Vermutlich haben Sie schon vom Black Friday gehört, aber ich bin mir sicher, wir haben nicht denselben Tag im Sinn. Es gab einen schwarzen Freitag an den Börsen, irgendwann Ende der 20er Jahre, als die Kurse ins Bodenlose und Banker aus Fenstern stürzten. Darüber will ich natürlich nicht schreiben. Hier geht es um den alljährlichen Black Friday in der englischen Vorweihnachtszeit. Der umsatzstärkste Tag des Jahres. Kreditkarten befällt an diesem Freitag meistens die galoppierende Schwindsucht und mancher Gatte ringt am Abend um seine Fassung. So gesehen haben die beiden Freitage doch vieles gemeinsam.

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Fox on the run. Mir wird er schon fast ein bißchen zu zahm.

Am Black Friday werden die Preise radikal runtergesetzt, damit das Geschäft in Schwung kommt. Der ganzjährige Trubel in den Londoner Warenhäusern gerät außer Kontrolle, es bricht das Chaos aus. Der Engländer formuliert das natürlich viel netter, lassen wir es George mal sagen: “Needless to say, things can get a little messy.” Wie niedlich.

Während ich versuche mich mit Englands Weihnachtsbräuchen vertraut zu machen, schleicht George mit Fotoapparat im Garten herum. Seit einigen Tagen habe wir einen Gast. Anfangs huschte der schüchtern in der Dämmerung über den Rasen, inzwischen sitzt er ungerührt auf der Terrasse und guckt uns durchs Türfenster bei abendlicher Zweisamkeit  zu.

Zurück zum Black Friday. Wann findet der statt? Ganz einfach, gleich nach Thanksgiving, was immer am vierten Donnerstag im November gefeiert wird. Daran habe ich übrigens noch gar nicht  gedacht. Muß ich da etwas einen Puter in den Ofen schieben? Na, wenigsten sind die Backöfen in England so groß, dass man wohl auch ein kleines Schwein in die Röhre zwängen könnte. Ein Blick in den Kalender gibt Gewissheit, am 27. November findet die diesjährige Einkaufsschlacht statt.

Wer übrigens günstig fliegen will, hat noch ein alternatives Datum zur Wahl, an dem die Tickets zum Schleuderpreis angeboten werden. Buchen Sie einfach am Freitag, den 13. und schon können Sie mit gut 70 Euro Ersparnis auf der Strecke Hamburg-London rechnen. Der Tipp kommt von George, sometimes he’s smarter than a fox. Nächstes Jahr gibt es leider nur eine Gelegenheit, die dann aber im Wonnemonat Mai.

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Ein Coleman 400 ist der Traum des Mannes. Falls Sie noch kein Geschenk haben, kaufen Sie es am Black Friday zum halben Preis.

Jetzt aber zurück zum Black Friday. Längst gilt der radikale Preisnachlass auch im Internet. Große Shops werden das auch  in Deutschland anbieten. Also falls Sie was Teures kaufen wollen, dann vielleicht noch ein paar Tage mit der Bestellung warten. Im Vorjahr hätte sich George fast einen Coleman 400 ATV bestellt. Als ich herausfinde, was das ist, trifft mich fast der Schlag. Vielleicht sollte ich ihn am Black Friday vom Internet fernhalten? “It had been selling at a near-50% discount; fuel injected engine, independent front suspension and swing arm rear!” No, no never. Das kommt nicht in Frage.

Selbst British Airways hat Black Friday Angebote: New York, Hin- und Rückflug, und drei Nächte im Hotel, alles zusammen £499. Das klingt gut, aber mich zieht so leider gar nichts über den Atlantik. – Wer sich am Schnäppchenfreitag partout nicht entscheiden kann, vertagt den Einkauf über das Wochenende, denn die neue Woche beginnt mit Cyber Monday! Nie davon gehört. George muß mich mal wieder aufklären: “It’s a working day but shopping goes on. It’s the first day back at work after the Thanksgiving weekend, when people would continue their shopping online on their office computers.” Ich staune über die Offenheit. Auch das sehr englisch. Deutsche Arbeitnehmer würden es wohl genauso machen, aber sie geben dem Einkaufen während der Arbeitszeit keinen extra Namen! Ich finde es aber sympathisch und werde mir den Begriff Cyber Monday merken.

Bevor George sich wieder dem Wild Life im Garten widmet, macht er mir klar, dass wir am Black Friday ganz bestimmt keinen Schritt Richtung City machen werden. Striktes Einkaufsverbot. Why? Weil der Tag ihn anwidert. “At Black Friday any remaining English decorum flew out the window. Always shoppers trampled over each other in their rush to enter stores and police were called to break up fights as consumers grappled over discounted televisions and behaved like animals.” Seine klare Meinung zum Thema teile ich hunderprozentig. Aber gilt das auch für Internetkäufe? Statt einer Antwort entschwindet er in den Garten.

Nun bräuchte ich eine Überleitung zu den Royals und könnte natürlich erzählen, dass das Thronfolgerpaar auf seiner Reise durch New Zealand auch einkaufen war. Aber statt Worte reicht es völlig das Foto von Prince Charles zu zeigen. Ich kann mich gar nicht satt sehen, denn er steckt mich mit seiner guten Laune an. Englisch Fröhlichkeit in Reinkultur. Wahrscheinlich habe ich zu viel deutsche Ernsthaftigkeit erlebt, denn immer wieder fällt mir die englische Heiterkeit auf. Sie tut mir einfach gut. Freuen Sie sich mit mit.

 

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