen Pirouetten um das Thema und kriegen manchmal den Absprung nicht rechtzeitig hin. Da hört man dann Einleitungen wie: “could you please …” oder “would you be so kind …” Wir kommen schneller auf den Punkt und das würde George gerne übernehmen.

Unseren ausführlichen Land-und-Leute-Check, haben wir in einer Cocktail-Bar am Gänsemarkt geführt. Die Happy-Hour lud ein. Auf der Karte entdeckte ich den “Prince of Wales” und die “My Fair Lady“. Das mußten wir natürlich nehmen. Und als wir die Gläser geleert hatten bekomme ich noch, -sozusagen stellvertretend-,  ein nettes Kompliment obendrauf: “Germans are one of the best English-as-a-second-language-speakers.” “Thanks that’s music to my ears!”